Hamersleben l „Die Hortnerin hat Angst, dass sie ins Gefängnis muss, wenn ein Kind überfahren wird. Wenn wir auf der Verkehrsinsel stehen, fahren die Lkw so dicht an uns vorbei, dass wir Angst haben, dass der Luftzug uns mitreißt und wir fallen. Wenn wir zum Sport gehen, stellen sich die Lehrer auf die Straße, damit wir die Straße überqueren können“, erzählen die beiden Viertklässerinnen Lia Wagner und Leonie Bock.

Auch wenn die Grundschule Hamersleben nicht direkt an der Bundesstraße 245 liegt, so müssen doch die Kinder, Lehrer und auch Eltern mehrmals am Tag die Straße überqueren. Die 70 Grundschüler gehen zur Sporthalle oder zum Hort. „Und ich gebe auch zu bedenken, dass sich der einzige öffentliche Spielplatz des Dorfes direkt bei uns an der Schule befindet. Auch diese Kinder müssen mit ihren Eltern und Großeltern die Bundesstraße überqueren“, erzählt die Leiterin der Hamersleber Grundschule, Diana Pomme.

Unterschriften gesammelt

Gemeinsam mit der Elternschaft, dem Gemeinderat und den Bürgern der Gemeinde kämpft die Schule um einen Fußgängerüberweg. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, wurden 250 Unterschriften gesammelt und in diesen Tagen an Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch (CDU) übergeben. Die Präsidentin hatte sich Zeit genommen,. um sich Sorgen und Nöte von Eltern wie Rüdiger Buchholz und Christiane Freimann, vom Bürgermeister der Gemeinde Am Großen Bruch, Klaus Graßhoff, und Verbandsgemeinderatsmitglied Dietmar Hobohm anzuhören.

Die Verbandsgemeinde Westliche Börde hat sich über ein entsprechendes Antragsverfahren bemüht, an der B 245 einen Fußgängerüberweg in Höhe Bäckerei/Sparkasse zu schaffen. Wie es in einer Antwort des Landkreises heißt, müssten 500 Fahrzeuge und 100 Fußgänger pro Stunde, die die Straße überqueren, erreicht werden.

Eine Zählung ergab, dass zwischen 6 und 7 Uhr 22 Fußgänger, zwischen 7 und 8 Uhr 28 Fußgänger, zwischen 12 und 13 Uhr 27 Fußgänger und zwischen 13 und 14 Uhr 41 Fußgänger die Straße überquerten. Die Zählung bei den Fahrzeugen ergab, dass zu Spitzenzeiten etwa 360 Fahrzeuge die B 245 in diesem Bereich befahren. Zwischen 13 und 14 Uhr liegt der Durchschnitt bei 267 Fahrzeugen.

Mit Minister Webel ins Gespräch kommen

Ein weiteres Kriterium beim Für und Wider eines Fußgängerüberweges sei die Unfallhäufigkeit. Doch die Straße sei kein Unfallschwerpunkt. Weiter heißt es im Schreiben des Landkreises, dass langjährige Unfalluntersuchungen im Bezug auf das Verhalten an Fußgängerüberwegen gezeigt hätten, dass die Gefährdung für Fußgänger dort sogar größer sei.

So sieht es auch Gabriele Brakebusch. Sie sei kein Fan von Fußgängerüberwegen. Sie würde stattdessen eine Fußgängerampel, die nach Bedarf geschaltet wird, präferieren. Zudem habe sie sich schlau gemacht und festgestellt, dass mit Geschwindigkeitsanzeigen gute Erfahrungen gemacht werden. Die Anzeigen sollten in Hamersleben auf beiden Straßenseiten aufgestellt werden. In etlichen Kommunen gibt es derartige Geschwindigkeitsanzeigen bereits. Die Autofahrer würden diese sehr gut beachten und die Geschwindigkeit drosseln, wenn ihnen angezeigt wird, dass sie zu schnell sind. Der Landkreis hatte das ebenso vorgeschlagen.

In dem Schreiben heißt es dazu: „Um dem Verkehrsteilnehmer die Situation noch weiter zu verdeutlichen, und damit die Sensibilisierung für Gefahrenmoment zu erhöhen, schlage ich zusätzlich zu der vorhandenen Beschilderung mit dem Verkehrsschild „Kinder“ und „Schulweg“ den Einsatz von Geschwindigkeitswarnsystemen vor. Dem Kraftfahrer wird angezeigt, wie schnell er fährt, die in der Praxis aus unserer Erfahrung gute Wirkungen zeigt“, schreibt der Leiter des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Börde, Jürgen Till. Gabriele Brakebusch versprach, das Problem bei Verkehrsminister Thomas Webel auszudiskutieren.