Oschersleben l „Es wäre uns lieb gewesen, den kompletten Stadtrat und ganz viele Baubeteiligte einzuladen. Aber wegen der Corona-Lage ist der Kreis heute etwas kleiner“, erklärte Thomas Harborth. Er ist der Geschäftsführer der Wohnungsbau- und verwaltungsgesellschaft Bewos. Die errichtet die neue Schwimmhalle im Auftrag der Stadt. Letztere wird die Einrichtung später mieten und betrieben.

Wegen der aktuellen Beschränkungen musste das Richtfest kleiner ausfallen. So waren nur wenige Vertreter der Ratsfraktionen und Baufirmen vor Ort. Aber sonst gab es viele gute Nachrichten. „Wir sind schon ziemlich weit gekommen“, fasste Thomas Harborth zusammen. Eigentlich sei das Richtfest erst für Anfang Dezember vorgesehen gewesen. Nun könne es bereits knapp zwei Wochen früher begangen werden. In den Augen des Bewos-Geschäftsführers ist das ein gutes Zeichen für den gesamten Bau.

Kostenrahmen passt

Finanziell sehe es nach einer „Punktlandung“ aus. Demnach werde der Kostenrahmen von zirka 8,4 Millionen Euro wahrscheinlich genau eingehalten, so Thomas Harborth. Er bedankte sich beim Rat, der das Geld aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung stellt. Derzeit seien rund 75 Prozent der Aufträge vergeben. Im Februar sollen es 95 Prozent sein. Das bringe eine hohe Planungs- und Kostensicherheit mit sich.

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Wie Thomas Harborth ebenfalls erklärte, freue er sich auf die direkte Nachbarschaft des ehrwürdigen Bahnhofsgebäudes und der modernen Schwimmhalle. Der Bahnhof wird von der Bewos ebenfalls saniert. Im Unterschied zum Neubau habe man dabei eine Reihe an Überraschungen erlebt.

Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) sagte: „Es spricht alles dafür, dass wir den richtigen Weg gewählt haben.“ In Burg werde derzeit eine Schwimmhalle für etwa neun Millionen Euro saniert. In Oschersleben erhalte man für weniger Geld einen kompletten Neubau inklusive moderner Technik und der zu erwartenden Langlebigkeit.

Gute Zusammenarbeit

Zwei Jahre lang habe sich die Stadt um finanzielle Unterstützung in Form von Fördermitteln bemüht. Das habe leider nicht funktioniert. Doch letztlich habe die Situation auch Vorteile. „Denn sonst wären wir noch nicht so weit“, sagte das Stadtoberhaupt. Durch die Einbindung von Fördermittelgebern würden Bauvorhaben oft mehr Zeit benötigen. Der schnelle Fortschritt der Arbeiten sei aber auch dem Umstand geschuldet, dass alle Mitwirkenden gut miteinander verzahnt seien.

In jedem Falle sei die neue Schwimmhalle eine „absolute Aufwertung“. Und zwar nicht nur für das Areal am Bahnhof oder die Stadt Oschersleben, sondern für die ganze Region. Immer wieder lese man, dass eine zunehmend große Zahl von Kindern nicht richtig schwimmen könne. „Dagegen tun wir etwas“, so Benjamin Kanngießer. Da zum Angebot der Schwimmhalle auch Reha-Sport gehören werde, trage sie dem demographischen Wandel ebenfalls Rechnung. Außerdem biete sie ein zusätzliches Stück Lebensqualität. Thomas Harborth ergänzte, dass auch ein Spielplatz und ein Multifunktionsplatz zum Gelände gehören werden.

Der Architekt Holger Sieg war als Vertreter des Generalplaners, der Bauplanung Bautzen GmbH, vor Ort. Er ging auf die Geschichte des Areals und die bisherigen Stationen des Baus ein. Der erste Spatenstich erfolgte am 29. April 2019. Der Grundstein wurde am 7. Juli gelegt. Tatsächlich greife auch die Schwimmhalle die historische Gestaltung des Areals auf. So folge die Ausrichtung des Gebäudes dem Verlauf des ehemaligen Gleises Richtung Braunschweig. Holger Sieg dankte den beteiligten Firmen für ihre geleistete Arbeit, deren Qualität und die Termintreue. Im Dezember 2021 sollen die Arbeiten an der Schwimmhalle abgeschlossen werden. Im Januar 2022 beginne dann der Probebetrieb. „Wenn alles gut geht, streben wir für den Februar 2022 die Nutzungsaufnahme an“, so der Architekt.

Bürgermeister Kanngießer zeigte sich optimistisch, dass zumindest die Einweihung in großem Rahmen gefeiert werden könne und bis dahin wieder eine weitgehende Normalität herrsche. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt fertig werden“, so das Stadtoberhaupt.

Zimmermeister Stephan Schmidt von der Firma Holzbau Schmidt aus Schönebeck trug schließlich den traditionellen Richtspruch vor. Anschließend versenkten Benjamin Kanngießer und Thomas Harborth den symbolischen letzten Nagel in einem Dachbalken.

Im Anschluss an den offiziellen Teil unternahm die Mehrheit der Teilnehmer noch einen Rundgang durch das Bahnhofsgebäude. Dessen erstes Obergeschoss soll nach der Sanierung als Firmensitz der Bewos dienen. Wie Thomas Harborth mitteilt, sind die Räume im Erdgeschoss mit Ausnahme des Bistros bereits komplett vermietet. Dort würden eine Allgemeinmedizinerin mit ihrer Praxis sowie eine Physiotherapie, eine Podologie und ein Standort der Stadtwerke Haldensleben einziehen.

Die Fenster sind mittlerweile eingebaut. Dadurch ist der Bahnhof nach außen hin dicht. Der Innenausbau läuft. Thomas Harborth gab bekannt, dass Mitte 2021 alles fertig sein soll.