Oschersleben l „Das sind schöne Erinnerungen. Ich bin in Oschersleben groß geworden. Hier auf den Fotos ist gut zu erkennen, wie sich die Stadt verändert hat“, sagt Rolf Halla. Mit seiner Ehefrau gerade die Besorgungen in der Innenstadt erledigt, steht er nun vor den großen Schaufenstern des „Kaufhauses O“ in der Magdeburger Straße. Interessiert blicken die Beiden auf die zahlreichen Postkarten und Fotos der Ausstellung mit dem Titel „Zeitreise“.

Die Bilder stammen aus dem reichhaltigen Fundus des in Oschersleben geborenen Wolfgang Grygiel. „Ich habe schon zu DDR-Zeiten Postkarten von Oschersleben, Emmeringen und Hordorf gesammelt, weil meine Vorfahren dort lebten und weil ich meiner Heimat verbunden bin“, erzählt Grygiel und fügt hinzu: „Nach der Wende ging es dann richtig los.“ So sei er nach 1989 auf zahlreichen Börsen und Flohmärkten gewesen. Auch im Internet kaufe er immer wieder alte Ansichtskarten von Oschersleben. Aktuell lagerten mehrere tausend Motive in seinem Archiv. „Mittlerweile sind die ganz schön teuer geworden“, sagt der Sammler. Erst kürzlich habe er eine Postkarte von der ehemaligen Gastwirtschaft „Stadtpark“ in der Hornhäuser Straße erhalten – für satte 40 Euro. Seine älteste Ansichtskarte stammt übrigens aus dem Jahr 1860.

Rund 350 Bilder aufbereitet

Für die Ausstellung hat er eine Auswahl von insgesamt rund 350 Bildern aufbereitet und auf das einheitliche Maß von 18 mal 13 Zentimetern gebracht. „So sind die einzelnen Motive besser zu erkennen“, erklärt Wolfgang Grygiel. Insgesamt 18 Rahmen hängen nun in den Schaufenstern des ehemaligen Kaufhauses mit jeweils bis zu 20 Fotos und Postkarten.

Bilder

Zu sehen sind beispielsweise alte Aufnahmen vom Marktplatz, von ehemaligen Straßenzügen, der alten Badeanstalt an der Bode im Süden der Stadt, von Oschersleben nach der Zerstörung durch Bombenangriffe oder den AGO-Flugzeugwerken. Es gibt aber auch historische Aufnahmen von der Burg und ihrem Umfeld, vom ehemaligen Zigarrenwerk in der Thälmannstraße (später Kleiderwerk, heute Standort NP) oder vom Bahnhof. Zwei Fotos fallen hier besonders auf. Darauf zu sehen ist ein utopisch anmutendes Schienenfahrzeug. Dabei handelt es sich um den Propellertriebwagen „Kruckenberg“, ein sogenannter Schienenzeppelin. „Ja, auch dieser ist früher durch Oschersleben gefahren. Das war normal“, sagt Grygiel.

Vierte Schau

Die „Zeitreise“- Ausstellung ist mittlerweile die vierte Schau des Sammlers. So hatte Grygiel bereits im Museum ausgestellt, darunter auch eigene Fotos. Die aktuelle Schau sei vor allem auf Initiative von Steffen Drabe entstanden. „Von ihm stammen ja die Rahmen. Er hatte eines Tages angerufen und gefragt, ob ich nicht einmal wieder meine Postkarten der Öffentlichkeit zugänglich machen würde. Da habe ich mich natürlich gefreut“, erinnert sich der Ansichtskartenliebhaber.

Wer sich die alten Ansichten anschauen möchte, braucht zunächst keine Eile walten lassen. Ein Ende der Schau steht nämlich noch nicht fest.