Harbke l Nach 75 Jahren des ungebremsten Verfalls ist der Ruinenturm in Harbke frisch saniert worden. Er ist ab sofort für die Besucher wieder zugänglich, außerdem gibt es eine ständige Ausstellung, die hier von den Bürgern zu den künftigen Öffnungszeiten besichtigt werden kann.

Das in den Jahren 1851/52 als künstliche Ruine im Harbker Landschaftsgarten erbaute Gebäude, erstrahlt heute wieder in altem Glanz. Bei einem Festakt in der Orangerie im Harbker Schlosspark beschrieb Eigentümer Harald Binroth, wie er sich zwölf Jahre lang vergeblich um Fördermittel und den Erhalt dieses Baudenkmals bemüht hatte – und dann 2018 endlich Erfolg hatte.

Bund (83.000 Euro), Land (73.500 Euro) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (10.000 Euro) sagten ihre Unterstützung bei der Sanierung zu. Binroth selbst steuerte weitere gut 60.000 Euro bei, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Verfall der Turmruine aufhalten

„Die Erwartungshaltung der Harbker Bevölkerung war von Anfang an spürbar, den weiteren Verfall der Turmruine aufzuhalten“, so Binroth. Die Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) aus Harbke, die Binroths Bemühungen von Anbeginn unterstützt hatte und ein Grußwort sprechen wollte, musste ihre Teilnahme aufgrund des Anschlags in Halle allerdings kurzfristig absagen. Ehemann Hans Brakebusch sprang ein und trug den etwa 50 geladenen Gäste ihre anrührende Rede vor.

Die Skepsis, die Neueigentümer Binroth nach der Wende in Harbke vielfach entgegengeschlagen sei, habe sich als unbegründet erwiesen, so Brakebusch. Stattdessen sei hier ein engagierter Forstmann auf den Plan getreten, der nicht nur den Harbker Wald mit Achtsamkeit bewirtschafte, sondern sich auch für den Ort verdient mache, wie die Beispiele Ruheforst und Turmruine zeigten.

In ihrem Festvortrag stellte die Landeskonservatorin Dr. Ulrike Wendland die Bedeutung der Harbker Anlage von Schlosspark, Lustwald und Ruinenturm heraus. Kulturstaatssekretär Dr. Gunnar Schellenberger übermittelte Grüße von Bundesministerin Prof. Monika Grütters, die mit ihrer Förderzusage im Sommer 2018 den Stein erst richtig ins Rollen gebracht hatte.

Hirschtor in Harbke sanieren

Claus Mangels, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, richtete den Blick in seiner Ansprache schon nach vorne und auf eine mögliche Wiederherstellung des Hirschtors im Harbker Schlosspark. Ortsbürgermeister Werner Müller legte die Gründe dar, weshalb sich auch die Gemeinde sich mit 10.000 Euro an den Projektkosten beteiligt hatte. Diese betrafen jedoch nicht die Sanierung, sondern die künftige Nutzung des Turmes als Dauerausstellung über die „Harbkesche wilde Baumzucht“.

Unter diesem Namen wurde in den Jahren 1771/72 ein Buch des damaligen Parkaufsehers Johann Philipp Du Roi herausgegeben, das Harbke und die dahinterstehenden forstbotanischen Anbauversuche mit fremdländischen Baumarten unter Friedrich August von Veltheim damals schlagartig berühmt machte.

Landrat Martin Stichnoth (CDU) lobte in seinen Worten das bürgerschaftliche Engagement und erinnerte an das gemeinsame Tourismuskonzept Elm-Börde der Landkreise Helmstedt und Börde, für das es eben solche Projekte wie die neue Ausstellung in der Harbker Turmruine brauche.

Nach letzten Klängen von Musikern des Braunschweiger Staatsorchesters ging es dann in einem gemeinsamen Spaziergang zur Turmruine. Dort erläuterte Projektleiter Andreas Binroth, Sohn des Bauherrn, den Gästen anschaulich die Herausforderungen der zurückliegenden Arbeiten.

Sanierung kostete Zeit, Material und Geld

Die Sanierung des undichten Daches und der darunter befindlichen Gewölbedecke habe einiges an Zeit, Material und Geld verschlungen, so Binroth. „Bevor ein einziger Förderantrag geschrieben wurde, musste sichergestellt sein, dass die Planung brandschutztechnisch einwandfrei ist. Weil wir in so einem engen Turm keinen zweiten Rettungsweg einbauen konnten, durfte der öffentlich zugängliche Bereich nicht höher als sieben Meter liegen“, erläuterte er.

Ein Besteigen des Daches sei daher nicht möglich, aber der Balkon biete ebenfalls einen wunderbaren Blick in die Landschaft, so Binroth weiter, bevor er an die beiden Kuratoren übergab. Julia Franke und Clemens Niedenthal, zwei erfahrene Ausstellungsmacher aus Berlin, erläuterten danach kurzweilig ihr Konzept und gaben den Turm dann für die Gäste frei.

Diese machten ausgiebig von der neuen Begehbarkeit Gebrauch, erfreuten sich an dem neu erstrahlenden Harbker Wahrzeichen und der sehenswerten Ausstellung. Beides ist an diesem Wochenende, jeweils von 11 bis 15 Uhr erstmals für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei.

„Die Arbeiten am Bauwerk sind von Anfang April bis einen Tag vor der Eröffnung erfolgt“, sagte Andreas Binroth. „Der Turm wird bis Mitte November geöffnet, wenn es das Wetter zulässt. Die Termine geben wir auf unserer Webseite bekannt.“

Öffnungszeiten und eine Anfahrtsbeschreibung unter www.turmruine.de.