Oschersleben l Ein riesiger Salzberg, insgesamt 800 Tonnen, lagern in einer großen Halle der Straßenmeisterei Oschersleben, 40.000 Liter Magnesiumchlorid zum Herstellen eines Feuchtsalzes sind eingelagert, 1600 Meter Schneezäune für Bundesstraßen und 1025 Meter für Landesstraßen stehen parat, Verträge mit sieben Partnerfirmen sind geschrieben, die Mitarbeiter der Straßenmeisterei um Christoph Fischer „fiebern“ dem Winter und damit ihren Einsätzen entgegen. Sie besetzen im Einsatzfall die fünf Lkw, die für den Winterdienst speziell aufgerüstet sind. Sie sind morgens um 3 Uhr die ersten auf den Straßen.

Für den jungen Straßenwärter Andy Kroll wird es der dritte Winter sein. Im 250.000 Euro teuren Unimog erklärt er die technischen Raffinessen des Fahrzeugs. „Mit diesem Joystick kann ich vorn den Schneepflug steuern, aber auch hinten das Streuen des Salzes. Der Lkw kann die Fahrbahntemperatur messen, dementsprechend wird entschieden, wie viel gestreut werden muss“, erklärt der junge Mann. Maximal 130 Kilometer könne er mit einer „Ladung“ zurücklegen. „Auch bei Kontrollfahrten halte ich mich an die Devise: Lieber mehr, als zu wenig.“

Mit 196 Kilometern Landesstraßen und 146 Kilometern Bundesstraßen ist die Straßenmeisterei Oschersleben die größte innerhalb der Landesstraßenbaubehörde (LSBB), Regionalbereich Mitte. Entsprechend umfangreich ist die Organisation des Winterdienstes.

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Bei aller Erfahrung, die die Kollegen mitbringen, niemand kann heute sagen, wie der Winter wird. Zu den Erfahrungen vieler Jahre gehört auch, dass es mit Wintereinbruch erst einmal Probleme gibt. „Die Autofahrer brauchen eine gewisse Anlaufphase, stellen sich nicht immer auf die geänderten Straßenverhältnisse ein, sind zu schnell unterwegs, schimpfen auf den Winterdienst. Ich kann nur an die Verkehrsteilnehmer appellieren, sich bei Schnee, Reifglätte und Eis auf den Straßen entsprechend zu verhalten, der Winterdienst kann nicht überall gleichzeitig sein“, stellt Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter Mitte der LSBB während eines Pressegespräches zum Thema Winterdienst in der Straßenmeisterei Oschersleben fest.

Autobahnen haben Vorrang

In Deutschland gibt es für alles Vorschriften, auch für den Winterdienst. Einen Rechtsanspruch hingegen nur im Rahmen der Leistungsfähigkeit. Geregelt ist, dass die Autobahnen den Vorrang haben, hier montags bis sonntags von 0 bis 24 Uhr der Winterdienst im Rahmen der Leistungsfähigkeit zu gewährleisten ist. Es folgen die Bundes- und Landesstraßen mit dem Winterdienst zwischen 6 und 22 Uhr. „Der Winterdienst beginnt in der Regel um 3 Uhr. Nach drei Stunden, also um 6 Uhr, wenn der Berufsverkehr beginnt, sollte die Masse der Gefahr gebannt sein“, erklärt Stefan Hörold. Die Straßenmeisterei ist mit fünf eigenen Lkw unterwegs, sieben Fremdunternehmer kommen mit ihren Fahrzeugen hinzu.

Für die Tourenplanung wird zugrunde gelegt, dass die Fahrzeuge im Schnitt 40 Kilometer pro Stunde fahren. Der Tourenplan legt für jedes Fahrzeug gesondert fest, welche Strecke, welche Räumschleife zu fahren ist. „Der Winterdienst ist vor allem auch Erfahrung, die Fahrer agieren entsprechend der Wetterlage. Liegt viel Schnee wird die Taktzahl erhöht“, erklärt Stefan Hörold.

Mit dem heutigen offiziellen Start des Winterdienstes, er umfasst im Übrigen den Zeitraum vom 1. November bis 31. März, kann aber je nach Wetterlage früher starten oder über den 31. März hinaus gehen, kommt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ins Spiel. Es gibt 32 Messstellen in Sachsen-Anhalt, die Auskunft über Bewölkung, Wind, Niederschlag und Lufttemperatur geben. Die Werte gelangen über tägliche Meldungen in die Straßenmeistereien. Hier wird dann entschieden, ob sogenannte Kontrollfahrten notwendig sind. Das heißt: Morgens um 3 Uhr werden bei Nachtfrösten und der Gefahr von Reifglätte neuralische Punkte angefahren. Ist die Wahrscheinlichkeit einer Kontrollfahrt hoch, wird eine Rufbereitschaft als Stufe 2 der Einsatzbereitschaft ausgelöst. Muss nach entsprechenden Wetterprognosen Stufe 3 ausgerufen werden, haben alle im Winterdienst eingesetzten Mitarbeiter um 3 Uhr in der Straßenmeisterei zu sein. Auf der Grundlage der Informationen des DWD ruft der Technische Mitarbeiter der Straßenmeisterei, in Oschersleben ist das Christoph Fischer, die jeweiligen Stufen aus. „Winterdienst ist schon eine besondere Herausforderung, das besondere Gefühl, gebraucht zu werden. Schließlich kann von unserem Einsatz auch Leben abhängen“, meint Christoph Fischer. Für die Fahrer gibt es im Übrigen auch Fahrsicherheitstrainings. Wichtig sei schließlich zu wissen, wie ein Lkw, beladen mit 16 bis 18 Tonnen, bei winterlichen Straßenverhältnissen reagiert.

Oft werde die Aktivität des Winterdienst nur am Einsatz bei Schnee gemessen. „Doch wenn am Tage zwei Grad plus herrschen, nachts aber zwei Grad minus, also ein stetiger Wechsel zwischen Tauen und Gefrieren herrscht, bedeutet das für uns eine sehr streuintensive Zeit“, erklärt Stefan Hörold.