Hordorf/Oschersleben l „Da haben wir ja wirklich sehr gutes Wetter erwischt“, freut sich Harald Jäger und blickt gespannt auf die vorbeirauschenden Autos. Sein Kollege Stefan Jagusch visiert immer wieder mit der „Laserpistole“, ein Handmessgerät zur Messung von Geschwindigkeiten, sich nähernde Autos an. Plötzlich ertönt ein heller Piepton. Jäger will schon die Kelle heben, doch sein Kollege hält ihn zurück. „Zu langsam“, gibt er knapp von sich. Kurz darauf wieder das Piepen. „78 Stundenkilometer“, teilt Jagusch kurz und knapp mit. Sein Kollege läuft vorsichtig auf die Straße und zieht die erste „Kundin“ aus dem Verkehr.

Die zwei Beamten und Kollegin Vicotria Dreier führen an diesem sonnigen Donnerstag eine Verkehrskontrolle auf der Landstraße 101 zwischen Hordorf und Oschersleben durch. Verkehr 12, so der Funkkenner des Dreiergespanns an diesem Tag, sind gemeinsam mit weiteren Kollegen des Polizeireviers Börde im Einsatz, um Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Insgesamt zehn Teams und Verstärkungskräfte der Polizeiinspektion Magdeburg überwachen an diesem Tag den Verkehr im Landkreis Börde. Neben festen Kontrollstellen wie auf der L101 sind auch mobile Teams unterwegs. „Deren Augenmerk liegt vor allem auf der Kontrolle des angelegten Gurts. Außerdem wird überprüft, dass niemand das Handy in der Hand hat“, erklärt der Leiter für Zentrale Aufgaben im Polizeirevier Börde,, Sebastian Richter. Auch auffällig fahrende Fahrzeuge würden kontrolliert.

Unterdessen darf die Dame, die mit 75 Stundenkilometern unterwegs war, - bis 100 Stundenkilometer wird eine Toleranz von drei Stundenkiloemtern abgezogen und darüber drei Prozent - weiterfahren. Sie erwartet nun ein Verwarngeld von 20 Euro. „Wir haben uns die Stelle hier ganz bewusst ausgesucht“, erklärt Harald Jäger. Wenn man aus Oschersleben komme, dürfe man maximal 80 Stundenkilometer fahren, aus Richtung Hordorf maximal 60 Stundenkilometer. Die nächste Verkehrssünderin lässt nicht lange auf sich warten. Mit „tolerierten“ 93 Stundenkilometern rauscht sie in die Kontrolle. Stefan Jagusch ermahnt sie: „Sie fahren einen Behindertentransport, sie sollten besonders vorsichtig fahren, wenn sie Menschen transportieren.“ Die Frau zeigt sich einsichtig und gibt den Verstoß zu. Die Frage, ob sie gleich vor Ort bezahlen könne, muss Jagusch verneinen. Das sei bei ihm nicht möglich. „Wir haben zwar seit kurzem die Möglichkeit, Verwarngelder vor Ort zu kassieren, aber nicht jedes Fahrzeug ist bereits mit einem elektronischen Bezahlsystem ausgestattet“, erklärt Sebastian Richter dazu. Zukünftig solle aber nachgerüstet werden. „Dann ist es möglich, alles im Verwarngeldbereich vor Ort mit Karte zu bezahlen.“ Bei Bußgeldern, diese gehen ab 60 Euro los, sei das nicht mehr möglich. Hier komme der entsprechende Bescheid über die zuständige Bußgeldstelle.

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Unterdessen kündigt sich das nächste zu schnelle Fahrzeug aus Richtung Oschersleben an. Stefan Jagusch misst bei dem Mercedes Transporter 104 Stundenkilometer. Er schrammt haarscharf am Punkt in Flensburg vorbei. „Abzüglich der drei Prozent Toleranz sind sie mit 99 Stundenkilometern unterwegs gewesen“, erläutert Jagusch fachmännisch dem Fahrer. Auch er zeigt sich einsichtig und gelobt Besserung. Das Verwarngeld wird er trotzdem bekommen. „Wir machen das hier nicht, um den Leuten das Geld aus den Taschen zu ziehen, sondern um sie zu erziehen“, erklärt Victoria Dreier, während sie den Bescheid für den Mercedes-Fahrer schreibt. Letztendlich gehe es darum, den Menschen die Augen dafür zu öffnen und Hochgeschwindigkeitsunfälle zu vermeiden. „Leider gibt es auch Fahrzeugführer, die uns Böses unterstellen und denken, dass wir das mit reiner Willkür machen“, sagt Dreier und arbeitet in ihrem mobilen Büro weiter. Denn bei Kontrolle werden nicht nur die Bescheide geschrieben, sondern auch die Fahrzeugführer routinemäßig überprüft. Der Fahrer des Mercedes ist „sauber“. Er darf seinen Weg fortsetzen.

Dass es nicht immer im Verwarngeldbereich bleibt, zeigt der nächste Fahrer. Aus Richtung Oschersleben nähert sich der Kontrollstelle ein schwarzer Skoda-SUV. Das Messgerät piept: „110 Stundenkilometer!“, ruft der Beamte am Messgerät und Harald Jäger hastet auf die Straße. Er winkt den Wagen mit der roten Kelle in die Kontrollstelle. Dessen Fahrer scheint die Prozedur zu kennen, sofort notiert er sich den Beginn und den Ort der Verkehrskontrolle. „Guten Tag, das ist eine Verkehrskontrolle, wir haben ihre Geschwindigkeit gemessen und sie waren leider zu schnell unterwegs“, erläutert ihm Polizeikommissar Jagusch. „Abzüglich der Toleranz waren sie immer noch 26 Stundenkilometer zu schnell unterwegs“, eröffnet er dem Mann den Vorwurf. Dieser zeigt sich unbeeindruckt und diskutiert lieber noch mit dem Beamten. Auf den Vorwurf will er sich vor Ort nicht einlassen und unterschreibt den Bescheid nicht.

Post von der Bußgeldstelle

Danach setzt er seine Fahrt fort. „Er muss vor Ort nichts unterschreiben“, erklärt Victoria Dreier. Er bekomme nun einen Anhörungsbogen von der Bußgeldstelle und könne sich dann dort dazu äußern. In seltenen Fällen kämen Geschwindigkeitsüberschreitungen vor Gericht. Meist lohne der Aufwand dafür einfach nicht. „Den Mann erwartet nun ein Bußgeld von 80 Euro sowie ein Punkt in Flensburg. Dazu kommen noch die Bearbeitungskosten der Bußgeldstelle“, erläutert Dreier.

Auch die nächste Dame ist zu schnell aus Richtung Oschersleben gekommen. Sie bleibt mit 12 Stundenkilometern im Verwarngeldbereich. „Ich weiß das hier 80 sind. Da war ich wohl bisschen im Tran“, entschuldigt sie sich. Stefan Jagusch bemerkt das lockere Kennzeichen an ihrem Kleinwagen und versucht es notdürftig zu reparieren - sozusagen Erste Hilfe für‘s Kennzeichen. Die Frau verspricht, das sofort reparieren zu lassen. Sie darf ihre Fahrt fortsetzen. Für den nächsten Fahrer wird die Kontrolle etwas langwieriger. Da er sich auffällig verhält, wollen die Beamten einen Alkoholtest durchführen. Dafür kommen extra Beamte mit einem Zivilfahrzeug aus Gröningen. Der Test fällt für den Mann gut aus. „0,0 Promille! So soll es sein“, freut sich Jäger. Dafür hat der Mann keine Warnweste dabei. Für ihn bedeutet das ein Verwarngeld für zu schnelles fahren (20 Euro) und eins für die Warnweste (15 Euro). Er ist der letzte Autofahrer, der an diesem landkreisweiten Kontrolltag den Beamten in die Fänge geht.

Insgesamt wurden bis zum Abend 44 Fahrzeugführer bezüglich ihrer Geschwindigkeit angehalten. Spitzenreiter war dabei ein 25-Jähriger, der innerorts mit 84 Stundenkilometern unterwegs war. Desweiteren wurden insgesamt 97 Ordnungswidrigkeiten von den Beamten geahndet. Zwei Fahrer waren ohne gültige Fahrerlaubnis auf Achse. Allein zwischen Hordorf wurden bis zum Mittag neun Geschwindigkeitsverstöße, fünf Gurtverstöße und eine vergessene Warnweste von dem Team von Verkehr 12 geahndet.