Verkehrswacht

Verkehrsschulung für Asylbewerber

Die Verkehrswacht im Landkreis unterstützt Flüchtlinge. Klaus Glandien lehrt in einem Deutschkurs Verkehrsregeln.

Von Sebastian Pötzsch

Oschersleben l Ein Klassenraum in der Kreisvolkshochschule in Oschersleben: Etwa ein Dutzend Flüchtlinge und Asylbewerber drücken hier gerade die Schulbank. Vorn an der Tafel steht Klaus Glandien, Leiter der Verkehrswacht Oschersleben im Landkreis Börde. Der Ehrenamtler zeigt auf im Raum aufstellte Verkehrsschilder, die Kursteilnehmer sollen deren Bedeutung erklären – und das in deutscher Sprache. Dabei spricht Glandien langsam und betont nahezu jedes Wort.

Die Flüchtlinge sind Teilnehmer eines Deutschkurses für Asylbewerber an der Volkshochschule. Dieses Mal gibt der Leiter der Verkehrswacht Unterricht. „Es gibt tatsächlich vermehrt Unfälle mit Beteiligung von Flüchtlingen, weil sie unsere Verkehrsregeln nicht so gut kennen. Deshalb haben wir mit den Mitarbeitern der Kreisvolkshochschule eine Regelung gefunden, einen Teil des Deutschkurses für diesen Bereich aufzuwenden“, erklärt Glandien später. Von 100 Unterrichtsstunden in der deutschen Sprache sollen den Asylbewerbern auch Regeln und Vorschriften der deutschen Straßenverkehrsordnung nähergebracht werden.

Schwerpunkte sind laut Klaus Glandien Regelkunde, Verkehrszeichen, Sicherheit beim Fahrradfahren sowie verkehrssichere Fahrräder. „Wir wissen beispielsweise, dass die Neuankömmlinge oftmals mit Fahrrädern aus Spenden unterwegs sind. Doch leider sind diese oft nicht verkehrssicher“, erzählt der Leiter der Verkehrswacht.

Weitere Eckpfeiler seien Themen wir Führerschein in Deutschland und der EU sowie das richtige Sichern von Kindern in Pkws. Außerdem soll das richtige Verhalten in Bus und Bahn vermittelt werden sowie die Bedienung von Fahrkartenautomaten.

„Diese Vermittlungsschwerpunkte haben wir gemeinsam mit unseren Partnern im Landkreis erarbeitet“, erklärt der Leiter der Verkehrswacht. Die Materialien wie Flyer und kleine Heftchen liegen nicht nur in deutscher Sprache vor, sondern beispielsweise auch auf arabisch. „Die mussten wir uns aus anderen Bundesländern besorgen. Sachsen-Anhalt hat solche Broschüren für die Neuankömmlinge noch nicht herausgebracht“, erklärt Klaus Glandien.

„Das Gute an diesem Kurs ist ja nicht nur, dass die Flüchtlinge und Asylbewerber sinnvoll über unsere Verkehrsregeln und das Drumherum aufgeklärt werden, sondern dass auch ich immer wieder dazu lerne, zum Beispiel viel Neues über andere Kulturen erfahre. Deshalb macht mir das auch Spaß“, betont Klaus Glandien.

An einem mitgebrachten Fahrrad sollen die Kursbesucher die wichtigen sicherheitsrelevanten Teile benennen – als Wiederholung der letzten Kursstunde vor einer Woche. Das klappt nicht immer einfach, denn oft benennen die Flüchtlinge die Teile auf englisch. Doch ein Teilnehmer fällt auf, der die deutsche Sprache schon besser als andere im Raum beherrscht. „Das ist Sebqat Ramazan aus Afghanistan. Der hat für die Amerikaner als Dolmetscher gearbeitet. Als die dann abzogen, hat er Schwierigkeiten bekommen“, flüstert Dozentin und Kursleiterin Beate Minz, um den Unterricht nicht zu stören. Auch Farhad Tavakoli nimmt engagiert am Kurs teil, kann in deutscher Sprache erklären, was welche Verkehrsschilder bedeuten. „Farhad hat einen besonders schweren Schicksalsschlag erlitten“, flüstert Beate Minz herüber. So soll der ebenfalls aus Afghanistan stammende Mann seine gesamte Familie verloren haben, umgebracht von den Taliban.

„Auch wenn die anderen Kursteilnehmer noch nicht ganz so gut die deutsche Sprache können, ist festzustellen, dass die jungen Männer hier sehr engagiert und fleißig sind. Die wollen hier Fuß fassen“, meint Beate Minz abschließend.