Oschersleben l In einer Schlange warten die Menschen vor dem Gebäude. Wenn sie an der Reihe sind, reichen sie einen Beutel durchs Fenster. Der wird dann gefüllt. Die Nachfrage ist groß. „Etwa 500 Menschen nehmen die Tafel in Anspruch. Aber ich glaube, dass es in der Stadt noch mehr Leute gibt, die das Angebot nutzen könnten und die auch herzlich eingeladen sind", erklärt Mandy Oelke.

Sie ist die Leiterin der Sozialen Arbeit beim Kreisverband Börde des DRK. Damit ist sie unter anderem für die Tafeln zuständig. Davon gibt es im Landkreis drei: eine in Wolmirstedt, eine in Haldensleben und eine in Oschersleben. Sie alle sollen eine Veränderung erfahren. An den anderen beiden Standorten ist das weitgehend abgeschlossen. Doch in Oschersleben ist noch viel zu tun. An die Tafel angegliedert ist eine Suppenküche, die täglich etwa 30 Essen ausgibt. Beides zusammen befindet sich im Sozialen Zentrum des DRK. Das findet sich im Neuen Weg 5. Im Gebäude sind auch eine Beratungsstelle und die Kleiderkammer untergebracht.

Nicht als Bittsteller fühlen

„Alle, die Hilfe brauchen, können die Tafel in Anspruch nehmen", erklärt Mandy Oelke. Zu den Gästen zählen unter anderem Sozialhilfeempfänger, Rentner mit Grundsicherung sowie Empfänger von Arbeitslosengeld II. Ein wichtiger Grund für die geplante Veränderung: Die Besucher sollen sich nicht mehr als Bittsteller fühlen.

Bis vor Kurzem bekamen die Gäste jeweils dienstags und freitags bei der Lebensmittelausgabe einen vorgepackten Beutel überreicht. Er kostete einen symbolischen Pauschalpreis. Jetzt dürfen die Gäste bereits mitentscheiden, was in ihre Beutel hineinwandert.  Obst und Gemüse gibt es kostenlos dazu. „Das kommt gut an", berichtet Mandy Oelke. Gleichzeitig steckt der Gedanke dahinter, dass Besucher nur noch das mitnehmen, was sie wirklich wollen und dementsprechend auch verbrauchen.

Aber das ist nur ein erster Schritt. Auf lange Sicht soll die Tafel so ähnlich wie ein Laden gestaltet werden. „Wir hoffen, dass wir damit attraktiver werden für Leute, die derzeit noch nicht zu uns kommen", erläutert Mandy Oelke. Auch die Pauschalpreise sollen dann fallen. Wer nur wenig braucht, muss auch nur wenig zahlen. Wobei die DRK-Mitarbeiterin erklärt, dass es in den meisten Fällen um Cent-Beträge gehen wird. Denn auch wenn die Preise nicht mehr pauschal sind: Symbolisch bleiben sie.

Räumliche Veränderungen

Für das Konzept soll es voraussichtlich auch räumliche Veränderungen geben. Vermutlich sei ab März alles bereit. Tatsächlich gab es bereits einen Arbeitseinsatz. Dabei haben auch die Gäste der Tafel freiwillig geholfen, die Zimmer im Gebäude zu verschönern. Dazu erklärt Mandy Oelke: „Zur Tafel geht man, weil man sie braucht. Sie ist aber auch ein Ort zum Treffen und Reden."

Die Suppenküche soll ebenfalls größer und moderner werden - und zwar im weiteren Verlauf des Jahres. Das bringe zum einen bessere Bedingungen für die Mitarbeiter. Zum anderen könnte es laut Mandy Oelke dann dort Info-Veranstaltungen geben. Beispielsweise könne man zeigen, was sich aus den Lebensmitteln der Tafel alles zaubern lässt - oder darüber reden, wie lange bestimmte Produkte noch nutzbar sind, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum verstrichen ist.

Mandy Oelke plant darüber hinaus Kaffee- und Kuchennachmittage. „Das haben wir letztes Jahr getestet. Es kam gut an, deshalb versuchen wir jetzt, das Angebot zu etablieren", so die DRK-Mitarbeiterin. In einem ungezwungenen Rahmen lasse sich so auch über Themen rund um Rente oder Grundsicherung reden.

Tafel wird gut versorgt

In jedem Fall freut sich Mandy Oelke darüber, dass die Tafel in Oschersleben so gut versorgt wird. Es gebe viele Spenden durch Lebensmittelerzeuger, Supermärkte oder Privatpersonen. Auch die Stadt sei eine wichtige Unterstützerin. Unter anderem stellt sie das Gebäude zur Verfügung. „Ich bin froh, dass die Leute an uns glauben und uns so unterstützen", sagt die DRK-Mitarbeiterin.