Volksstimme: Herr Walker, stimmt es, dass Sie möglicherweise bei der Landratswahl am 18. März erneut kandidieren und somit die Landrats-Arbeit gegebenenfalls doch noch nicht beenden würden?
Hans Walker:
Ja, ich denke über eine Kandidatur nach und werde mich bis zum Ende der Bewerbungsfrist, also bis zum 19. Februar, entscheiden.

Ihre Partei hat doch aber am 21. Oktober Martin Stichnoth, den Bürgermeister von Wolmirstedt, nominiert. Er hat während einer Mitgliederversammlung der Börde-CDU die Abstimmung gegen Sie mit 111 zu 59 Stimmen gewonnen und ist zum Kandidaten der CDU gekürt worden.
Das ist richtig. Als Amtsinhaber gibt mir der Gesetzgeber die Möglichkeit, auch ohne einen Unterstützer zur Landratswahl anzutreten.

Und das werden Sie?
Wie ich schon sagte, ich denke darüber nach, habe mich aber noch nicht entschieden.

Was motiviert Sie, darüber überhaupt nachzudenken?
Für mich ist es nach wie vor wichtig, die von mir, mit meiner Amtszeit im Jahr 2011 eingeschlagenen Wege fortzusetzen. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, dass die Menschen hier bei uns als Bürger unseres Kreises weiter zusammenwachsen und somit ihre Verbundenheit zu ihren Gemeinden und zu ihrem Kreis weiter vertiefen. Dass sie die vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenlebens nutzen, wie zum Beispiel auf dem Gebiet der Feuerwehren, im Sport, in den Verbänden und Vereinen, in den Städten und Dörfern, in Chören, bei den Landfrauen, den Jägern, den Schützen und in vielen anderen Bereichen. Da ist ständige Präsenz gefragt.

Nehmen Sie allein die Tatsache, dass wir inzwischen zwar nur noch 13 Verbandsgemeinden beziehungsweise Einheitsgemeinden haben, die aber aus insgesamt mehr als 160 Orten und Ortsteilen bestehen, die alle ihre eigene Identität, ihr eigenes Dorf- oder Stadtleben besitzen. Immer enger zusammengeführt werden müssen auch Struktureinheiten, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen, wie das bei den Verkehrsbetrieben oder bei der Abfallwirtschaft schon gelungen ist beziehungsweise auf den Weg gebracht wurde.

Weiterhin gehören wir zu den wenigen Kreisen, die die Breitbandversorgung so in ihre eigenen Hände genommen haben, dass der ländliche Raum digital vernünftig versorgt wird. Und zwar im Gigabereich mit eigenen Glasfasernetzen, wovon in unserem Land gegenwärtig erst einmal Abstand genommen wurde. Wir erwarten weiterhin ein neues Kinderförderungsgesetz des Landes, auf dessen Basis wir die Betreuung der Kinder verbessern wollen. Es geht auch in Zukunft um eine hohe Qualität bei der Integration von Flüchtlingen. Wir wollen unsere guten Erfolge bei der Überleitung von Schülern in die Berufsausbildung weiter ausbauen. Demnächst wird auch ...

… aber es stellt sich doch die Frage, ob diese Aufgaben nicht auch ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin erledigen würde.
Sie haben mich nach meinen Gründen und nach meiner Motivation einer möglichen Kandidatur gefragt. Und aus den genannten sowie weiteren Aufgaben ergibt sich eben diese Motivation, die große Verantwortung weiterzutragen. Zu diesen Aufgaben gehört im Übrigen auch, die Verwaltungsarbeit weiterzuentwickeln. Da stehen wir beispielsweise vor der Aufgabe, dass in den nächsten fünf Jahren 70 bis 80 Verwaltungsmitarbeiter aus Altersgründen aufhören und ersetzt werden müssen. Das ist ein Prozess, den wir schon längst eingeleitet haben und der weiterhin gewissenhafte Entwicklungsarbeit erfordert. Die kontinuierliche und immer komplexer werdende Arbeit unserer Verwaltung ist nachhaltig zu sichern. Denn ich verstehe eine Kreisverwaltung als ein Dienstleistungsunternehmen für die Bevölkerung. Und vor diesem Hintergrund sollte der Verwaltungsleiter nicht unbedingt als einer der ersten von Bord gehen.

Aus Altersgründen ist ein gutes Stichwort. Sie sind jetzt 64 und würden während einer weiteren Legislaturperiode die 70 überschreiten. Trauen sie sich das zu?
Ich verstehe die Frage nach meinem Alter und die Arbeitsfähigkeit nicht. Bundesweit reden wir vom demographischen Wandel, von einer Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit, um damit die geringer werdende Zahl der Menschen aus den nachwachsenden Generationen ein Stück auszugleichen. Das sehe ich in meinem Fall genauso. In Sachsen-Anhalt gibt es noch eine Altersbegrenzung für Landräte, Oberbürgermeister und hauptamtliche Bürgermeister. In anderen Bundesländern ist das Alter längst kein Thema mehr. Im Übrigen: Die beste Zeit für Sachsen-Anhalt war, als ein 66-jähriger Professor noch für neun Jahre als Ministerpräsident tätig war. So dass ich bei einem 64-jährigen Landrat wenige Risiken und nichts Besonderes sehe.

Besonders ist aber schon, dass die Landratswahl bereits am 18. März stattfindet, obwohl ihre Amtszeit erst am 7. September endet. Nur dieser frühe Wahltermin würde Ihnen ja überhaupt ermöglichen, zur Wahl anzutreten. Wären Sie am Wahltag bereits 65, dürften Sie laut Gesetz nicht mehr antreten. Ist also der Wahltermin wegen Ihnen vorgezogen worden?
Hier ist überhaupt kein Termin vorgezogen worden. Das Gesetz sagt, dass die Wahl frühestens sechs Monate und spätestens einen Monat vor Ende der Wahlperiode erfolgen muss. Unter Berücksichtigung aller Fristen sowie solcher Begleitumstände wie Ferien, einer möglichen Stichwahl oder auch der Tatsache, dass so die Bürgermeisterwahlen in Barleben und der Niederen Börde am selben Tag stattfinden können, ist in Abstimmung mit allen Fraktionen der Termin vorgeschlagen und vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen worden.

Ich muss nochmal auf eine andere große Mehrheit zurückkommen. Und zwar auf die, die sich während der CDU-Nominierungsversammlung gegen Sie und für Martin Stichnoth als Kandidaten entschieden hat. Waren sie da nicht schon überrascht?
Ich war insoweit überrascht, dass ein konkretes Programm und Inhalte nicht überzeugender sind als das bloße Argument „Generationswechsel“. Zumal ich in der zurückliegenden Zeit aus den eigenen Reihen weder an mir noch an meiner Arbeit Kritik gehört habe, ich sowohl in der Wirtschaft als auch in Politik und Verwaltung reichlich Erfahrungen besitze und dafür bekannt bin, dass ich mich durchsetzen kann. Auch gegenüber dem Land.

Probleme auf einer anderen Ebene würde es wohl geben, wenn Sie am 18. März tatsächlich zur Landratswahl antreten. Denn dann wären Sie ja ein Konkurrent für ihren eigenen Parteifreund. Was würde denn ihre Partei dazu sagen?
Das weiß ich nicht. Und davon werde ich auch meine Entscheidung nicht abhängig machen. Denn ich war nie ein Parteisoldat und werde das auch nicht werden. Und ich würde nicht kandidieren, weil ich gegen jemanden antreten, sondern weil ich die Verantwortung für den Landkreis weiter tragen will.

Fehlt eigentlich jetzt nur noch, dass Sie am Ende des Interviews Ihren Hut in den Ring werfen und Ihre Kandidatur offiziell bekanntgeben.
Nein, das werde ich heute nicht. Dafür habe ich bis zum 19. Februar Zeit. Und diese Zeit werde ich nutzen, um alles abzuwägen und dann meine Entscheidung treffen.