Oschersleben l Statt nach Essensduft riecht es derzeit nach Staub und durchtrenntem Metall. Das Gebäude des ehemaligen Kleiderwerkes ist eine Großbaustelle. Vor etwa vier Wochen hat im Inneren die Entkernung begonnen. Aber das ist nur ein vorübergehender Zustand.

Küche im Kleiderwerk

„Bis zum Ende der DDR war das Kleiderwerk einer der größten Betriebe in Oschersleben“, erinnert Michael Lange. Er ist der Geschäftsführer der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung. Sie betreibt Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. 1989 sei das Gebäude neu errichtet worden. Doch wenig später wurde das Kleiderwerk abgewickelt.

Wie Michael Lange erklärt, wurde das Haus in den 90er Jahren von der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung übernommen. Man habe eine Möglichkeit gebraucht, um Menschen mit Behinderung mit Essen zu versorgen. Deshalb sei eine Großküche gebaut worden. Da die Kapazitäten für deutlich mehr als nur für den Eigenbedarf reichten, kamen laut Lange Angebote für Kindertagesstätten und Schulen sowie Essen auf Rädern hinzu. Doch im Mai 2019 war Schluss. Es sei immer schwerer geworden, das Gebäude und die Technik mit modernen Standards und Normen in Einklang zu bringen. Doch schon bei der Einstellung des Betriebes habe es den Plan gegeben, mit dem Projekt doch irgendwie weiterzumachen. Wie Michael Lange berichtet, wurde zunächst über einen Neubau in der Straße Am Pfefferbach nachgedacht. Doch wegen der hohen Kosten habe sich das Vorhaben als unwirtschaftlich erwiesen.

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Kompletter Umbau

Nun soll der vorherige Standort an der Friedrichstraße komplett umgebaut werden. „Die Bausubstanz ist sehr gut“, informiert Andreas Ahlhelm. Er ist seit September 2019 Geschäftsführer der Claudius Catering GmbH. Dieses Unternehmen wird die Großküche betreiben. Gesellschafter sind die Matthias-Claudius-Haus-Stiftung und das Unternehmen Food Alliance. „Das Objekt ist gut erreichbar und die Größe ist ideal für das, was wir vorhaben“, so Andreas Ahlhelm. Insgesamt gehe es um etwa 800 Quadratmeter. Der Umbau solle rund zwei Millionen Euro kosten. Damit sei er deutlich günstiger als der zuvor geplante Neubau.

Wie Rainer vor der Straße, Geschäftsführer der Food Alliance, erklärt, sei sein Unternehmen auch zu Zeiten der vorherigen Großküche schon mit an Bord gewesen. „Die Partnerschaft hat sich sehr gut entwickelt, und die Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv“, hob er hervor.

Bedarf ist groß

Laut Andreas Ahlhelm sollen in der neuen Großküche 25 Mitarbeiter beschäftigt werden, darunter auch Menschen mit Behinderung. Es handle sich also um einen integrativen Betrieb. Zwischen 3500 und 4000 Mahlzeiten sollen täglich hergestellt werden. Dabei gehe es um eine Vollversorgung mit mehreren auswählbaren Gerichten. Der Bedarf sei groß und steige ständig. „Aber ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, die Erwartungen, die an uns gestellt werden, zu erfüllen“, so Ahlhelm. Ein Kantinenbetrieb vor Ort sei allerdings nicht mehr vorgesehen. „Eigentlich sollte der Umbau Ende Februar beziehungsweise Anfang März beginnen“, berichtet Andreas Ahlhelm. Die Corona-Pandemie habe für Verzug gesorgt. Trotzdem halte man an dem Ziel fest, bis zum späten Frühjahr 2021 fertig zu sein.

„Ich freue mich, dass auch an dieser Stelle etwas in Oschersleben geschieht“, erklärte Bürgermeister Benjamin Kanngießer. Über einen Neubau am Pfefferbach hätte er sich nach eigener Aussage ebenfalls gefreut. Doch der Standort an der Friedrichstraße habe den Vorteil, dass er sich mitten in der Stadt befinde. Außerdem werde auf diese Weise ein altes Objekt mit neuem Leben gefüllt. Nicht zuletzt hob der Bürgermeister hervor, dass die Matthias-Claudius-Haus-Stiftung ein wichtiger Arbeitgeber in Oschersleben sei. Derzeit werde das Essen für Kita-Kinder und Schüler teilweise aus Magdeburg geliefert.

Keine Nostalgie

Der zuständige Architekt Maik Milan merkte allerdings an, dass man im Zusammenhang mit dem Projekt nicht an „eine nostalgische Küche“ zu denken brauche. Stattdessen werden hochmoderne Technik verbaut, die sehr effizient arbeite und dadurch auch den Verbrauch an Energie und Wasser möglichst gering halte. Rund ein Viertel der Investitionssumme werde in diese Geräte fließen.