Gröningen l Als Gröningens Bürgermeister die Ausschreibung zum „Klima Contest Kommune 2019“ in die Hände bekommt, ist ihm sofort klar, dass eine Teilnahme der Stadt Gröningen durchaus infrage kommt. Fallen ihm doch von jetzt auf gleich reichlich Energie- und Klimaschutz-Maßnahmen ein, mit denen Gröninger Einwohner wie auch Gröninger Betriebe und Einrichtungen bereits eine Menge für den Klimaschutz unternehmen. Das reicht von Photovoltaikanlagen über Windräder, Biogasanlagen, Gebäudesanierungen und moderne Heizungsanlagen bis hin zu stromsparenden Beleuchtungen. Und genauso viele Projekte, um Energie einzusparen und erneuerbare zu gewinnen, fallen Erst Brunner ein, die bereits geplant sind und demnächst umgesetzt werden. Zu denen beispielsweise auch ein Wasserkraftwerk gehört.

Ergebnisse auf vier Seiten zusammengefasst

Allerdings bleiben dem Bürgermeister nur wenige Tage, um die Bewerbungsunterlagen für den Wettbewerb einzureichen. Also schnappt sich Brunner zunächst das Telefon und spricht stundenlang mit Unternehmen, Einrichtungen sowie Bürgern der Stadt über deren Energieprojekte und fragt dabei auch konkrete Zahlen, beispielsweise zur Energiegewinnung ab. Dann fasst er das alles sowie all das, was ihm zudem an bereits vorhandenen und geplanten Projekten bekannt ist, auf vier Seiten zusammen. „Ich war mir schon bewusst, dass andere Kommunen sicherlich die Wettbewerbs-Jury mit großen Präsentationen beeindrucken werden, habe aber gehofft, dass die Informationen auf diesen vier Seiten für sich sprechen“, sagt der Bürgermeister.

Stadt hat 25 Millionen Kilowattstunden übrig

Also Beispielsweise die Tatsache, dass in der 3818-Einwohner-Stadt Gröningen bereits jetzt etwa 53 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugt, aber von den Bewohnern, den Einrichtungen und den Betrieben zusammen nur etwa 28 Millionen verbraucht werden. „Es bleiben also schon jetzt in Gröningen 25 Millionen Kilowattstunden alternativ erzeugte Energie im Jahr übrig, die ins allgemeine Netz eingespeist werden“, stellt Brunner in seinem Schreiben fest. In dem er auch darüber berichtet, dass er selbst bereits 1998 eine Photovoltaikanlage auf das Dach seines Hause gebaut und seine Mitbürger über seine Erfahrungen informiert hat, von denen nicht wenige ihm gefolgt sind. Mit dem Ergebnis, dass nur in der Gröninger Kernstadt derzeit bereits 12.000 Quadratmeter mit Photovoltaikkollektoren ausgestattet sind. Wie der Bürgermeister diesen gesamten Alternativ-Energie-Prozess seither auch als Vorsitzender des Bauausschusses und dann als Bürgermeister in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Stadt, den Einrichtungen und den Einwohner begleitet und immer wieder angeschoben hat.

Börde-Campus strebt Eigenversorgung an

In dem Schreiben hat Ernst Brunner zudem unter anderem das Umweltministerium und die Landesenergieagentur darüber informiert, dass der neue Gröninger Educado-Börde-Campus eine komplette Eigenversorgung mit Energie und Wärme einschließlich Ladestation für seine Elektro-Schulbusse aus Photovoltaik und Solarthermie anstrebt und schon jetzt im Eingangsbereich dieser Schule digital angezeigt wird, wieviel CO2 bereits mit der schon vorhandenen Photovoltaikanlage eingespart wird. Auch aufgeführt hat der Bürgermeister, dass auf der früheren Mülldeponie eine 32.000 Quadratmeter große Solaranlage kurz vor Baubeginn ist, dass die Grundschule an ihrem künftigen neuen Standort in der Grabenstraße nach den geplanten Umbauarbeiten mit Hilfe von Photovoltaik und Luftwärmepumpe genauso energieneutral betrieben werde, wie die Kindertagesstätte nach ihrer vorgesehenen Sanierung und auch der neue Verwaltungssitz.

Gröningen auf dem zweiten Platz

Das alles und noch eini- ges mehr hat die Wettbewerbs-Jury so überzeugt, dass Umweltministerin Claudia Dalbert und Energieagentur-Geschäftsführer Marko Mühlstein nun Ernst Brunner im Magdeburger Maritimhotel eine Urkunde und einen 30.000-Euro-Scheck überreicht haben. Denn Gröningen hat in diesem Wettbewerb hinter Güsten und vor Bitterfeld-Wolfen den 2. Platz belegt. Acht weitere Kommunen des Landes sind für ihre Teilnahme geehrt worden.

Maßnahmen werden künftig koordiniert

„Ich war mit Blick auf all die Mitbewerber schon sehr überrascht, dass es für uns der zweite Platz geworden ist“, sagt Ernst Brunner und stellt klar, dass mit diesem Preis die Gröninger Anstrengungen für den Klimaschutz nicht erledigt sind. „Ganz im Gegenteil, jetzt geht es erst richtig los.“ Denn mit dem Preisgeld will die Stadt eine Stelle für die Koordinierung aller derzeitigen und künftigen Klimaschutzaktivitäten schaffen.

So plant Gröningen unter anderem, die hiesigen Erzeuger alternativer Energien, die Verbraucher und den Stromnetzbetreiber zusammenzuführen, um beispielsweise die hier erzeugte Energie auch hier zu nutzen. Zudem soll die CO2-Einsparung und der aktuelle CO2-Fußabdruck der Stadt Gröningen jederzeit im Internet, per App und auch am Verwaltungsgebäude auf einem Datenterminal veröffentlicht werden. „Gleichzeitig sollen an diesem Terminal und im Internet innovative Ideen und Projekte zum Thema Klimaschutz abrufbar sein und damit anregen, mit- und nachzumachen“, so Ernst Brunner.

Neues Prädikat angestrebt

Der zudem ankündigt, dass Gröningen nun auch mit Hilfe der neuen Koodinierungsstelle den „European Energy Award“ anstrebt, den in Sachsen-Anhalt bisher drei Orte gewonnen haben und sich nun „Europäische Energie- und Klimaschutzkommune“ nennen dürfen. Was nicht zuletzt hilft für Sanierungs-, Umbau- oder Neubau-Projekten Fördermittel zu bekommen.