Schulplanung

Schulverbund sorgt in der Westlichen Börde weiter für Diskussion

Schon jetzt beginnt die Arbeit am Konzept für einen Schulverbund zwischen den Standorten Gröningen und Hamersleben. Tritt der Fall des Falles ein, kann das Konzept aus der Schublade geholt werden.

Von Yvonne Heyer
Die Grundschule Hamersleben hat zu wenig Schülerzahlen. Ein Schulverbund sorgt dafür, dass die Schule erhalten werden kann.
Die Grundschule Hamersleben hat zu wenig Schülerzahlen. Ein Schulverbund sorgt dafür, dass die Schule erhalten werden kann. Foto: Yvonne Heyer

Gemeinde Westliche Börde l Der Sozialausschuss hat bereits am 21. April ausführlich diskutiert, als Gast den Referatsleiter für Schulentwicklungsplanung im Bildungsministerium, Matthias Stübig, eingeladen. In Folge dieser Sitzung tagte der Haupt- und Finanzausschuss des Verbandsgemeinderates und schloss sich der Auffassung des Sozialausschusses an: Alle vier Grundschulstandorte in der Verbandsgemeinde Westliche Börde bleiben als selbstständige Standorte erhalten. Sollten an einem Standort die gesetzlich vorgegebenen Zahlen nicht erreicht werden, wird die Bildung eines Schulverbundes favorisiert. Ein entsprechender Beschlussvorschlag wurde für die Gemeinderatssitzung am 27. Mai vorbereitet. Aufgabe war es, vor allem den Punkt 3 des Beschlussvorschlages rechtssicher und zweifelsfrei zu formulieren. Schließlich musste besagter Beschluss bereits am 31. Mai im Landkreis als übergeordnete Stelle vorliegen und dort einer Prüfung standhalten.

Mit den beiden Sitzungsrunden vor dem Verbandsgemeinderat konnten sich die Räte dem Thema nähern. So jedenfalls sieht es der Verbandsgemeindebürgermeister. Sich dem Thema nähern, heißt auch, zu wissen, dass mit dem Schuljahr 2023/24 die Grundschule Hamersleben die Mindesteinschülerzahl von 15 nicht erreicht und die Schule nicht auf die Mindestgesamtschülerzahl von 62 kommt. Bleibt es bis zum genannten Schuljahr bei den genannten Zahlen, muss der Schulverbund gebildet werden. Fabian Stankewitz bezeichnet die Zahlen als verlässlich, da die Kinder ja bereits geboren sind. In der Verbandsgemeinderatssitzung hatte der Bürgermeister ebenso deutlich gemacht, dass nach dem Gemeinderatsbeschluss keine Pause eingelegt werden darf, sondern die beiden Schulen, also Gröningen als Hauptstandort und Hamersleben als Nebenstandort, direkt Kontakt aufnehmen müssen. Lehrer und Elternvertreter werden zusammenkommen und gemeinsam beraten, wie sie den Schulverbund gestalten wollen. „Ein arbeitsreicher Prozess beginnt mit der Konzepterarbeitung“, so Stankewitz, der nochmals in der Runde betonte: „Sie beschließen heute nicht die Schließung einer Schule.“ Aus der Sicht der Verwaltung gäbe es keinen weiteren Klärungsbedarf.

Eigentlich schien der Beschluss zur mittel- und langfristigen Schulentwicklungsplanung für den Gemeinderat am 27. Mai nur eine Formsache zu sein, schließlich war lang und breit darüber diskutiert worden. Zudem hatte der Bürgermeister die Beschlussvorlage nochmals gründlich erläutert.

Der Fraktion Ausleben, Kroppenstedt, Wulferstedt ( AKW) jedoch schien der Punkt 3 in besagter Beschlussvorlage nicht zu behagen und schlug vor, diesen bei der Abstimmung auszuklammern. „Dann sitzen wir in 14 Tagen wieder hier. Der Landkreis wird das so nicht anerkennen“, war die erste Reaktion von Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz.

„Wir wollen alle vier Standorte erhalten. Mit uns wird es keine Schulschließung geben. Aber wegen eines statistischen Wertes beschließen wir schon heute für Hamersleben einen Schulverbund mit Gröningen. Wir wählen am 6. Juni eine neue Landesregierung. Welche neuen Beschlüsse wird diese hinsichtlich der Schulen fassen? Müssen wir den Punkt drei heute wirklich so fassen“, fragte das Mitglied des Gemeinderates in die Runde.

Falk Öhlie gibt zu bedenken, dass zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen kann, was die neue Regierung ändern wird. „Ich halte es für wichtig, dass wir heute diesen Beschluss so komplett fassen und einen Plan, ein Konzept für den Schulverbund in der Schublade haben. In zwei Jahren ist es dafür zu spät“, ist Falk Öhlie überzeugt.

Keine Entscheidung„aus dem Bauch heraus“

„Ich hoffe weiterhin auf Zuzug und dass es damit gar nicht zu der Situation, dass ein Schulverbund gebildet werden muss kommt. Das 'Loch' ist aber nicht nur statistisch, sondern auch praktisch da. Ja, es ist eine politisch unklare Situation. Aber es wird nicht gleich ein neues Schulgesetz geben. Ich bin aber auch verpflichtet, Beschlüsse zu erarbeiten, die vor Recht und Gesetz Bestand haben. Ohne Punkt 3 ist der Beschluss nicht rechtssicher“, gibt Fabian Stankewitz zu bedenken. „Wir entscheiden hier nicht aus dem Bauch heraus. Für mich ist der Beschluss der entscheidende Schritt, um Sicherheit für den Tag X zu haben. Und diese Sicherheit ist für mich die Bildung eines Schulverbundes. Wir sollten nicht pokern. Dieser Beschluss muss Sicherheit bringen“, macht Klaus Graßhoff, Gemeinderat und Bürgermeister der Gemeinde am Großen Bruch, deutlich. Für ihn ist der Erhalt des Schulstandortes Hamersleben wichtiger als die Selbstständigkeit der Schule.

Thomas Gürke, Vorsitzender des Sozialausschusses, meint, mit dem Beschluss würde der Verbandsgemeinderat abarbeiten, was sich der Referatsleiter Matthias Stübig wünscht. Der Gröninger Gemeinderat Karl-Heinz Gronenberg versteht die Diskussion nicht. „Wir wollen die Hamersleber Schule nicht dichtmachen“, betont er. Ernst Brunner sieht es ähnlich: „Der Absatz 3 zielt darauf ab, alle vier Grundschulstandorte zu erhalten. Nehmen wir den Absatz 3 raus, gefährden wir den Standort, ohne diesen Passus würde die Schule geschlossen“, ist Gröningens Bürgermeister überzeugt.

Mehrheitlich stimmte der Verbandsgemeinderat Westliche Börde für die vorlegte Schulentwicklungsplanung bis zum Schuljahr 2026/27, die den Erhalt aller vier Grundschulen vorsieht.

Der Punkt 3 des diskutieren Beschlusses zur Schulentwicklungsplanung sieht vor, dass, sobald die Grundschule in Hamersleben die Voraussetzungen für eine eigenständige Grundschule nicht erfüllt, soll sie Teilstandort eines Grundschulverbunds mit der Grundschule Gröningen als Hauptstandort werden. Die Verwaltung muss dem Verbandsgemeinderat jährlich bis zum 1. September die aktuellen Schülerzahlen an den Grundschulen und die Anzahl der im nächsten Schuljahr einzuschulenden Kinder in der Verbandsgemeinde vorlegen. Sollte es notwendig sein, muss die Verwaltung eine Beschlussvorschlag zur Aufhebung der Grundschule in Hamersleben und gleichzeitiger zur Gründung des Grundschulverbunds vorzulegen. Die Schulleitungen der Grundschulen Gröningen und in Hamersleben sollen über diesen Grundsatzbeschluss informiert werden und man solle sie zu bitten, umgehend mit Unterstützung der Verwaltung ein pädagogisches Konzept zur Gründung eines Grundschulverbundes zu erarbeiten.