Heiligenfelde l Dass der Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck zum Jahresende seinen Hut nimmt, um in der Stadt Dessau-Roßlau Beigeordneter zu werden, steht seit ein paar Wochen fest. In der letzten Sitzung dieses Jahres stellte der Verbandsgemeinderat Seehausen im Saal der Heiligenfelder Gaststätte Altenburg am Mittwoch die formellen Weichen für das Ausscheiden des Beusteraners nach nur drei Amtsjahren.

Einstimmig fiel der Beschluss zur Beendigung des Beamtenverhältnisses (zu dem es übrigens aus rechtlicher Sicht keine Alternative gibt) nicht. Hermann Klinghammer aus Lichterfelde votierte bei 14 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen gegen den Trend, weil er der Meinung ist, dass Reck an einen Vertrag gebunden ist. In seiner Haltung blieb er den Rest des Prozederes konsequent und enthielt sich bei allen Entscheidungen, die die Wahl des Nachfolgers, den Zeitpunkt des Urnengangs und die Stellen-Ausschreibung betrafen.

Wie berichtet, soll der neue Bürgermeister beziehungsweise die neue Bürgermeisterin im Rahmen der Landtagswahl am 13. März 2016, bestimmt werden. Die Stichwahl wird, wenn nötig, am Sonntag nach Ostern, 3. April, über die Bühne gehen. Die Ausschreibungsfrist für die Kandidaten endet am Montag, 15. Februar, 18 Uhr.

Bis dahin müssen die vollständigen Unterlagen, die die Wählbarkeit der Interessenten belegen und bei Bedarf die entsprechende Anzahl der Unterstützungsunterschriften enthalten, im Rathaus eingereicht sein. Eine Qualifikation als Verwaltungsfachmann müssen die Interessenten übrigens nicht vorweisen. Die wird bei der Wahl zum Bürgermeister nicht verlangt. Die Mannschaft im Seehäuser Rathaus ist mit Amtsleitern und einer Volljuristin inzwischen auch so gut aufgebaut, dass es keine zusätzliche Neueinstellung zur fachlichen Unterstützung des neuen Gemeindeoberhauptes bedürfte.

Bislang hielten sich mögliche Nachfolger mit Verweis auf einen ordentlichen Abschied von Robert Reck zurück. Obwohl die öffentliche Bekanntmachung noch aussteht, ist dieser aber seit Mittwochabend Geschichte. Anlass für die Osterburger Volksstimme, Namen „abzuklopfen“, die seit Bekanntwerden von Recks Ausscheiden genannt wurden oder früher schon einmal Ambitionen auf den höchsten Posten im Seehäuser Rathaus angemeldet hatten.

Recks stärkste Konkurrentin war seinerzeit Annegret Schwarz aus Vielbaum, die erst in der Stichwahl unterlag. Die 50-jährige Diplom-Verwaltungswirtin, die derzeit ihre Brötchen in der Stadt Bismark im öffentlichen Dienst verdient, würde noch einen Anlauf wagen, verweist aber auf ausstehende Beratungen des Seehäuser CDU-Ortsverbandes. Man wolle sich innerparteilich auf eine Person einigen, die dann gestärkt ins „Rennen“ gehen soll. So sieht es auch Rüdiger Kloth aus Auslosen, der derzeit Vorsitzender des Verbandsgemeinderates ist und Interesse an einer Kandidatur bestätigt. Kloth zählt auch 50 Lenze, arbeitet in der Verwaltung des atomaren Endlagers Gorleben und ist ein kommunalpolitisches Urgestein in der Region. Was auch auf den Heiligenfelder Unternehmer Bernd Prange zutrifft. Dem 48-Jährigen wurden bislang auch Ambitionen für eine zweite Kandidatur nachgesagt. Das CDU-Kreistagsmitglied bestätigte auf Nachfrage der Volksstimme gestern in der Tat Kandidaturabsichten – aber erst im Herbst 2016 als Bürgermeister der „Altmärkischen Höhe“. In Seehausen will der Unternehmer „definitiv nicht“ antreten.

Seinen Hut warf dagegen der Boocker David Elsholz in den Ring. Der 33-jährige Physiotherapeut ist Kreisvorsitzender der Bündnis-Grünen, auf deren Unterstützung er auch beim Wahlkampf setzt. Parteipolitik sollte bei dieser Personenwahl indes eine untergeordnete Rolle spielen, betonte er im Gespräch mit der Volksstimme.

Antje Spillner aus Beuster bestätigte, dass sie mehr oder weniger ins Gespräch gebracht wurde. Die Bauingenieurin mit jeder Menge Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung, die derzeit einen Job im Wittenberger Rathaus hat, ist noch in der Findungsphase. Diese Entscheidung will sehr gut überlegt sein, so die 50-Jährige mit Verweis auf ihren Dienstherrn und ihr persönliches Umfeld.

Der Bürgermeister der Hansestadt Seehausen, Detlef Neumann, sagte weder Ja noch Nein, sondern verwies auf eine Erklärung, die er heute Abend im Stadtrat abgeben will.

Die SPD, die auch den scheidenden Bürgermeister unterstützt hatte, ist nach wie vor gewillt, einen Kandidaten zu stellen oder zu unterstützen. Aber er wolle dem Ergebnis laufender Gespräche nicht vorgreifen, so Landtagsmitglied Ralf Bergmann gestern auf Nachfrage der Volksstimme.