Seehausen/Beuster l Das hat sicher Seltenheitswert in der Kommunalpolitik. Nachdem das Konzept für die Umgestaltung der Kindertagesstätte Beuster zu einem Mehrfunktionshaus mit Aussicht auf großzügige Fördermittel ausgerechnet im Sozialausschuss des Verbandsgemeinderates Seehausen vor zwei Wochen von der Tagesordnung verbannt wurde, stimmten kurz danach erst der Haupt- und Finanzausschuss und am Dienstagabend auch der Bau- und Ordnungsausschuss für das Pilotprojekt.

Allerdings hatte sich das erst genannte Gremium dem Projekt nicht aus fachlichen Gründen verweigert, sondern die Reißleine gezogen, weil es offenbar generelle Informationsdefizite gab. Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck, der die verfahrene Situation hätte klären können, nahm zu dem Zeitpunkt an der Sitzung des Kreisschulausschusses in Stendal teil. Und musste sich in Abwesenheit vorwerfen lassen, seinem Heimatort vor dem Wechsel nach Dessau-Roßlau ‚Abschiedsgeschenke zu machen (wir berichteten).

Kein Abschiedsgeschenk

Zu dem persönlichen Vorwurf ließ Robert Reck am Dienstagabend anhand von Zahlen durchblicken, dass Beuster eine der Tagesstätten sei, in die in den vergangenen Jahren am wenigsten investiert worden wäre und dass neben der Kita Beuster nur in Groß Garz die sanitären Anlagen nach der Wende bislang noch nicht saniert worden seien.

Dass es ein Informationsdefizit gegeben haben soll, ließ der Verbandsgemeindebürgermeister auch nicht so gelten. Der Hinweis auf die Zuschussmöglichkeit wäre weitergeleitet gewesen, ein Konzept habe aber nur aus Beuster vorgelegen. In dem Zusammenhang betonte er aber auch, dass im Rathaus noch Informationen zu anderen Programmen vorliegen, für die sich alle Kitas beziehungsweise Gemeinden noch immer bewerben können.

Das Konzept, das die Ausschussmitglieder um ihren Vorsitzenden Bernd Prange letztlich mit einer Enthaltung mehrheitlich dem Verbandsgemeinderat zur Beschlussfassung empfahlen, beschreibt, dass es bei den Deichbibern trotz der Betreuung von derzeit 25 Kindern genug räumliche Reserven gebe, um die Einrichtung zu einem „integrierten Zentrum für Bildung und Miteinander“ inklusive neuer sanitärer Anlagen umzugestalten. Womit am Ende auch eine Generationen-Kooperation in Form gemeinsamer Aktivitäten zwischen Jung und Alt vom Essen bis zum Geschichtenvorlesen gemeint ist, deren praktische Umsetzung für die Zuschussgeber in Zeiten des demographischen Wandels interessant ist. Als sprichwörtliches Leuchtturmprojekt würde es im Förderfall natürlich eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit für die Einrichtung geben, ließ Reck durchblicken. Dafür werde das Engagement mit einer 90-prozentigen Förderung belohnt. Und Bindungsfristen gäbe es auch nicht, schob Reck für den Fall nach, dass sich das Vorhaben wider Erwarten nicht wie geplant entwickeln sollte.

Hoffnung auf Resonanz

Dass das Projekt auf gute Resonanz stößt, davon sind die meisten Kommunalpolitiker überzeugt, die auch keine Konkurrenz für das Dorfgemeinschaftshaus befürchten. Dass ein rühriger Förderverein hinter der Sache steht, machte die Entscheidungsfindung wohl auch einfacher.

Kritisch hinterfragte Prange noch die Belastungsfähigkeit der bislang genannten Gesamtkosten von rund 60 000 Euro. Das, so Reck, würde derzeit im Bauamt fachlich untersetzt.