Wackersleben l Bei der täglichen Gassirunde mit ihrem Hund kommt Stefanie Decker üblicherweise auch am Freibad vorbei. An jenem Nachmittag nahm sie von dort merkwürdige Geräusche und Bewegungen wahr: „Es bewegte sich etwas auf und ab, und es waren dumpfe Klänge zu hören.“ Auf den näheren zweiten Blick offenbarte sich dann die Situation: Ein junges Reh steckte im Tor fest und versuchte sich panisch aus seiner misslichen Lage zu befreien. Das Muttertier stand dabei – und Stefsnie Decker war sofort klar: Hier ist menschliche Hilfe gefragt.

„Ich war total erschrocken und hatte einen Puls wie ein Rennpferd“, beschreibt Stefanie Decker die ersten Momente. Dennoch behielt sie kühlen Kopf, rief ihre Eltern an, die ganz in der Nähe wohnen, denn Papa Axel hat das nötige Werkzeug. Mit der Flex trennte er vorsichtig die Gitterstäbe heraus, während die Frauen versuchten, das erschöpfte Tier zu beruhigen. „Das Reh lag in einer Blutlache, es hatte sich schon die Beine aufgeschürft. Die Mutter blieb quasi die ganze Zeit mit dabei, kam immer wieder an und hat sich das aus der Nähe angeschaut“, beschreibt Stefanie Decker die Rettungsaktion.

Nach der Befreiung dann die Erleichterung bei den Helfern: „Bis auf die oberflächlichen Schürfwunden war das Junge offenbar verletzungsfrei. Wir haben es auf den nahegelegenen Acker gebracht; es war noch etwas wackelig auf den Beinen, ist dann aber mit der Mutter an den Klärteichen im Dickicht verschwunden.“

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Das Tor hat Axel Decker direkt mit nach Hause genommen und neu verschweißt. Tochter Stefanie fast entschuldigend: „Es ist also wieder repariert, aber leider muss es gestrichen werden, weil wir nicht die passende Farbe hatten.“ Das betrachtet der freibadbetreibende Förderverein als Nebensächlichkeit. Vorstandsmitglied Claudia Kaiser: „Wir sind sehr dankbar und froh, dass die Familie das Tier gerettet hat, welches sonst wahrscheinlich elendig verendet wäre.“