Oschersleben l Erst ein gutes halbes Jahr ist es her, dass die Mitglieder des Stadtrates einem Konzept, erstellt durch die sogenannte Friedhofskommission, grünes Licht gaben. Wochenlang tingelten Verwaltungsmitarbeiter und Ratsmitglieder über die Dörfer, um zu schauen, wie die Stadt künftig Kosten einsparen kann, die sie beispielsweise für die Pflege der Kleinode aufwendet. Heraus kam ein Papier, dass die Schließung von einzelnen Friedhofsarealen in der Kernstadt und ihren Ortsteilen vorsieht. Einzelne Gräberfelder sollen für immer geschlossen werden, um die dann freigewordenen Flächen anderen Nutzungen zuzuführen.

Von Verkleinerung bis Schließung

So werden die Anlagen in der Kernstadt sowie in Altbrandsleben, in Ampfurth, in Beckendorf, Groß Germersleben, Hadmersleben, Hordorf, Hornhausen, Neindorf und in Peseckendorf verkleinert. In Hadmersleben werden noch Gespräche geführt, wie die drei Friedhöfe künftig koexistieren beziehungsweise zusammengelegt werden können. Denn neben einem städtischen Friedhof gibt es in der Stadt noch eine katholische sowie eine evangelische Anlage. Der Friedhof in Peseckendorf-Neubau soll komplett geschlossen werden. Läuft ein Nutzungsrecht für bestimmte Grabstätten erst in mehreren Jahren aus, ist eine Entwidmung nur im Anschluss möglich.

Nun wurde das im Herbst bestätigte Konzept in Beschlussvorlagen gegossen – für jeden Friedhof eine. Bereits Anfang April hatten die Mitglieder des Bauausschusses grünes Licht gegeben, andere Ausschüsse folgten. Am Dienstagabend nun sollte der Stadtrat final über die Zukunft der Friedhöfe entscheiden.

Wenige Nein-Stimmen

Eine Beschlussvorlage nach der anderen wurde abgearbeitet und durchgewunken – mit wenig Enthaltungen und Nein-Stimmen. Im Vorfeld der Abstimmung hatte Jörg Gildemeister (FUWG) die anwesenden Verwaltungsmitarbeiter gefragt, ob denn auch mit jenen Ortschaftsräten gesprochen worden ist, die gegen die Schließung von Teilen ihres Friedhofes gestimmt haben. Dies betrifft neben Peseckendorf auch Hornhausen.

Letztlich gab es zum Friedhof Hornhausen Diskussionsbedarf. So meldete Wolfgang Zahn (SPD), der auch im Ortschaftsrat von Hornhausen sitzt, Bedenken an. „Wir haben dagegen gestimmt“, machte er unmissverständlich klar und sagte auch warum. So fordern die Hornhäuser, dass jener Teil des Friedhofes, auf dem Kriegsgefangene liegen, erhalten bleibt. „Da das nicht ausdrücklich vorgesehen ist, haben wir mit Nein gestimmt“, begründete Zahn. Das sahen einige Räte und die Verwaltung anders. So bedeute eine Schließung des Friedhofsteils, dass hier nicht mehr bestattet werden darf. An die Opfer aus Kriegsgefangenschaft könne weiter erinnert werden. Am Ende stimmten der Beschlussvorlage Hornhausen 16 Räte zu, 8 stimmten dagegen und 4 enthielten sich ihrer Stimme.

Emotionales Thema

Über die Oschersleber Friedhöfe wird seit geraumer Zeit immer wieder emotional diskutiert. Los ging es im Sommer 2014, als die Verwaltung eine neue Friedhofsgebührensatzung zur Abstimmung vorlegte. Unter anderem sollten die Preise für verschiedenen Bestattungsarten um über 16 Prozent, die Nutzung der Trauerhallen um mehr als das Doppelte ansteigen. Die Räte stimmten den Plänen zunächst zu. Nach scharfer Kritik und monatelangem Hin und her war rund ein Jahr später die Satzung geändert worden ‑ mit niedrigeren Nutzungsgebühren für die Trauerhallen.

Dann, im Januar 2017, wurde eine Arbeitsgruppe, die sogenannte Friedhofskommission gegründet. Denn die Bewirtschaftungskosten für die Stadt müssen sinken. Im Zuge dessen war das viel diskutierte Friedhofskonzept erarbeitet worden. Das brachte die Emmeringer auf die Palme, denn der Friedhof des einzigen Oschersleber Stadtteils sollte dichtmachen. Ein Kompromiss sieht vor, dass das Emmeringer Kleinod in Händen eines Vereins bestehen bleibt.

Wer wissen möchte, was mit dem Friedhof seiner Ortschaft genau passiert, kann das im Internet tun. So findet sich das Konzept in der Fassung vom Herbst 2018 im Stadtratskalender vom 22. November 2018 auf www.oschersleben-bode.de