Der Oschersleber Triathlon

Der Oschersleber Triathlon findet am Sonnabend, 15. August, zum sechsten Mal statt. Für den sportlichen Wettkampf sind mehr als 180 Männer und Frauen gemeldet. Dreh- und Angelpunkt ist das Oschersleber Schwimmbad. Hier müssen die Teilnehmer eine Strecke von 500 Metern schwimmen. Hinzu kommen 31 Kilometer Radfahren und 5,5 Kilometer Laufen.

Oschersleben l Hendrik Becker ist europäischer Meister im Triathlon auf olympischer Distanz. Wegen der Corona-Krise fallen für ihn viele Wettkämpfe aus. Warum er sich nun für die Bodestadt entschieden hat und was sich mit der Pandemie änderte, erzählt er im Interview.

Herr Becker, Sie wollen nächste Woche am Triathlon in Oschersleben teilnehmen. Wie sind sie auf diesen aufmerksam geworden?
Hendrik Becker: Tatsächlich bin ich durch Recherche im Internet auf den Triathlon in Oschersleben aufmerksam geworden.

Waren Sie schon mal in Oschersleben?
Oschersleben kenne ich vom Durchfahren. Ich wohne 61 Kilometer entfernt in Wolfenbüttel, meine typische lockere Trainingsrunde sind vier Stunden, deshalb fahre ich oft bis zum Ortseingang von Oschersleben und wieder zurück.“

Wie sind Sie zum Triathlon gekommen? Entscheidet man von heute auf morgen, dass man das jetzt machen möchte oder wie muss man sich das vorstellen?
Ich habe im Jahr 1997 durch Zufall im Fernsehen den historischen Dreifach-Sieg der deutschen Thomas Helleiegel, Jürgen Zäck und Lothar Leder beim Ironman auf Hawaii gesehen und war absolut fasziniert von den Bildern. Ich war damals auf regionalem Niveau erfolgreich im Judo und Tennis, aber es war für mich unvorstellbar, wie ein Mensch 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und danach einen Marathon ohne Pause laufen kann, das waren für mich quasi Aliens. Ich wollte damals schon unbedingt Triathlon machen, steckte aber gleichzeitig in der Schulzeit mit dem Abitur in einer exzessiven Partyphase, in der ich fünf Jahre lang keine Diskothek und keine Kneipe in Göttingen und Umgebung ausließ. Daher erfolgte mein Triathlondebüt erst drei Wochen vor der letzten Abiprüfung. Das war im Jahr 2000, seitdem lässt mich der Triathlonsport nicht mehr los. Ich bin im März 40 geworden, genau mein halbes Leben lang mache ich nun also schon Triathlon, seitdem habe ich an 252 Triathlon-Wettkämpfen überall auf der Welt teilgenommen.

Das klingt ja nach einem turbulenten Werdegang. Wie oft trainieren Sie pro Woche für Wettkämpfe?
In einer harten Trainingswoche trainiere ich in der Regel 18-mal pro Woche. Das entspricht fünfmal Radfahren, fünfmal Schwimmen, fünfmal Laufen und dreimal Krafttraining.

Sie sind Europameister im Triathlon Olympische Distanz. Ist ein Wettbewerb wie in Oschersleben auf dem gleichen Niveau wie ein solcher Wettbewerb oder gibt es da Unterschiede?
Ja, letztes Jahr konnte ich in der Altersklasse der 35- bis 40-jährigen Europameister über die olympische Distanz mein Debüt geben. Das war ein schöner Erfolg. Ich habe mir die Ergebnislisten des Oschersleber Triathlons der letzten Jahre angeschaut und hätte unter normalen Umständen schon damit gerechnet, dass ich gute Siegchancen hätte, aber in Corona-Zeiten ticken die Uhren etwas anders, denke ich. Ich rechne dieses Jahr mit einem sehr starken Teilnehmerfeld, in der Starterliste sind schon drei richtige Kracher gemeldet. Gegen die habe ich keine Chance. Wenn ich unter die Top 6 in der Gesamtwertung komme und meine Altersklasse gewinne, dann bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.

Stichwort Corona-Krise: Was hat sich mit der Pandemie persönlich für Sie und auch für den Leistungssport geändert?
Der Hauptunterschied zwischen einer „normalen“ Saison und der diesjährigen speziellen Corona-Situation ist für jeden Leistungssportler denke ich das Thema Ungewissheit. Triathlon ist eine sehr intensive Sportart, wir trainieren elf Monate durch, quasi jeden Tag, ob Weihnachten, Geburtstag oder Ostern. Oft vier bis acht Stunden am Tag. Das geht natürlich nur mit viel Motivation, sprich mit Ausblick auf anstehende Wettkämpfe. Dass dieses Jahr bislang in Deutschland fast alle Wettkämpfe ausgefallen sind, nagt natürlich an der Motivation und man fragt sich dann an einigen Tagen, warum man sich weiterhin tagein tagaus quälen soll, wenn dann keine Rennen stattfinden. Daher freuen wir uns alle sehr auf den Triathlon in Oschersleben.

Wie versuchen Sie, die Folgen dieser sportlichen Krise zu kompensieren?
Ich hatte zwischendurch in der Corona-Hochphase auch massiv mit der Motivation zu kämpfen. Ich habe zwar weiterhin viel trainiert, aber oft mit einer extrem miesen Laune, an manchen Tagen waren es ganze Herden von inneren Schweinehunden, die ich überwinden musste. Ich bin absoluter Naturliebhaber, es gibt nichts Schöneres als Trainingseinheiten, die du in idyllischer Landschaft absolvierst, daher nutze ich momentan so oft es geht den Motivationstrick, dass ich zum Beispiel jede Woche in einem anderen See trainiere oder bei jeder Radeinheit eine neue Strecke im Harz erkunde.

Wo sehen Sie die Zukunft von Sportwettkämpfen? Wird alles wieder wie vor der Corona-Krise oder wird es grundlegende Veränderungen geben?
Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich persönlich hoffe darauf, dass sobald wie möglich ein Impfstoff gefunden wird und sich die Lage dann wieder normalisiert. Für mich gehört zu einem Triathlon ein Massenstart, sprich alle Leute starten am See gemeinsam und der Sieger ist der, der dann später als Erster durchs Ziel läuft. Nur so kommt richtiges Wettkampffeeling auf.