Oschersleben l Rund eineinhalb Jahre haben die Bauarbeiten gedauert. Im Außenbereich ist noch einiges zu tun. Aber im Wesentlichen ist alles bereit. Das neue Gebäude heißt „Ralf-Triller-Haus“. Damit erinnert es an einen Menschen, der seit seinem sechsten Lebensjahr unter dem Dach der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung lebte und vor zwei Jahren gestorben ist.

„Ich finde es toll, dass man Häuser nach ehemaligen, langjährigen Bewohnern benennt. Das zeigt eine besondere Verbindung“, lobte Wolfgang Teske, kaufmännischer Vorstand der Diakonie Mitteldeutschland. Mit Blick auf das neue Gebäude erklärte Michael Lange als Geschäftsführer der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung: „Es wird ein Zuhause für ganz besondere Menschen sein. Menschen, die wegen sehr schwerer Behinderungen auf umfassende Begleitung und Betreuung angewiesen sind.“ Zugleich biete das Haus den Mitarbeitern wesentlich bessere Arbeitsbedingungen.

Wie Architektin Sabine Marter berichtete, ist das Ralf-Triller-Haus für 24 Bewohner gedacht. Anfang Dezember sollen sie einziehen. Es gibt insgesamt 22 Zimmer, zwei moderne Küchen und zwei Wohnbereiche. 15 Betreuerinnen und Betreuer würden sich um das Wohl ihrer Schützlinge kümmern. Das Haus sei barrierefrei, verfüge über eine Fußbodenheizung und eine Wärmepumpe. Verbaut wurden 45 Tonnen Bewehrungsstahl, 1500 Kubikmeter Mauerwerk und 520 Kubikmeter Stahlbeton.

2,8 Millionen Euro wurden investiert

Michael Lange erklärte: „Mit zirka 2,8 Millionen Euro haben wir hier gebaut. Das ist für die Matthias-Claudius-Haus-Stiftung eine sehr große Investition.“ 850.000 Euro an Eigenmitteln seien in den Neubau geflossen. 150.000 Euro gab es an Fördermitteln seitens der Stiftung Wohnhilfe. 1,8 Millionen Euro wurden durch einen Kredit aufgebracht.

Erika von Knorre ist die neue Vorsitzende des Stiftungskuratoriums. Sie ließ die Bauzeit Revue passieren und sagte: „Was in diesen eineinhalb Jahren geschaffen wurde, ist genau das, was für die Bewohner mit diesen schweren Behinderungen nötig ist und was sie brauchten.“ Gleichzeitig bedankte sie sich bei den Verantwortlichen. Für ein Projekt dieser Größenordnung sei „viel zusätzliche Kraft und Zeit nötig, die selbstverständlich eingesetzt wurde“.

Wie Michael Lange mitteilte, handelt es sich bei dem Gebäude um einen Ersatzneubau. „1989 wurde noch zu DDR-Zeiten und unter großen Schwierigkeiten ein Gebäude errichtet, das heutigen Wohnstandards längst nicht mehr entspricht. Es soll abgerissen werden. Dafür also der Ersatz“, führte Michael Lange aus.

Darüber hinaus äußerte sich der Geschäftsführer aber auch kritisch. „Investitionen für die Wohnbetreuung von Menschen mit schwersten Behinderungen hatte uns das Land Sachsen-Anhalt jahrelang untersagt“, betonte er. Deshalb habe man erst jetzt bauen können. Damit nicht genug: „Die fiskalischen Zwänge in unserem Land sind so bestimmend, dass fachliche Standards und Ziele wie Inklusion, individuelle Betreuung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zwar politisch laut gewollt sind, aber in aller Regel an der Finanzierung scheitern.“

Investitionskosten durch Land refinanziert

Mit Maik-Michael Strube gehörte auch der Direktor der Sozialagentur Sachsen-Anhalt zu den Gästen der Einweihung. Er überbrachte Grüße von Sozialministerin Petra Grimm-Benne. Strube erklärte, dass die Investitionskosten „im Rahmen der Vergütungsvereinbarungen“ durch das Land refinanziert würden. Aber: „Da, wie bei den meisten Bauvorhaben heutzutage, der geplante Kostenrahmen überschritten wurde, stehen dazu noch Verhandlungen an.“ In Sachen Gestaltung und Ausstattung sei das Ralf-Triller-Haus ein „Leuchtturm und Zeichen dafür, dass die Bedürfnisse behinderter Menschen von der Gesellschaft wahrgenommen und unterstützt werden.“

Matthias Porzelle als Superintendent des Kirchenkreises Egeln segnete das neue Gebäude „und alle, die dort ein- und ausgehen.“ Für Musik sorgten Ala und Gennadiy Vinogradski an Akkordeon und Domra.