Hadmersleben l Die Orgel in der Hadmersleber Stadtkirche ist schon etwas Besonderes. „Die ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1667. Erbaut hat die Orgel der Orgelbaumeister Decker. In den Jahren 1872 bis 1875 kam es zu einem großen Umbau, die der Halberstädter Orgelbauer Wilhelm Bergen vorgenommen hat. Danach gab es keine Umbauten mehr, nur noch gelegentliche Pflegemaßnahmen. Der Originalzustand macht die Orgel in unserer Stadtkirche somit sehr wertvoll“, erklärt Theo Spielmann.

17 Jahre lang gespart

Immerhin 17 Jahre habe die Kirchengemeinde gespart, um die Orgel in der Stadtkirche sanieren zu können. Die Orgel war zwar bespielbar, aber längst nicht mehr alle Töne erklangen, ehe Orgelbauer Hüfken aus Halberstadt im November 2017 die Orgelpfeifen ausbaute. In der Halberstädter Werkstatt wurden 975 Pfeifen, die von Holzwürmern zerfressen waren, aufgearbeitet. Eine Holzschutzbehandlung wurde vorgenommen, Teile wurden repariert und vor allem gereinigt.

Zeitgleich begannen in der Hadmersleber Stadtkirche begleitende Arbeiten. So konnten Restauratoren nach Ausbau der Orgelpfeifen in mühevoller Kleinarbeit die Gewölbemalerei sanieren und festigen. Zudem wurden Schäden am Orgelprospekt beseitigt. Das Prospekt bekam, nach altem Vorbild, eine neue Farbfassung.

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Zur Geschichte der Orgel gehört auch, dass 1917 die Prospektpfeifen entfernt und für Munition eingeschmolzen worden sind.

Instrument vielseitg einsetzbar

„102 Jahre lang zierte ein Vorhang das Orgelprospekt. Er verbarg die Tatsache, dass die Prospektpfeifen fehlten. Gesagt werden muss aber auch, dass die fehlenden Orgelpfeifen keinen Klangverlust darstellten. Doch die Tatsache, dass ausgerechnet Pfeifen aus dem 17. Jahrhundert wegen ihres Zinngehaltes eingeschmolzen worden sind, macht schon nachdenklich. Sie wären heute eine große Kostbarkeit“, meint der Pfarrer.

Die Orgel in der Hadmersleber Stadtkirche stellt eine Mischung aus barocken Klangfarben und einem romantischen Register dar. So können Organisten wie der Kirchenmusikstudent Philipp Spielmann alte Meister wie Buxtehude, Bruns oder Bach genauso erklingen lassen wie romantische Stücke vom Komponisten Max Reger. „Wir haben somit eine Universalorgel. Die Besucher des Gottesdienstes am vergangenen Sonntag, als die Orgel eingeweiht wurde, konnten eine große Spannbreite von klassischen Stücken bis zu flotten Rhythmen erleben“, berichtet Pfarrer Spielmann weiter.

Beim anschließenden Kirchengemeindefest erklärte die „Kirchenmaus“ den Festbesuchern den Aufbau der Orgel und wie sie zum Klingen gebracht wird.