Gröningen l Der Schreck sitzt tief bei den Schützen aus Gröningen. Türen sind beschädigt und Waffenschränke aufgebrochen, die Gittertür in den Waffenraum ist komplett zerstört. „Da liegt noch eine Menge Arbeit vor uns“, sagt Michael Grada. Er ist der Vorsitzende des Schützenvereins und im Gebäude unterwegs, um Details für die Versicherung uzu sammeln und diese anschließend weiterzuleiten.

Er war am Freitagvormittag der Erste, dem der Einbruch auffiel. „Es ist Vorschrift, einmal täglich die Waffenkammer zu kontrollieren. Deshalb war ich hier. Zuerst fiel mir auf, dass es hier ziemlich kalt war“, erzählt der Vereinschef. Er habe sich gefragt, ob denn nur vergessen wurde, ein Fenster des Schießraumes zu schließen. Doch dann habe er Unrat unter einer der Öffnungen gesehen. „Ich bin hin und habe sofort bemerkt, dass das Fenster aufgebrochen war“, erzählt Grada weiter. Dann habe er entdeckt, dass der Schreibtisch durchwühlt wurde. Ein Blick in Richtung Waffenkammer ließ die schlimmsten Befürchtungen zur Gewissheit werden. Denn der eigentlich durch ein schweres Eisengitter gesicherte Raum stand sperrangelweit offen, genau wie einige sich darin befindliche Waffenschränke.

Täter gingen offenbar gezielt vor

„Die Täter waren nicht irgendwelche Dorfjacken. Die wussten genau, was sie tun“, ist sich Michael Grada sicher. Er muss es wissen, arbeitet der Schütze selbst bei der Kriminalpolizei. Mehrere Details nennt er, wie um sein These zu untermauern. So sind die Fenster von außen eigentlich mit Stahlblechen und diese wiederum mit Vorhängeschlössern gesichert. Doch eines wurde geknackt. Dann nahmen die Einbrecher wohl den Weg durch den Schieß- und den Aufenthaltsraum bis zur Waffenkammer. Hier sind die Gitter mit schwerem Gerät aufgeflext worden, genau wie die Waffenschränke. An den zentnerschweren Stahlkolossen ist zu erkennen, dass die Täter offenbar genau wussten, wo sie mit ihrem Werkzeug ansetzen mussten.

„Das zeugt von gezieltem Vorgehen“, befindet auch Torsten Dattko. Der Schießsportleiter des Vereins kommt gerade von Klaus-Peter Bartschte, dem Pressesprecher der Schützen. Der hatte inzwischen eine ebenfalls entwendete Geldkassette in der Nähe des Schützengeländes gefunden – aufgebrochen und entleert. 500 Euro sind nun weg.

15.000 Euro Schaden

Leer sind auch zwei der Waffenschränke aus zentimeterdickem Stahl. Es fehlen insgesamt drei Luftpistolen, zwei Luftgewehre, vier Kleinkaliber-Gewehre sowie zwei Lichtpunktpistolen. Letztere benötigen keine Munition. Sie gleichen in Aussehen, Verarbeitung und Funktion einer Luftpistole, sind jedoch keine Schusswaffen. „Es wird eine Zielbox und die entsprechende Software benötigt. Deshalb werden die Diebe zunächst mit diesen Waffen nichts anfangen können, zumindest nicht in Deutschland“, sagt Michael Grada. Die Pistolen seien registriert und auf die Software abgestimmt.

„Besonders bitter ist das für unsere Kinder und Jugendlichen im Verein. Der Trainingsbetrieb fällt bis Ende des Jahres aus“, erklärt Torsten Dattko. Eigentlich stünden die Vorbereitungen für die Landesmeisterschaften an, danach die für die Deutschen Meisterschaften. Auch die Erwachsenen, immerhin mischen viele von ihnen in der 2. Bundesliga Luftpistole mit, können nicht trainieren.

Doch auch der materielle Schaden ist nicht ohne. Den beziffern beide Vereinsfunktionäre auf rund 15.000 Euro. „Das ist allerdings nur eine grobe Schätzung. Würde der Neuwert zugrunde gelegt, ist der Schaden bei weitem höher“, betont Vereinschef Grada.

Waffen zur Fahndung ausgeschrieben

Laut Polizeisprecher Joachim Albrecht seien seine Kollegen gleich nach Bekanntwerden des Einbruchs mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort gewesen. Suchmaßnahmen seien im Nahbereich veranlasst worden, Kriminaltechniker hätten akribisch nach Spuren gesucht und diese gesichert. „Zwischenzeitlich haben meine Kollegen alle Registriernummern der gestohlen Waffen aufgenommen und diese zur Fahndung ausgeschrieben“, sagt Albrecht. Außerdem habe am Montagnachmittag ein Kripobeamter Hinweise zur besseren Sicherung der Räumlichkeiten gegeben.

Mittlerweile haben die Vereinsmitglieder ihr Schützenhaus wieder auf Vordermann gebracht. So ist nicht nur aufgeräumt und alles gesäubert worden. Auch das zerstörte Fenster samt vorgebautem Blechschutz haben die Schützen wieder gesichert. Nun hoffen die Gröninger, dass die Versicherung recht schnell den Schaden ausgleicht und bald wieder mit dem Training begonnen werden kann.