Oschersleben l Wenn Ingeburg Gerke heute auf ihre Arbeit als Stadträtin zurückschaut, dann kann sie zu recht für sich feststellen, dass sich die Oschersleberin im Laufe der Jahre zu einer selbst bewussten, engagierten und anerkannten Persönlichkeit entwickelt hat. „Ich bin seit 1973 Mitglied der CDU, war bereits ab 1984 bis Stadträtin. „Anfangs war ich doch eher still, habe mich nicht getraut, etwas zu sagen“, schätzt sie ein. Mit der Nachwendezeit sollte sich das ändern. Allerdings wechselte die einstige Lehrerin in die Kreisverwaltung, leitete das Jugendamt. Damalige Vorschriften ließen es in Sachsen-Anhalt nicht zu, dass leitende Angestellte der Kreisverwaltung gleichzeitig in der Kommunalpolitik aktiv waren. So musste Ingeburg Gerke eine Legislaturperiode aussetzen. „Ich war mit Leib und Seele Russisch/Deutschlehrerin. Ich habe im Dezember 1990 an einem Freitag die Schule verlassen, um am Montag meine Arbeit im Jugendamt zu beginnen. Eine große Umstellung. „In der Schule sieht man schneller Erfolge, im Jugendamt dauert es mitunter Jahre“, schätzt sie heute ein.

„Ich war 25 Jahre Stadträtin, davon war ich 20 Jahre Vorsitzende, keine leichte Aufgabe, wenn man sein Amt ernst nimmt“, zieht sie heute das Fazit. Immer arbeitete sie in zwei Ausschüssen mit, bereitete sich auf jede Sitzung akribisch vor, ackerte Haushaltspläne und Sitzungsunterlagen durch. Gerade bei großen Bauvorhaben habe sie immer Bauchschmerzen gehabt.

Der Ton ist rauer geworden

Denkt sie heute zurück, dann sagt Ingeburg Gerke auch: „Es ging uns rein um die Sache, haben oftmals bis in die Nacht diskutiert. Jetzt ist der Ton rauer geworden und es geht nicht immer nur um die Sache. Das ist schade.“

Langweilig wird es für Ingeburg Gerke künftig auf keinen Fall werden. Sie wird sich weiter für ihre Stadt engagieren. Nennt in diesem Zusammenhang den 8. November, an dem eine ökumenische Gedenkandacht anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls stattfinden wird. Se ist nach wie vor im Festkomitee zur 1025-Jahr-Feier von Oschersleben, denn das Festjahr ist ja noch nicht zu Ende. Apropos Ökumene, diese lebt die Katholikin ganz bewusst. Ist sie doch nicht einfach nur Mitglied im Förderverein der evangelischen Kirche St. Nicolai, sie ist seit einigen Jahren auch die Vorsitzende. „Mal abgesehen davon, dass ich unter einem ‚Helfersyndrom leide‘, muss ich immer unter Menschen sein, mich kümmern, will mich geistig fit halten.“ Auch deshalb wird Ingeburg Gerke weiterhin im Frauenkreis der katholischen Gemeinde St. Marien mitwirken, Veranstaltungen und Gesprächkreise organisieren.