Seehausen l Wenn junge Leute die Schule verlassen, um einen Beruf zu lernen oder zu studieren, ist das eine Zäsur im Leben, bei der die Abgänger vor allem mit sich selbst zu tun haben. Sei es, um sich auf den neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, zu feiern oder erst einmal „alle viere von sich zu strecken“.

Der 2017er Absolventen-Jahrgang der Gemeinschaftsschule Seehausen dachte aber auch an andere und hat zum Beispiel mit der Sonnenuhr am Umfluter für eine bleibende Erinnerung gesorgt (wir berichteten). Für noch eine bleibende Erinnerung sorgte die Klasse 10 a, die ihren Klassenlehrer David Schüßler nach der feierlichen Zeugnisübergabe in der Schul-Aula bei der anschließenden Feier im Veranstaltungszentrum „La Palma“ in Vielbaum mit einem besonderen Geschenk überraschte. Die Jugendlichen hatten mit Hilfe von Eltern ein Ticket für den diesjährigen Berlin-Marathon besorgt, der am Sonntag, 24. September, über die Bühne gehen wird.

Insider wissen, dass das zum einen nicht einfach ist, weil die Zahl der Starter aus etwa 120 Ländern auf 40.000 begrenzt ist und nach einem zweiwöchigem Bewerbungsverfahren (in dem Fall Ende 2016) Fortuna über eine Teilnahme entscheidet – eine Hürde, bei der die Planer erfolgreich auf Gevatter Zufall setzten. Zum anderen kostet die Teilnahme an einem der weltweit berühmtesten Läufe über 100 Euro Startgebühr inklusive einer Erinnerungs-Medaille. 150 Euro akquirierten die Schüler, damit ihr Klassenlehrer dazu noch einen Fahrschein kaufen kann und etwas Verpflegungsgeld in der Tasche hat. Nur laufen muss Schüßler selber. Dass sich der Lehrer für Deutsch und Sport genau dieses Abenteuer wünscht, hat er seinen Schülern irgendwann einmal selbst offenbart.

Und warum das Ganze?

Aus Dankbarkeit, so Sabine Bieschewski im Gespräch mit der Volksstimme. Der Pädagoge, der bei Stendal wohnt, war bei den Jugendlichen besonders beliebt. Und das noch mehr, weil ihm ein Schulwechsel angeboten worden war, der ihm das tägliche Fahren erheblich erleichtert hätte, den er aber so kurz vor der Ziellinie seiner Schützlinge nicht annehmen wollte. Dieser Vertrauensbeweis habe die Schüler sehr beeindruckt, schob die Elternvertreterin nach.

Die Überraschung ist gelungen, verriet Sabine Bieschweski. Der Klassenlehrer sei fassungslos gewesen, habe sich einen Stuhl nehmen müssen und nach einem Bier verlangt. Das Geschenk dürfte die Freizeitplanung Schüßlers demnächst etwas auf den Kopf stellen. Er wird kräftig trainieren müssen. Denn auch ein Sportlehrer schüttelt die reichlich 42 Kilometer nicht mal so eben aus dem Ärmel. Langeweile sollte beim Lauf in der Hauptstadt nicht aufkommen. Zum einen ist die Kulisse für die Läufer einmalig. Außerdem hatte David Schüßler Augen zwinkernd schnell ausgerechnet, dass ihm für jeden einzelnen Schüler etwa zwei Kilometer bleiben, um darüber zu grübeln, was sie ihm da „angetan“ haben.