Iden l Am Mittwoch kamen 22 weitere Flüchtlinge in Iden an, wieder Syrer. Zwei Frauen sind hochschwanger, eine davon mit Risikoschwangerschaft. Ein Baby hatte am Mittwochabend 39,2 Grad Fieber und musste gleich zum Arzt gebracht werden. Ein Mann hatte überdies große Zahnschmerzen. In drei der neu vom Landkreis Stendal angemieteten Wohnungen standen zwar Waschmaschinen, aber es fehlten Verlängerungskabel bis zur nächsten Steckdose. „Das war ein Riesenproblem“, sagt Tina Schulze, die sich neben weiteren Idenern maßgeblich um die Flüchtlinge kümmert. „Es gibt keinen Tag, an dem ich alleine nach Stendal zur Arbeit fahre, das Auto ist immer voll.“

Vier Kinder gehen bereits in den Idener Kindergarten, wobei ein Junge mit seinen Eltern wegziehen wird. Zwei Kinder sind in der Grundschule. Die ersten Praktika konnten vermittelt werden. Mohammed al Ibrahim hilft etwa eine Woche lang bei der Walslebener Jesse und Matz GbR beim Umstallen der Tiere. Nach derzeitigem Stand wollen viele der Syrer gerne erstmal in Iden bleiben. Der Deutschkurs trägt seine Früchte, die Verständigung klappt immer besser, aber bis die Flüchtlinge ein selbstständiges Leben führen können, sind noch unzählige Hürden zu bewältigen. Und jetzt kommen die „Neulinge“ noch dazu. „Wir brauchen wirklich weitere Bürger, die Patenschaften für Familien übernehmen“, sagt Tina Schulze. In dem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass die Gemeinde, das heißt der Gemeinderat, sich bis dato zurückhält.

Aus diesem Grund wollten Horst Blum und Helmut Sasse in der vergangenen Woche in der Ratssitzung vorsprechen. Aber es gab ein Missverständnis mit der Zeit und sie kamen erst nach der Einwohnerfragestunde. „Uns fehlt total eine Positionierung des Gemeinderates“, sagt Helmut Sasse. Wie steht er zu der Thematik? Er halte sich ja völlig raus. Zwei der vom Landkreis gemieteten Wohnungen gehören der Gemeinde. Es gebe ein großes Müllproblem, bei dem die Kommune vielleicht unterstützen könnte. Die Helfer würden verdutzt sein, dass da so gar nichts kommt, auch kein Interesse.

Norbert Kuhlmann, Idens Bürgermeister, sieht den Landkreis in der Pflicht. „Es ist schön, dass sich Bürger finden, die helfen“, aber diese Hilfe sei eigentlich Landkreissache. Wobei Kuhlmann betont, dass er „eine Hochachtung vor dem Engagement der Helfer habe“. Was aber solle der Gemeinderat machen? Es würde ihm übrigens nicht einmal vom Landkreis mitgeteilt, wenn neue Flüchtlinge kommen.

In der Nachbarkommune Goldbeck sieht der Bürgermeister momentan keine großen Probleme. „Wir haben aber auch nur zwei Familien hier“, sagt Torsten Dobberkau. Zwei Gemeindevertreterinnen kümmern sich viel um die Flüchtlinge, gemeinsam mit weiteren Bewohnern. Dobberkau sei „nah dran“ an der Thematik. Aber in der Gemeinde Goldbeck sei die Lage wegen der derzeit wenigen Flüchtlinge auch relativ überschaubar.