Größter Fahndungserfolg 2013 - Mehr als 30 Einbrüche rund um Oschersleben aufgeklärt

Polizei setzt Einbrecherbande schachmatt

Von Thomas Junk

Ein "dicker Fisch" ist der Kriminalpolizei Börde in das Netz gegangen. Die Kommissare sind einer Einbrecherbande auf die Schliche gekommen, auf deren Konto in den vergangenen Monaten mindestens 30 Einbrüche gegangen sind.

Oschersleben l Die Taucher bahnen sich ihren Weg durch Entengrütze, Schlamm und dichtes Schilf. Und die zwölf Froschmänner der Landesbereitschaftspolizei werden fündig: Aus einem Entwässerungsgraben nahe Wulferstedt hieven die Einsatzkräfte insgesamt drei Tresore an die Wasseroberfläche. Eine Einbrecherbande hatte die Geldschränke hier entsorgt, nachdem sie sie aus mehreren Geschäften gestohlen, später aufgeflext und schließlich leer geräumt hatte.

Seit November vergangenen Jahres hat die vermutlich zehnköpfige Bande den Großraum Oschersleben unsicher gemacht und einen Schaden in Höhe von mehreren 10 000 Euro angerichtet. "30 Einbrüche können wir den Tatverdächtigen nachweisen. Und derzeit wird geprüft, ob noch mehr Einbrüche auf ihr Konto gehen", sagt Kriminalhauptkommissar Helge Haensch im Gespräch mit der Volksstimme. Gemeinsam mit seiner Kollegin Sibille Gluschke hat der Ermittler viele kleine Spuren wie Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammengesetzt und konnte so die Kreise immer enger ziehen.

Der Durchbruch bei den Ermittlungen gelang den beiden Kommissaren Ende April, als sie nach einem Einbruch in ein Friseurgeschäft in Oschersleben eindeutige Spuren - in Form von Fingerabdrücken, Fußspuren und DNA-Spuren - sichern konnten. Es folgten Hausdurchsuchungen bei insgesamt zehn Tatverdächtigen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, die alle im Raum Oschersleben wohnen. "Fünf von ihnen konnten wir wegen schweren Bandendiebstahls sofort festnehmen", so Haensch. Denn in den durchsuchten Wohnungen brachten die Polizisten Erstaunliches zum Vorschein. Neben mehreren Tresoren und Geldkassetten fanden sie auch Unmengen an Hundefutter, Halsbändern und weiterem Haustierzubehör. Dies stammt offensichtlich aus zwei Einbrüchen in Filialen einer Tiermarkt-Kette in Hohenwarsleben und Halberstadt. "Offensichtlich sind die Einbrecher Tierfreunde. Mit dem was wir gefunden haben, könnte man zwei Tierheime ausstatten", konstatierte Sibille Gluschke augenzwinkernd.

Aber auch das passt in die Profile der Einbrüche. Die Bande hat stets alles mitgenommen was nicht niet- und nagelfest war und für sie oder ihre Tiere irgendwie von Nutzen sein könnte. Egal ob Lebensmittel, Getränke oder eben Haustiernahrung. Die Vielzahl der Einbrüche im vergangenen halben Jahr liefen immer nach der selben Masche ab. "Wir haben bei den Einbrüchen stets die gleiche Vorgehensweise der Täter beobachten können. Jedes Mal hatten es die Diebe auf einen Tresor abgesehen. Der wurde dann entweder vor Ort aufgebrochen oder mitgenommen und dann in aller Ruhe zu Hause geknackt", erklärt Helge Haensch. Nach getaner Arbeit haben die Einbrecher die Stahlschränke dann entsorgt - zum Beispiel im Gewässer bei Wulferstedt.

Eine schwierige Aufgabe wartet auf die Kommissare jetzt aber noch, weiß Sibille Gluschke: "Jetzt müssen wir die jeweilige Tatbeteiligung der einzelnen Täter an den Einbrüchen noch nachweisen. Es gingen zwar alle Einbrüche auf das Konto der Bande, aber es waren nicht immer alle beteiligt."

Revierleiter Jörg Gebur ist stolz auf diesen Fahndungserfolg seiner Mitarbeiter. "Die Kollegen waren mit unwahrscheinlich viel Einsatz bei der Sache und haben Tag und Nacht gearbeitet. Auch die gute Zusammenarbeit mit der Schutzpolizei hat letztlich dazu geführt, dass wir diesen Erfolg vermelden können", so Gebur.

"Man weiß ja nicht was noch kommt, aber wir können das als größten Fahndungserfolg des bisherigen Jahres verbuchen", sagt auch der Leiter des Revierkriminaldienstes, Matthias Wied. Zumal die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Wied hat allerdings bereits jetzt festgestellt: "Die Zahl der Einbrüche hat, seitdem wir die Täter haben, spürbar abgenommen."

Einen solch umfangreichen Fall an Bandenkriminalität habe man schon lange nicht mehr gehabt. Seit den 1990er Jahre habe diese Form der Einbruchsdelikte stark abgenommen. "Umso schöner ist es, dass wir bewiesen haben, dass wir solche Fälle auch heute noch aufdecken können", so der Kripo-Chef.