Seehausen l Der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck will offenbar nicht um jeden Preis seine Wahlperiode vollmachen. Er suchte und fand eine neue Herausforderung. Mit Erfolg. Gestern Abend wählte ihn der Stadtrat Dessau-Roßlau zum neuen Dezernenten für Wirtschaft und Kultur.

Seit drei Jahren ist Robert Reck Verbandsgemeindebürgermeister von Seehausen. Viele Wähler sahen und sehen in dem gebürtigen Beusteraner abseits seiner beruflichen Qualitäten als diplomierter Wirtschaftsingenieur einen jungen und unverbrauchten Kandidaten, der neue Akzente im Rathaus und in der Kommunalpolitik setzen sollte.

Vier Jahre vor dem Ende seiner Legislaturperiode suchte der 31-Jährige offenbar die nächste berufliche Herausforderung. Er bewarb sich um eine der drei neu zu besetzenden Dezernenten-Stellen in der Stadt Dessau-Roßlau.

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Reck hatte es in der Vorentscheidung um die Besetzung des Ressorts Wirtschaft und Kultur im Hauptausschuss in die letzte Runde geschafft und musste sich gestern Abend „nur“ noch einem CDU-Konkurrenten und dem Votum des Dessauer Stadtrates stellen. Wie bei seiner Wahl zum Seehäuser Verbandsgemeindeoberhaupt und beim Einzug in den Stendaler Kreistag konnte sich der Altmärker wieder der Unterstützung der SPD sicher sein. Insider der Kommunalpolitik vor Ort räumten Reck allerdings nur geringe Chancen ein. Was nicht an Recks Qualifikationen, sondern vielmehr an den Mehrheitsverhältnissen im Dessau-Roßlauer Stadtrat und an zwischenparteilichen Absprachen liegen dürfte, wie die Mitteldeutsche Zeitung in einem Beitrag deutlich machte. Um so größer war die Überraschung gestern Abend. Nicht öffentlich stimmten 25 Stadträte für ihn und nur 21 für seinen Mitbewerber.

Obwohl Robert Reck auf Nachfrage der Volksstimme gestern Vormittag versicherte, dass ihm die Arbeit in der Verwaltung und mit den Gemeinden nach wie vor großen Spaß mache, er einen guten Kontakt zu den Bürgermeistern der Mitgliedskommunen pflege und mit dem Tourismuskonzept, der Erneuerung der Verwaltungsstruktur und anderem erste Erfolge verbuche, räumte er ein, dass ihn die Herausforderung in Dessau-Roßlau schon reize. Es ist immerhin die drittgrößte Stadt im Land Sachsen-Anhalt, Bauhaus-Metropole, und der Neuzuschnitt des Dezernates sei nach seinem Geschmack. Wiederum wolle er sich im Fall der Fälle auch weiter in seiner Heimat engagieren. Dass er aus dem Verfahren Schrammen zurückbehalten könnte, war ihm allerdings auch klar.

In der Heimat stießen die Bemühungen des Beusteraners zum Teil auf Unverständnis. Der Vorsitzende des Verbandsgemeinderates, Rüdiger Kloth, äußerte sich gestern zwar gewohnt bedacht, sprach aber durchaus von einem Vertrauensverlust – nicht nur im Rat, sondern auch gegenüber den Wählern, die den Verbandsgemeindebürgermeister ja für sieben Jahre im Amt sehen wollten. Sicher stehe es jedem frei, seine berufliche Laufbahn zu schmieden, aber das Verhältnis zum Rat werde dadurch nicht besser.

Etwas entspannter sah das „Höhe“-Bürgermeister Bernd Prange, der sich seiner Zeit auch um das Amt des Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeisters bemüht hatte. Reck sei ein junger, intelligenter Mann, der seine beruflichen Chancen sucht. Und die soll er auch ergreifen dürfen, wenn sie sich eröffnen. Dass das nicht immer zum Ende der Legislatur sein kann, wäre doch normal. Prange hätte auch keine Probleme für eine künftige Zusammenarbeit gesehen.

Diese Planspiele haben sich indes erledigt. Die Verbandsgemeinde muss wieder wählen. Und das braucht schon wegen der Einhaltung der Bekanntmachungs- und Bewerbungsfristen seine Zeit. Die Bürgermeister der Verbandsgemeinde verabredeten sich gestern Abend für eine heutige Krisensitzung.