Osterburg l „Vielleicht eine Handvoll Leute.“ Nein, große Besuchererwartungen hegt Ulrich Bauer am Sonnabendvormittag nicht. Der Vorsitzende der Osterburger Schützengilde weiß aus den zurückliegenden Jahren, dass sich die Zahl der Neugierigen in eher überschaubaren Grenzen hält, wenn die Schützen zum „Tag der offenen Tür“ einladen.

Das Angebot zum Hineinschnuppern zu streichen, kommt für Bauer trotzdem nicht in Frage. Zu wichtig scheint die Suche nach neuen Mitgliedern. Denn vereinte die Gilde in ihrer Blütezeit nach der Wende mehr als 80 Frauen und Männer in ihren Reihen, ist ihre Zahl im Laufe der Zeit immer mehr zusammengeschmolzen. „Jetzt sind wir noch 31“, so Bauer, bei dem auch aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Vereinsmitglieder die Alarmglocken läuten. „Die Schützen, die jünger als 50 Jahre sind, kann ich an einer Hand abzählen“, macht er deutlich. Immerhin drei Mitglieder weist die Kinder- und Jugendgruppe der Gilde auf, mit dauerhafter Verstärkung aus der Nachwuchsabtelung rechnet Bauer aber nicht. „Nach der Schule nehmen die meisten Jugendlichen in anderen Städten und Regionen eine Lehre oder ein Studium auf. Dann verabschieden sie sich gewöhnlich aus unserer Gilde.“

Bauer weiß aus befreundeten Schützenvereinen in der Nachbarschaft, dass die Osterburger die Sorgen um den Mitgliederschwund sowie den hohen Altersdurchschnitt nicht exklusiv haben. Dies bedeute aber keineswegs, diese Entwicklung einfach so hinzunehmen, die Hände in den Schoß zu legen und die Flinte in das Korn zu werfen. Die Osterburger Gilde halte an ihren Traditionen und Aktivitäten wie zum Beispiel den Tag der offenen Tür fest. Und selbstverständlich werde das Schützenfest weiterhin jährlich gefeiert, „wenn auch kleiner als früher.“

Bauer trug schließlich maßgeblich dazu bei, dass in der Führungsriege der Gilde Kontinuität herrscht. Schon seit 2000 Vorsitzender, plante der 66-Jährige im Vorjahr ursprünglich seinen Abschied von der Spitze der Gilde. „Ich wollte ein bisschen kürzer treten“, begründete er. Da sich aber kein Nachfolger fand, erklärte sich Ulrich Bauer schließlich doch zu einer weiteren, bis 2020 andauernden Amtszeit bereit. Und auch die übrigen Vorstandskollegen seien an Bord geblieben, um die Osterburger Schützenvereinigung durch die kommenden Jahre zu führen und am Leben zu erhalten „Die Gilde ist der älteste noch bestehende Verein unserer Hansestadt“, betont Ulrich Bauer. Es klingt ein Stück weit wie eine Verpflichtung.