Oschersleben l Es sind vor allem Familien mit Kindern, die an diesem Nachmittag in die Gemeinschaftsunterkunft der Malteser kommen. Sie alle kommen in der Hoffnung, dass es nähere Auskünfte zu Kita-Plätzen in Oschersleben gibt. Doch die einzige Auskunft wird an diesem Tag darin bestehen, dass Sozialarbeiter, Integrationshelfer und Integrationslotsen feststellen müssen, dass eine bereits vorhandene Namensliste weiter anwächst.

Wartelisten sind lang

Mehr als 40 Namen umfasst inzwischen besagte Liste. All diese Kinder warten gemeinsam mit ihren Eltern auf einen Platz in einer Oschersleber Kita. Doch die sind, egal ob Krippen- oder Kindergartenplätze, inzwischen rar, für alle jungen Eltern, egal ob zugewandert oder hier schon immer zu Hause. Das bestätigt eine Umfrage in Kindereinrichtungen der Stadt. Wobei in der Kernstadt selbst alle Kindereinrichtungen in der Hand von Freien Trägern sind.

Knappe Kita-Plätze

Karina Koch ist Leiterin der Kinderkrippe „Flax und Krümel“, Träger ist die Volkssolidarität. „Wir sind zu 100 Prozent ausgelastet, können 65 Kinder aufnehmen. Doch oftmals können wir die Mädchen und Jungen nicht zum Wunschtermin aufnehmen, auch wenn wir alles Mögliche versuchen“, erklärt die Leiterin. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Kindergarten „Regenbogen“, ebenso in Trägerschaft der Volkssolidarität. Auch hier können 65 Kinder betreut werden. Sechs Kinder dürfen unter drei Jahre alt sein. „Wir sind ebenso zu 100 Prozent ausgelastet, auf den Wartelisten stehen bestimmt 20 Namen, aktuell betreuen wir auch 8 Kinder mit Migrationshintergrund“, ist von Leiterin Doreen Zawiasa zu erfahren.

Es fehlen auch Erzieher

Der DRK-Kreisverband Börde betreibt in Oschersleben und Emmeringen zwei Kindereinrichtungen mit insgesamt 100 Plätzen. Leiterin Daniela Willenius-Russ könnte gut und gern pro Einrichtung zehn Plätze mehr gebrauchen, gibt es auch hier Wartelisten. „Wir sind mehr als voll. Andererseits zeigt sich inzwischen auch bei uns der Fachkräftemangel deutlich, es fehlen Erzieher“, muss sie feststellen.

Bis zu einem Jahr Wartezeit

Die Stadt Oschersleben ist nur in den Ortsteilen Klein Oschersleben, Hadmersleben Hordorf, Hornhausen und Ampfurth der Träger von Kindertagesstätten. Stadtsprecher Mathias Schulte erklärt dazu: „Unsere Kitas sind bis Ende 2021 komplett ausgeschöpft. Es gibt Wartelisten und die Wartezeit umfasst je nach Platz, also ob Krippe, Kindergarten oder Hort, zwei bis zwölf Monate.“ Auch Schulte verweist auf eine angespannte Personalsituation bei den Erziehern.

Erweiterung im Krippenbereich

Die Awo ist in der Kernstadt Oschersleben Träger der vier Kindereinrichtungen „An den 7 Bergen“, „Am Großen Bruch“, „Wawuschel“ und „Wirbelwind“ mit insgesamt 247 Plätzen. Auch die Arbeiterwohlfahrt vermeldet, dass die Einrichtungen ausgelastet sind, es Wartelisten gibt. Auf die besonders angespannte Situation bei Krippenplätzen rund um Oschersleben reagiert die Awo mit der Erweiterung der Kita „Wawuschel“ im Krippenbereich um 15 Plätze. Zugleich sollen bessere Betreuungs- und Fördermöglichkeiten für mehrfach behinderte und von Behinderungen bedrohte Kinder mit der Erweiterung der integrativen AWO-Kita „Wawuschel“ geschaffen werden.

Mütter in Ungewissheit

Annerose Hühn und Barbara Haf engagieren sich als Integrationshelfer und haben in ihrer Funktion schon viele Muttis zu den Kindertagesstätten der Stadt begleitet. „Die Frauen beschäftigt vor allem die Ungewissheit. Selten kann ein Termin genannt werden, wann die Kinder einen Platz bekommen. Damit ist für sie auch ungewiss, wann eine Teilnahme an Integrations- und Deutschkursen möglich ist. Für die Mädchen und Jungen selbst ist es nicht einfach, wenn sie eingeschult werden, ohne vorher eine Kita besucht zu haben“, erzählen die Frauen. Auch wenn es vereinzelt freie Kita-Plätze in den Ortsteilen gäbe, wäre es für alle nicht mobilen Eltern schwierig, diese in Anspruch zu nehmen.

„Als Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe obliegt dem Jugendamt des Landkreises Börde die Sicherung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung. Gleichzeitig ist es dem Jugendamt rechtlich jedoch nicht möglich, selbst eigene Betreuungsplätze vorzuhalten bzw. neue Plätze zu schaffen. Es hätte lediglich im Sinne einer „ultima ratio“ die Möglichkeit, die Jugendhilfeleistung der Kindertagesbetreuung im Rahmen eines Vergabeverfahrens auszuschreiben“, erklärt Landkreis-Dezernent Dirk Michelmann, verantwortlich für das Jugendamt.

Vor diesem Hintergrund sowie zur bedarfsgerechten Ausgestaltung mit Betreuungsplätzen sei eine enge Kooperation mit der Stadt Oschersleben sowie den freien Trägern erforderlich. Dem Landkreis ist bekannt, dass es aktuell eine hohe Nachfrage an Plätzen in den einzelnen Kindertageseinrichtungen der Stadt. Gleichzeitig bestehe aber bei den freien Plätzen eine regionale Ungleichverteilung.

Kurzfristige Lösung

Während in der Kernstadt Oschersleben eine überdurchschnittliche Nachfrage an Plätzen vorliegt, würden in den Kindertageseinrichtungen der einzelnen Ortsteile noch begrenzte freie Kapazitäten bestehen. Dieses Problem sei dem Jugendamt bekannt und wird mittelfristig beispielsweise durch den Aufbau zusätzlicher Plätze im Rahmen des Ausbauprogrammes „Kinderbetreuungsfinanzierung 2017 bis 2020“ bearbeitet.

Alle an einen Tisch

„Zur kurzfristigen Lösung des Problems beabsichtigt die Kreisvolkshochschule in Kooperation mit dem Jugendamt in Oschersleben ein flexibles Betreuungsangebot aufzubauen. Dieses sieht vor, dass die Eltern der in Frage kommenden Kinder während des Integrationskurses in der Kreisvolkshochschule eine Betreuung in den dortigen Räumlichkeiten angeboten bekommen. So können die Kinder und ihre Eltern in ihrem gewohnten regionalen Umfeld bleiben und müssen nicht auf die Ortsteile der Stadt Oschersleben ausweichen. Zudem ist angedacht, im Rahmen der Betreuung der Kinder auch explizit eine Sprachförderung anzubieten, um insbesondere den Übergang in die Schule zu erleichtern“, berichtet Dirk Michelmann.

Parallel hierzu hatte das Jugendamt Ende letzten Jahres einen Gesprächstermin mit der Stadt Oschersleben sowie den freien Kita-Trägern vorbereitet. Diesen habe die Stadt Oschersleben leider kurzfristig abgesagt. Das Jugendamt des Landkreises wolle zeitnah erneut das Gespräch mit der Stadt suchen, um so eine gemeinsame Lösung des Problems im Verbund mit den freien Trägern zu erarbeiten.