Oschersleben l Altbrandsleben, Groß Germersleben, Hornhausen, Neindorf, Neubrandsleben und Peseckendorf können sich freuen. Sie gehören bei der Bevölkerungsentwicklung zu den Gewinnern. In all diesen Ortsteilen gab es 2019 ein leichtes Plus. Meist geht es nur um wenige Bürger. Neindorf beispielsweise kletterte von 297 auf 309 Einwohner. Trotzdem: In Zeiten des demographischen Wandels ist das keine Selbstverständlichkeit.

Rückgänge waren früher ausgeprägter

Deutlicher wird der Unterschied, wenn man längere Zeiträume ins Auge fast. In den Jahren 2005 bis 2017 hat Oschersleben ohne Ortsteile 10,1 Prozent an Bürgern verloren. Zwischen 2014 und 2019 lag die Entwicklung dagegen bei einem Plus von 0,6 Prozent. Inklusive aller Ortsteile waren es minus 10,98 Prozent in den Jahren 2005 bis 2017 sowie minus 1,01 Prozent von 2014 bis 2019.

Allerdings weist der städtische Pressesprecher Mathias Schulte darauf hin, dass es verschiedene Effekte zu bedenken gibt, die das Bild beeinflussen. Ein Aspekt sind beispielsweise die Eingemeindungen. Die letzten fanden 2009 (Altbrandsleben, Hornhausen und Schermcke) und 2010 (Hadmersleben und Peseckendorf) statt. Dadurch gewann Oschersleben nicht nur an Fläche, sondern auch an Einwohnern. Vor diesem Hintergrund scheint der Rückgang zwischen 2005 und 2017 noch einmal deutlicher.

Auf der anderen Seite kamen seit 2015 mehr Menschen als zuvor als Flüchtlinge nach Deutschland. Auch sie sind in der Statistik zu finden. Hinzu kommt: Die Zahlen können eine gewisse Ungenauigkeit aufweisen. „Es kommt zum Beispiel vor, dass Leute ihren Wohnort wechseln, sich aber nicht abmelden. Dadurch kann es zu Verzerrungen kommen“, erklärt Mathias Schulte. Trotzdem lassen sich grobe Trends ablesen.

Sollte die günstige Entwicklung, die sich an einigen Stellen abzeichnet, anhalten, müsste sie dennoch lange währen, um den Schwund vergangener Jahre auszugleichen. Laut Statistik hatte zum Beispiel Schermcke im Jahr 2002 noch 668 Einwohner. 2019 waren es 477. Das entspricht einem Minus von 28,59 Prozent.

Ländliche Regionen bei jungen Familien belieb

Hadmersleben lag 2003 bei 1969 Bürgern, 2019 waren es 1548. Das macht ein Minus von 21,38 Prozent. Ein ganz anderes Bild bietet Altbrandsleben. Es lag 1990 bei 292 Einwohnern und Ende 2019 bei 327. Das Ergebnis ist ein Plus von 11,98 Prozent.

Angesichts demographischer Veränderungen haben einige Experten bereits düstere Szenarien entworfen. Reint Gropp, der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), sowie Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Niederlassung Dresden des ifo-Instituts, haben „verschwindende“ beziehungsweise „sterbende Siedlungen“ vorhergesagt. Vor diesem Hintergrund hatte Ragnitz unter anderem vorgeschlagen, Prämien für einen Umzug in die nächste Großstadt zu zahlen.

Dem hatte Oscherslebens Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) unter anderem auf dem Neujahrsempfang der Börde-SPD vehement widersprochen. Gerade für junge Familien könnten kleine Städte und Gemeinden ein attraktiver Lebensraum sein. Mathias Schulte ergänzt: „Es gibt in Metropolen einige Probleme, die wir hier nicht haben - zum Beispiel drastisch steigende Mietpreise, Wohnungsnöte oder gravierende Verkehrsprobleme.“