Oschersleben/Dodendorf l „Störung an den Signalanlagen“, „massive Behinderungen im Zugverkehr“: So lautet das Fazit des Unternehmens Abellio. Es ist in der Region für den Personennahverkehr per Schiene zuständig. Am Montag, 21. Oktober, gab es dabei allerdings große Schwierigkeiten. Der Grund: Unbekannte hatten gegen 1.05 Uhr rund 50 Meter Buntmetallkabel entwendet, erklärt Romy Gürtler von der Bundespolizeiinspektion Magdeburg.

Das Kabel gehörte zu einem sogenannten Achszähler. Dieses Gerät überwacht, wie viele Achsen eines Zuges einen bestimmten Punkt bereits passiert haben. Erst wenn die letzte Achse über den Zähler hinweg gerollt ist, geht der betreffende Bahnübergang wieder auf. Sonst bleiben die Signale für den Straßenverkehr permanent auf Rot und die Schranken unten. Wie Pressesprecher Matthias Neumann von Abellio mitteilt, schlugen die Kabeldiebe im Bereich Dodendorf zu. Betroffen war die Strecke zwischen Magdeburg und Oschersleben.

Viele Züge konnten nicht fahren

Dort sind laut Matthias Neumann die Regionalexpress-Linien 11, 21 und 31 sowie die Regionalbahn 43 unterwegs. Sie verbinden Magdeburg mit Thale, Halberstadt, Goslar und Blankenburg. Viele Züge konnten zwischen Dodendorf und Magdeburg überhaupt nicht fahren, „einige wenige konnten den Abschnitt nur mit stark herabgesetzter Geschwindigkeit passieren“, so Matthias Neumann. Durch den Rückstau sei es bis in den Nachmittag hinein zu Verspätungen gekommen.

Wie Erika Poschke-Frost von der Deutschen Bahn mitteilte, war der Schaden gegen 11.30 Uhr behoben. Auch wenn Abellio den Schienenpersonennahverkehr betreibt, ist die Deutsche Bahn laut Poschke-Frost weiter für die Infrastruktur zuständig. Dazu gehören neben den Gleisen unter anderem auch die Signalanlagen, Haltepunkte und Bahnhöfe.

Wie Romy Gürtler von der Bundespolizei erklärt, kommt es immer wieder zu Kabeldiebstählen in der Nähe von Bahngleisen. Zwar sei unbekannt, wieviel Spannung im aktuellen Fall an dem Kabel anlag. Grundsätzlich seien solche Arbeiten im Gleisbett allerdings nicht nur illegal, sondern auch extrem gefährlich. „Züge sind heute leiser als früher, daher werden sie durch das menschliche Ohr erst spät wahrgenommen“, so die Polizistin.

Schwere Strafen für Täter

Darüber hinaus müssen Täter mit schweren Strafen rechnen. Laut Gürtler waren Beamte der Bundespolizei vor Ort, haben alles dokumentiert und die Ermittlungen aufgenommen. Dabei geht es nicht nur um Diebstahl, sondern auch um die Störung öffentlicher Betriebe sowie um den gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr - Letzteres könne mit einer Geldstrafe, aber auch mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr geahndet werden. Die Höhe des Sachschadens ist laut Bundespolizei noch nicht bekannt. Auch bei den Tätern gebe es noch keine konkrete Spur. Wer etwas gesehen hat, wird gebeten, sich unter 0391/565 49 55 5 zu melden.

Für alle Autofahrer hat Erika Poschke-Frost von der Deutschen Bahn einen Hinweis: Wer an einem Übergang wartet, der permanent Rot zeigt, solle die Gleise auf keinen Fall überqueren. Sinnvoll sei es, eine Ausweichroute zu suchen. Sei das nicht möglich, könnten Betroffene die Polizei kontaktieren. Die würde ihrerseits die Deutsche Bahn informieren.