Oschersleben l „Ohne Corona wären wir in der Entwicklung des digitalisierten Lernens heute noch nicht so weit“, kann Astrid Ribke, Leiterin der Sekundarschule „A.S. Puschkin“ Oschersleben, der Pandemie doch noch einen positiven Nebeneffekt abgewinnen. Die Homepage der Schule im Internet „ist zu unserem Arbeitsmittel und zu unserem Mitteilungsblatt geworden“, stellte die Schulleiterin fest.

Wurde die Sekundarschule beim ersten Lockdown durch die im März nahezu täglich wechselnden Erkenntnisse noch überrumpelt, sind die Voraussetzungen für ein digitalisiertes Lernen heute weitaus besser. Dreh- und Angelpunkt ist dabei nach Auskunft von Astrid Ribke die Lernplattform „Moodle“ des Landes Sachsen-Anhalt. Darüber bekommen die mehr als 300 Schüler ihre Aufgaben, wenn es wieder zum Distanzunterricht wegen Corona und einer Verschärfung des Lockdowns kommen würde. Bei Moodle können die Schüler direkt ihre Ergebnisse eintragen, was dann von den Lehrern kontrolliert und bewertet werde. Der Kontakt zwischen Lehren und Schülern sei über diese Lernplattform weitaus einfacher und gehe weit über das einfache Austauschen von E-Mails hinaus. „Wir sind jetzt besser vorbereitet und haben auch mit den Schülern das Prozedere besprochen, wenn der Tag X kommen sollte“, sagt Astrid Ribke. Der Tag X steht für eine Verschärfung des Lockdowns und einer damit verbundenen Schließung von Schulen in Sachsen-Anhalt. „Die Schüler wollen keinen Distanzunterricht“, schildert sie ihre Erfahrungen aus der ersten Krise.

Als besonders hilfreich schätzt die Chefin ein, dass sich bereits vor Jahren an der Schule ein Krisenteam aus mehreren Kollegen gebildet habe. Diese besonders geschulten Lehrer würden nach einem bestimmten Stichwort unverzüglich eingreifen, wenn es zu einer besonderen Lage welcher Art auch immer an der Schule komme. „Dann stehen Kollegen an meiner Seite, die genau wissen, was zu unternehmen ist“, sagt Astrid Ribke.

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Wie Astrid Ribke verdeutlicht, hat die Puschkin-Sekundarschule unverzüglich nach dem ersten Lockdown damit begonnen, alle Lehrer im Umgang mit der digitalen Lernplattform zu schulen und mit Dienst-E-Mails auszustatten. Zwei Kollegen seien besonders fit darin und hätten diese zusätzliche Aufgabe übernommen. „Dass hat uns gerettet“, schätzt die Schulleiterin heute ein. Auch die Schüler seien in dieser Zeitenwende des Lernens nicht vergessen worden. Die Klassen werden im Computerkabinett und im Sprachkabinett im digitalen Lernen geschult. Ziel sei es, die gesamte Schule mit einem leistungsfähigen WLAN-Netz auszustatten, was das Nutzen der digitalen Endgeräte wie Computer, Tablets und Handy fürs Lernen noch effektiver mache, sagt Lehrer Jens-Uwe Trensch, der diese Entwicklung vorantreibt und fachlich begleitet.

Auch habe die Sekundarschule unter den Kindern und Jugendlichen eine Erhebung gemacht, welche digitalen Endgeräte ihnen zu Hause zum Lernen zur Verfügung stehen. „Bei Schülern, die nichts haben, müssen wir uns Gedanken machen“, versichert Astrid Ribke. Sie dürften auf keinen Fall von der Entwicklung abgehängt und dadurch Nachteile beim Lernen erfahren. Ein Weg sei der Digitalpakt des Bundes, über den die Puschkin-Sekundarschule nach Absprache mit dem Landkreis Börde 46 Tablets bekommen soll.

So normal, wie eben möglich

Ansonsten läuft in diesen Tagen der Betrieb an der Sekundarschule „A.S. Puschkin“ so normal ab wie es eben die Einschränkungen durch Corona möglich machen. Für Schüler und Lehrer sei es zur Selbstverständlichkeit geworden, bereits beim Betreten des Schulgeländes Schutzmasken zu tragen. Im Unterricht dürften die Kinder und Jugendlichen die Masken beim Einhalten des Mindestabstandes abnehmen. Alle 20 Minuten werden in den Klassenräumen die Fenster geöffnet, um frische Luft hereinzulassen. So wie beispielsweise in der Klasse 5b von Lehrer Felix Schumacher. Da ist Leon der „Lüftungsbeauftragte“, der die Uhr an der Wand von seinem Platz aus gut im Blick hat und gewissenhaft für das fristgerechte Öffnen der Fenster sorgt. Dass die Kinder jetzt mitunter wegen der zunehmenden Kühle im Raum öfter ihre Jacken anziehen müssen, stört sie eher weniger.

Auch die in der Corona-Krise üblichen Hygenieregeln werden an der Puschkin-Sekundarschule natürlich eingehalten, stellt Astrid Ribke fest. Dazu gehören das regelmäßige Waschen und Desinfizieren der Hände. Ebenso seien die Reinigungskräfte darin unterrichtet worden, jetzt einmal mehr die Kontaktflächen zu desinfizieren. Bislang habe es an der Schule keinen Fall gegeben, dass sich Schüler oder Lehrer wegen Corona in Quarantäne begeben mussten. Wobei es der Leiterin natürlich bewusst sei, dass Schüler und Lehrer außerhalb des besonders geschützten Bereichs der Schule Kontakt zu vielen Menschen in ihrem Umfeld haben und die Lage jederzeit kippen könne.

„Wir erfüllen auch unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen unseren Bildungsauftrag“, stellt Astrid Ribke fest. Sie bedaure jedoch sehr, dass alle Aktivitäten, wie unter anderem Chor, Theater, Fahrten und Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts, die die Schule so bunt machen würden, jetzt wegen Corona nicht stattfinden können. Dieser Umstand schmerze sie sehr. Auch ist die Sekundarschule „A.S. Puschkin“ Oschersleben fest in das Europäische Erasmus-Programm eingebunden. Fest eingeplante Schüleraustausche mit Ungarn, Estland und Polen mussten wegen der Pandemie abgesagt werden und finden nunmehr digital statt. Ebenso mussten Berufsfindungsprojekte der 8. und 9. Klassen gestoppt werden.