Gröningen l „Sie müssen im Dunkeln kommen. Dann sieht es richtig schön aus“, sagt Dietmar Kinzel. Recht hat der Gröninger. Vor dem Haus der Familie sind jetzt in der Weihnachtszeit schon viele Menschen stehen geblieben und haben die in besonderer Weise geschmückten Fenster bestaunt, die mit hereinbrechender Dunkelheit tatsächlich einen ganz besonderen weihnachtlichen Glanz verbreiten.

In den Fenstern im Erdgeschoss ihres Hauses im Prälatenberg präsentieren Burga und Dietmar Kinzel ihre Räuchermännchen-Sammlung. „Es sind exakt 96 Stück. Ich habe sie extra gezählt“, berichtet der Hausherr. Wann diese Sammelleidenschaft begonnen hat, kann Familie Kinzel heute gar nicht mehr so genau sagen. In jedem Fall wurden schon zu DDR-Zeiten die ersten Räuchermännel erstanden. „Im Kunstgewerbeladen, wie die Geschäfte seinerzeit hießen. Es war allerdings eine Kunst für sich, die begehrten traditionellen Arbeiten aus dem Erzgebirge zu ergattern“, erinnert sich das Ehepaar. Heute sieht das ganz anders aus, aber es werde eben auch viel Kitsch angeboten. „Wir sammeln tatsächlich nur die traditionelle Handwerkskunst, die ‚Echten‘ aus dem Erzgebirge und oder anderen Holzschnitzregionen Sachsens“, berichtet das Ehepaar.

Nachtwächter

Das traditionelle Räuchermännchen stellte einst einen Nachtwächter dar. Heute kommen viele andere Berufe hinzu. So haben Kinzels eine „starke“ Handwerkertruppe mit Maurer, Elektriker, Maler oder Bäcker. Doch auch andere Berufe wie Schaffner oder Pfarrer sind im Fenster-Regal zu finden.

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Hinter 96 Räuchermännchen stehen zahlreiche Geburtstagsgeschenke und der Bummel über Weihnachtsmärkte, wo die besondere Handwerkskunst angeboten wird. Ein Räuchermännchen hat der Hausherr mit den eigenen Händen produziert.

Ende im Januar

2005 sind Burga und Dietmar Kinzel in das Haus im Prälatenberg gezogen. Und seitdem werden die Räuchermännel immer zur Vorweihnachtszeit aus ihren Kisten geholt und in den Fenstern drapiert. Dafür hat Dietmar Kinzel eigens Regale gebaut, die nach Weihnachten wieder aus den Fenstern entfernt werden können. Wie auch die Räuchermännchen in nummerierten Kisten einzeln verstaut werden. „Die kirchliche Weihnachtszeit endet im Januar, dann ist es auch Zeit für die Räuchermännchen“, erklärt Burga Kinzel.

Übrigens: Räuchermänner oder Raachermannel wie sie im sächsischen Erzgebirge genannt werden, haben ihren Ursprung in dem traditionell starken christlichen Glauben der Bewohner dieser Region. Zunächst waren Räuchermännchen schlicht Abdeckungen für Räucherkerzen und Räucherkegel. Der Räuchermann wurde um 1830 erstmals erwähnt und ist seit dem fester Bestandteil der erzgebirgischen Volkskunst und der erzgebirgischen Weihnachtszeit.