Barsberge l Im reichlich 800 Hektar großen Stadtforst von Seehausen wird immer irgendwo gesägt, gepflanzt und gepflegt, ohne dass das an die große Glocke kommen würde. Das ist Tagesgeschäft im Wirtschaftwald westlich der Bundesstraße 189.

Anders auf Barsberge. Bei dem Naherholungszentrum der Hansestadt mit Forsthaus, Jagdzentrum, Spielplatz, Wanderwegen, Pferderastplatz, Damwildgehege und Volieren ist die öffentliche Wahrnehmung größer. Weshalb das Betreuungsforstamt „Nordöstliche Altmark“ jetzt auch ankündigt, in dem Gebiet auf einer rund 4000 Quadratmeter großen Fläche in Abstimmung mit der Kommune einen Kahlschlag vornehmen zu müssen.

Die Maßnahme ist deshalb ein Muss, weil es sich um einen Fichtenbestand handelt, der unter den beiden vergangenen Dürrejahren besonders gelitten hat und deshalb leichte Beute für den Borkenkäfer geworden ist. Eine vitale Fichte kann sich gegen den Käfer oder dessen Larven mit dem Ausstoßen von Harz verteidigen. Aber ohne Wasser kein Harz.

Bilder

Rund 90 Prozent des betreffenden Bestandes sind inzwischen abgestorben. Jetzt muss schon aus Sicherheitsgründen die Reißleine gezogen werden. Was dieser Tage übrigens bereits im benachbarten Damwildgehege geschehen ist, wo acht große Fichten gefällt wurden, bevor sie den Tieren, dem Zaun und den Besuchern gefährlich werden konnten, so Forstamtsleiterin Katja Döge im Gespräch mit der Volksstimme. Noch in diesen Tagen soll ein Harvester anrücken. Für den Vollernter und dessen Fahrer sind die 4000 Quadratmeter neben dem Jagdzentrum nur ein Routinejob.

Märchenwald

Als Mitorganisatorin der regelmäßigen Waldfeste auf Barsberge kennt Katja Döge den Bestand gut, bot er bei den Festen für eine Reihe von Markttreibenden bislang ebenso Schutz wie für die Volieren und stand als „Märchenwald“ gegenüber der Waldbühne immer für eine besondere Kulisse.

Kleiner Trost: Den Horizont werden die Gäste auf Barsberge durch den Kahlschlag nicht gleich sehen, weil etwa 40 Meter hinter dem Fichtenbestand wieder Hochwald steht. Außerdem soll die Fläche natürlich aufgeforstet werden. Wie und mit welchen Baumarten, darüber müssen sich Waldfachleute und die Hansestadt aber noch abstimmen.

Gut möglich, dass man bei der Gestaltung auf die besondere Rolle der Fläche in dieser viel frequentierten Ecke des Stadtforstes Rücksicht nimmt. Vielleicht könne man das Wirtschaftliche mit Wissenswertem verbinden und Baumarten pflanzen, die im Stadtforst noch nicht so oft anzufinden sind, aber stellvertretend für die Zukunft der Waldbewirtschaftung in Mitteldeutschland stehen. Aber letztlich ist das eine Entscheidung, die der Eigentümer der Fläche treffen muss. Nur Fichte, so die Forstamtsleiterin, würde sie ausschließen.