Harbke l In einer Bauzeit von knapp 14 Monaten hat eine kleine Gruppe von aktiven Mitgliedern der Harbker Schützengesellschaft einen lang gehegten Wunsch verwirklicht: die Errichtung einer vereinseigenen Kegelbahn. Dafür hat sich der Verein um Vorsitzende Helga Tell gehörig ins Zeug gelegt. Zur Mitgliederversammlung am morgigen Freitag öffnet sich mit der Übergabe der Anlage ein neues Vereinskapitel, das auf bemerkenswerte Weise geschrieben wurde.

„Das Kegeln hat uns nie richtig losgelassen“, sagt Schützenbruder Thomas Bauling, „denn immerhin sind zwei ehemalige Kegelgruppen, die sich früher auf der Kegelbahn im Kulturhaus regelmäßig sportlich betätigt haben, auch Mitglieder im Schützenverein.“ Nur war es vor längerer Zeit schon vorbei mit der beliebten Freizeitbeschäftigung: „Seit nunmehr über 13 Jahren ist das Kegeln in Harbke nicht mehr möglich gewesen.“ Doch schlummerte im alten Kegeltrupp stets der Wunsch nach Reaktivierung, zumal der raumgreifende „Kuhstall“, das Schützenvereinsheim auf dem Harbker Schlosshof, ein hervorragendes Kegelquartier hergeben würde.

Anlage in Wilhelmshaven ausgebaut

„Letztes Jahr stießen wir im Internet auf eine Kegelanlage mit zwei Bohlebahnen zur Selbstdemontage“, erzählt Thomas Bauling. „Nicht gleich um die Ecke, sondern in Wiesmoor in der Nähe von Wilhelmshaven.“ Was die Harbker aber nicht abschreckte: „Zu sechst machten wir uns mit einem Pkw und angemieteten Lkw auf die Reise, bauten die Kegelanlage in nur zwei Tagen wiederverwertbar aus und transportierten sie nach Harbke auf den Schlosshof.“ Die Gemeinde als Eigentümerin des Vereinsgebäudes stimmte dem Einbau per Ratsbeschluss zu. „Umfangreiche Umräumarbeiten und diverse Baumaßnahmen waren im Vorfeld notwendig, um die 30 Meter lange und fünf Meter breite Anlage installieren zu können“, so Bauling. „Es wurden Zwischenwände abgerissen, der Fußboden teilweise neu hergestellt, neue Trennwände errichtet und die Außenwand mit einer Trockenbauwand verkleidet.“

Dann ging es erneut Richtung Küste: „Eine für unseren Kegelraum notwendige abgehangene Zwischendecke wurde in einem ehemaligen Kaufhaus in Hamburg gefunden, wieder von uns selbst demontiert, nach Harbke transportiert, hier angepasst und montiert.“

Am Freitag wird die Anlage eingeweiht

Im Sommer schließlich machte sich der Schützenbautrupp ans Eingemachte, begann mit dem Unterbau für die Kegelbahn. Die Bohlen wurden verlegt und ausgerichtet, die Fehlwurfrinnen eingepasst und der umgebende Fußboden auf Höhe gebracht. „Noch vor Beginn der kalten Jahreszeit, wurde im September die Heizungsanlage eingebaut und in Betrieb genommen“, berichtet Thomas Bauling. Parallel dazu war Filigranarbeit bei der Montage und Ausrichtung der Maschine zum Aufstellen der Kegel gefragt. „Das war enorm zeitaufwendig, insbesondere die Einstellung der Seilzüge inklusive der dazugehörigen Mechanik und Elektrik, für die keine Bau- und Schaltpläne mehr zu finden waren. Es mussten auch noch einige Baugruppen generalüberholt werden, weil der Zahn der Zeit und die hohen mechanischen Belastungen ihre Spuren hinterlassen hatten.“

Auch diese Hürde wurde gekonnt genommen, ebenso wie Forderungen des Brand- und Unfallschutzes umgesetzt wurden: „Wie mussten Fluchtwege schaffen und kennzeichnen, Brandschutztüren einbauen und eine vom öffentlichen Stromnetz unabhängige Notbeleuchtung in allen Räumen installieren.“ Im Februar waren sämtliche Arbeiten abgeschlossen „und haben wir die Kegelbahn einem harten Probebetrieb unterzogen.“ Die Kegelgruppe der „Gelben Säcke“ testete die Bahn auf Fehler und störungsfreien Spielbetrieb. Hier und da mussten noch „Kinderkrankheiten“ ausgemerzt werden, „aber jetzt geht unser Traum in Erfüllung.“