Bretsch l In kaum zehn Jahren hat nach Aussage im „Stern“ ein Viertel aller Kneipen und Wirtshäuser in Deutschland zugemacht. In der Altmark dürfte der Anteil noch wesentlich höher sein, denn der Bevölkerungsrückgang auf dem Land, der Mobilitätszuwachs, die Veränderung von Arbeitswelt und Freizeitverhalten sowie die Konkurrenz von Veranstaltungen der Vereine machen Gastronomen zu schaffen.

Eine Ausnahme ist da der Bretscher Gasthof mit seiner Inhaberin Anette Lunkwitz. Diese Landgaststätte begeht am 1. Mai mit einem großen Hoffest ihr 25-jähriges Bestehen unter der Regie der Bretscherin. Im Gespräch mit der Wirtin und ihrem Mann Uwe, der für sie die wichtigste Stütze darstellt, war einiges über die Historie des Landgasthofes zu erfahren. „Schon die Urgroßeltern (Friedrich Wilhelm Brünske, geb. 26. Dezember 1863), dann die Großeltern Luise Minna und Wilhelm Alfred Walter Brünske sowie meine Mutter, Lieselotte Brünske, arbeiteten in der Gaststätte neben der großen Feldsteinkirche. Zu DDR-Zeiten hatte allerdings zeitweise die HO (staatliche Handelsorganisation) die Gaststätte bewirtschaftet“, so Anette Lunkwitz.

Als dann die politische Wende kam, stand sie vor der Frage, ob sie die traditionsreiche Gaststätte übernehmen sollte oder lieber in ihrem relativ sicheren Beruf als Qualitätsprüferin in der Milchproduktion bleiben sollte. Sie entschloss sich nach reiflicher Überlegung, die Gaststätte nun in vierter Familiengeneration zu übernehmen. Diese Entscheidung hat sie noch nicht wirklich bereut.

1989 bekam die junge Familie mit dem Sohn René und etwas später mit Sören Nachwuchs. Nach zweijährigem Umbau und Modernisierung erfolgte 1991 die Neueröffnung der Gaststätte. Dieser Termin steht auch für die Berechnung des silbernen Jubiläums für die Gaststätten-Betreiberin. Damals lohnte sich noch der tägliche Kneipenbetrieb und das Angebot für den Mittagstisch. Dies ist heute nicht mehr möglich. Hauptsächlich lebt das Unternehmen von Familien-und Vereinsfeiern sowie von Versammlungen. Dafür stehen der Versammlungsraum von rund 30 Plätzen und der große Saal mit Bühne und Bar mit maximal 140 Plätzen zur Verfügung.

Wenn so große Institutionen wie der Pferde- oder der Rinderzuchtverein Osterburg den großen Saal und das Service-Angebot nutzen, dann helfen auch ab und zu die beiden Söhne mit, falls sie aus Stendal oder Bremen gerade zu Besuch sind. Sie ziehen die Gasthof-Shirts zur Bedienung über, und selbst die Enkelin Emely oder Schwager Jörg helfen nach Kräften, die Wünsche der Kunden schnell und freundlich zu erfüllen.

Für die Zukunft wünschen sich die Wirtin und ihre Familie sowie Freunde auch weiterhin volle Auftragsbücher und für das Hoffest am 1. Mai Frühlingswetter und viele Gäste.