Das sagt die StVO

„Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, so dürfen abweichend von Satz 1 Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch diesen Radweg benutzen. Soweit ein Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr von einer geeigneten Aufsichtsperson begleitet wird, darf diese Aufsichtsperson für die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen; eine Aufsichtsperson ist insbesondere geeignet, wenn diese mindestens 16 Jahre alt ist. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.“

Paragraph 2, Absatz 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO)

Arneburg l Es dauert tagsüber nur ein paar Minuten, bis der Beobachter einen erwachsenen Fahrradfahrer den neu sanierten Gehweg in der Stendaler Straße Arneburg benutzen sieht. Die Alternative ist auch denkbar schlecht, die Kreisstraße daneben präsentiert sich auf dem letzten Stück stadteinwärts noch mit holprigen Pflastersteinen. Die Verlockung, auf den Gehweg auszuweichen, ist einfach groß. Das gibt auch Werner Hartig zu, „aber sein darf das so nicht, da muss eine Lösung her. Der Zustand ist unhaltbar“.

Hartig ist Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und setzt sich so naturgemäß für die Belange der Radfahrer ein. Als er das Bild vom Gehweg samt Bildunterschrift in der Volksstimme erblickte, wurde er stutzig und schaute sich die Sache vor Ort genauer an. Sein Fazit: „Für das komfortable und sichere Radfahren in der Stendaler Straße ist leider nichts getan worden. Der Fahrbahnbelag ist nicht radverkehrsfreundlich, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen sind nicht vorhanden.“ Hartig stellte eine Gehwegpflasterung in einer Breite von 1,20 bis 1,50 Meter fest, das Grundmaß betrage aber eigentlich 1,80 Meter. „Es ist aber nun mal so, dass nicht immer nach DIN gebaut werden kann“, so Hartig. Der ADFC sei ja nicht realitätsfern, „das gibt es oft“. Nur pocht Hartig darauf, dass gerade bei Nicht-Din-Bedingungen eine korrekte Ausschilderung vonnöten ist, da die Gefahr um so größer sei. Wenn also der Weg nicht mal als Gehweg der Norm entspricht, dürften ihn erst recht keine Radfahrer zusätzlich benutzen, auch nicht als abgemilderte Variante mit dem Zusatzschild „Radfahren erlaubt“. Rechtssicherheit heiße das Zauberwort, zum Schutz der Fußgänger und kleinen Radfahrer (siehe Infokasten), hergestellt durch ein Gehwegschild.

„Wir hätten gerne einen kombinierten Geh- und Radweg gebaut, das war aber wegen des Alleenschutzes nicht möglich“, sagt Simone Kuhlmann, Bauamtsleiterin von Arneburg-Goldbeck. Man sei schon froh gewesen, dass der zuletzt sanierte Gehwegabschnitt stadteinwärts etwas breiter werden konnte als die ersten beiden. „Zum Sportplatz laufen viele Kinder, da ist auch mehr Fußgängerverkehr.“ Bürgermeister Lothar Riedinger sah gestern in erster Reaktion keine Notwendigkeit für eine Beschilderung. Der Stadtrat wolle das schon so kombiniert, „es gibt ja tausende Wege, die nicht Din-gerecht sind“. Nachdem ein Teil der Kreisstraße als Reaktion auf Beschwerden nicht grundhaft saniert, aber asphaltiert wurde, sieht Riedinger die Kreisstraße in den nächsten 15 Jahren leider nicht auf der Prioritätsliste.

Hartig regt über die Beschilderung hinaus an, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man die Situation für Radfahrer auf der Fahrbahn verbessern kann. Stadtauswärts etwa mit einem Asphaltstreifen, „der bräuchte ja keinen grundhaften Ausbau“. Für Hartig erfahre der Fall umso mehr an Brisanz, als die Stendaler Straße Teil des Altmarkrundkurses ist, weshalb er auch die Radverkehrsbeauftragte des Landkreises Stendal darauf aufmerksam gemacht habe.