Neuwegersleben l Sowohl Gabriele Brakebusch als auch Gunnar Schellenberger wagten zunächst einen Blick durch das Fernrohr in Richtung Signalmastatrappe der ehemaligen Station Nummer 17 bei Oschersleben. Beide versuchten sich an den Hebeln des Signalmastes im Stationsgebäude in Neuwegersleben.

„Ein gelungenes und äußerst interessantes technisches Denkmal“ waren sich beide einig und staunten über die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten der sechs Flügel auf dem Dach, die einst dem preußischen Militär als überaus sichere Art der Nachrichtenübermittlung von Berlin bis nach Koblenz diente. Denn mit einer Möglichkeit von insgesamt 4096 verschiedenen Zeichen ließen sich nicht nur einzelne Worte, sondern auch Wortgruppen und komplette Sätze über eine Entfernung von knapp 600 Kilometern und insgesamt 62 Telegrafenstationen winken.

An die Einweihung des komplett sanierten Telegrafengebäudes in Neuwegersleben im Jahr 2001 erinnerte sich der einstige Bürgermeister und heutiges Gemeinderatsmitglied Dietmar Hobohm noch ganz genau. So verwies der Lokalpolitiker auf das Foto der Ruine am Ortsausgang von Neuwegersleben in Richtung Hornhausen, welches im Untergeschoss des Telegrafengebäudes zu sehen ist. Ein Gebäude, welches zu DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben war und von dem kaum jemand wusste, welch wichtiges Bindeglied dieses Bauwerk zur Übermittlung absolut geheimer Nachrichten des preußischen Militärs war.

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Landespolitiker sind begeistert

Beide Landespolitiker zeigten sich im Anschluss an die Führung, an der auch der Bürgermeister der Gemeinde Am Großen Bruch, Klaus Graßhoff, sowie die Hauptamtsleiterin der Verbandsgemeinde Westliche Börde, Nicole Schliebener, teilnahmen, begeistert. Und zwar nicht nur von der alten Technik. Vor allem staunten sie über das gesellschaftliche Engagement, das dazu beitrug, das Gebäude mit Fördergeldern und viel Eigeninitiative wieder in Schuss zu bringen.

So wurde natürlich auch über weitere Möglichkeiten einer künftigen Unterstützung durch das Land diskutiert. Denn laut Dietmar Hobohm stehen weitere Arbeiten an der Telegrafenstation an, wie beispielsweise am Dach. Allein sind die Ausgaben dafür von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft oder der Gemeinde nicht zu stemmen. So waren sich die beiden Landespolitiker einig, das technische Denkmal landesweit publik zu machen. Auch verschiedene Wettbewerbe beispielsweise im Fach Mathematik könnten hier durchgeführt werden, gerade in Zusammenarbeit mit Schulen.

Außerdem erwähnte der Staatssekretär eine Prioritätenliste für Industriedenkmäler im Land. So versprach Gunnar Schellenberger, sich dafür einzusetzen, die Telegrafenstation in diese Liste aufzunehmen. Das bringe Vorteile beispielsweise bei der Akquise von Fördermitteln.