Krottorf/Hordorf/Schwanebeck l Vor wenigen Wochen hat sich die Bürgerinitiative „Windwahn Krottorf“ gegründet. Für den Dienstagabend haben die Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung in den Rittersaal der Burg Krottorf geladen. Das Interesse der Bürger ist riesengroß, denn die vorhandenen Stühle hätten bei weitem nicht alle Besucher aufnehmen können, sodass viele Gäste einfach Aufstellung an den Seitenwänden nehmen.

Unterschriften gesammelt

„Wir wollen uns schon gegen die Anfänge wehren“, sagt Falk Oehlie aus Krottorf, einer der Sprecher der Initiative „Windwahn Krottorf“. Als erste Aktion haben die Mitglieder eine Unterschriftensammlung gestartet, an der sich bislang über 350 Bürger der Gemeinde beteiligt haben. „Damit haben wir die Mehrheit schon einmal hinter uns“, zieht er ein Zwischenfazit. Die Aktion laufe jedoch weiter, sodass sich noch weitere Einwohner eintragen können. Die Möglichkeit nutzen die Besucher der Infoveranstaltung auch rege.

Unter ihnen sind Gäste aus dem benachbartem Vorharz, aus Salzwedel und Derenburg. Michael Loehsner ist aus dem letztgenannten Ort angereist, um sich zu informieren und den Schulterschluss mit Interessensvertretern in Sachsen-Anhalt zu suchen. Er hat Glück, denn auch Enrico Lehnemann, von der Initiative „Pro Jeetzetal“ und Mitglied bei der Bundesinitiative „Vernunftkraft“, zeigt den Versammelten an diesem Abend Möglichkeiten auf, gegen eventuelle Projekte vorzugehen. Er schlägt vor, die Belange des Naturschutzes in den Mittelpunkt zu stellen und Kontakt zum Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aufzunehmen. „Es müssen Umweltbelange ins Feld geführt werden. Dann gibt es gute Gründe, die gegen die weitere Errichtung dieser landschaftsverschandelnden ,Spargel‘ – wie die Windräder genannt werden – sprechen“, erklärt er. „Außerdem sind diese eine weitere Gefährdung für die hier beheimatete Rotmilanpopulation.“ Die Krottorfer haben schon Nägel mit Köpfen gemacht. So stehen sie im Kontakt mit dem Nabu und sind ebenfalls Mitglied bei „Vernunftkraft“. Diese ehrenamtlich geführte Bundesinitiative macht sich gegen den weiteren ungehemmten Neubau von Windparks stark.

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Erweiterung bereits abgesegnet

Als Sprecher Daniel Schien die Anwesenden mit den Hintergründen der Erzeugung von Windkraft bekannt macht, geht mehr als nur ein Raunen durch den Raum. Schließlich spricht er über die vorgesehene Erweiterung des Windparks in Hordorf, die schon vom Land Sachsen-Anhalt abgesegnet wurde. „In der Gemarkung Hordorf kommen sieben Windräder dazu, in Krottorf sind es vier und in Wulferstedt eins“, dabei legt er einen Plan für die möglichen Standorte vor. Vertreter würden schon jetzt bei Landbesitzern die „Klinken putzen“, um das betreffende Gebiet zu pachten. Das bestätigt Steffen Julius von der Bürgerinitiative in Hordorf, dem solche Berichte zu Ohren gekommen seien.

Verbandsgemeinde-Bürgermeister Fabian Stankewitz (SPD) stellt klar: „Wir als Verbandsgemeinde wissen davon nichts. Bei der Verwaltung sind noch keine Investoren vorstellig geworden. Es gibt noch keine Bauanfragen.“ Ihm seien die Gerüchte aber durchaus bekannt und er könne die Sorge der Bürger verstehen. „Im Verbandsgemeinderat und in den Räten vieler Orte in der Westlichen Börde sieht man die möglichen Erweiterungen zum Großteil sehr kritisch“, betont er. „Als der Entwicklungsplan 2016 vorgestellt wurde, stieß er größtenteils auf Ablehnung. Eine Bebauung der Deponie zwischen Großalsleben und Gröningen wurde abgeschmettert.“ Zum Thema der Ausbreitung der Anlagen werde er das Gespräch mit Eva Stroka (FDP), Bürgermeisterin der Gemeinde Am Großen Bruch, suchen.

Viel Geld im Spiel

„Wenn man weiß, welche Summen den Ackerbesitzern von den Investoren geboten werden, dann macht das schon nachdenklich“, bringt er vor. „So gibt es ein Beispiel aus Hordorf, bei dem es über eine Pacht-Laufzeit von 20 Jahren 1,4 Millionen Euro werden.“ Das seien Gelder, die mancher kaum ablehnen werde.

Schwanebecks Bürgermeister Benno Liebner (CDU) berichtet am gestrigen Mittwoch der Volksstimme von der geplanten Bebauung im Vorharz. „Die bestehenden Anlagen werden bis zur Landkreisgrenze Richtung Krottorf bebaut“, stellt er klar. „So sieht es die Anfrage einer Firma vor, die wir aber noch ausführlich behandeln werden.“ Zur Errichtung eines dritten Windparks in Richtung Huy habe es bereits eine Informationsveranstaltung für die betreffenden Bürgermeister gegeben. „Hier ist allerdings noch nichts spruchreif“, relativiert er. „Dagegen haben wir der Errichtung eines Solarparks auf der Deponie zwischen Nienhagen und Schwanebeck zugestimmt.“