Seehausen l Abgesehen von Corona sorgen derzeit Schnee und Dauerfrost dafür, dass Arbeiten im Freien nur begrenzt stattfinden. Andere sind dagegen gerade bei der winterlichen Witterung, wie sie die Region nach vielen Jahren wieder einmal erreicht hat, besonders aktiv, um Schäden durch Frost und Eis zu verhindern.

So wie die Mitarbeiter des Landesamtes für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz (LHW), die in der kalten Jahreszeit normalerweise damit beschäftigt sind, zum Beispiel Gehölze an Hochwasserschutzanlagen und eigenen Liegenschaften zu pflegen, Vogelsitzhilfen, Beschilderungen sowie Deichschranken auszubessern oder die Mähtechnik für die neue Saison instand zu setzen.

Thermometer und Flutgefahr im Blick

Dieser Tage haben sie aber vor allem auch die Flusspegel und die Quecksilbersäulen im Blick. Insbesondere da die Niederschläge der vergangenen Wochen in den Gewässern erster Ordnung und deren Vorflutern für Wassermengen gesorgt haben, an deren Anblick sich auch die Mannschaft des Flussbereiches Osterburg um dessen Leiter Hans-Jörg Steingraf nach so vielen trockenen Jahren quasi erst einmal wieder gewöhnen muss. Jetzt ist es besonders wichtig, dass die Sperr- und Steuerungstechnik zum Regulieren von Fluten an den Deichen trotz Frost und Eisgang nicht schwächelt.

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Dienstag wurde für den Pegel Tangermünde wegen des steigenden Hochwassers bei 5,0 Meter die Alarmstufe I ausgelöst. Nur weil der Pegel nach Werten bis 5,20 Meter stagnierte und auch für Wittenberge nach einem vorläufigen Höchstwert von 4,70 Metern zum Ende der Woche kontinuierlich fallende Werte vorhergesagt wurden, blieb das Aland-Abschlussbauwerk bei Wanzer geöffnet, obwohl die steigende Elbe mit ihrem Druck über die Mündung bei Schnackenburg zwischenzeitlich dafür gesorgt hatte, dass der Aland rückwärts floss.

Schnelles Abtauen verhindert

Letztlich ist es den tiefen Temperaturen zu verdanken, dass sich die Lage an der Hochwasserfront erst einmal wieder entspannt. Der Dauerfrost habe das schnelle Abtauen der Schneemassen verhindert und damit den Zufluss aus den Vorflutern entzerrt, erklärt der Flussbereichsleiter im Gespräch mit der Volksstimme.

Der nördlichste Zipfel Sachsen-Anhalts ist hochwassertechnisch eine besonders sensible Ecke, weil dort mit Elbe, Aland und Zehrengraben drei unabhängige Gewässersysteme inklusive eigener Schutzwälle existieren, die im Fall der Fälle aber doch miteinander verzahnt sind, weil die Flut von beiden Seiten kommen kann.

Volle Anlagenwirkung nur als Dreigestirn

Neben Sielen und Überlaufschwellen, die das Hochwasser in den Poldern Garbe und Wrechow puffern, kommt es im Ernstfall neben dem kurz nach der Wende eingeweihten Aland-Abschlussbauwerk auch auf das nach der 2013er-Flut fertiggestellte Zehrengraben-Abschlussbauwerk bei Bömenzien an. Beide sollen mit den angeliederten Deichen vor dem Rückstau der Elbe ins Hinterland schützen und sind in ihrer Funktion zusammen mit dem Aland-Überleitungsbauwerk zu sehen. Der Zehrengraben zählt als Gewässer zweiter Ordnung zwar nicht zum Zuständigkeitsgebiet des LHW-Flussbereiches Osterburg. Da Hochwasserschutz aber ureigenste Aufgabe des Landesbetriebes ist, gibt es da eine Ausnahme.

Dass am Alandabschluss-Bauwerk nach rund 30 Jahren der Zahn der Zeit nagt, ist logisch. Durch die Kontrollgänge dieser Woche wurde rechtzeitig bemerkt, dass sich eines der drei Tore nicht ansteuern ließ und dass es Unregelmäßigkeiten bei der Belüftung gibt, die mit ihren von einem Kompressor erzeugten Bläschen für Eisfreiheit an den beweglichen Barrieren sorgt. Da werden die LHW-Mitarbeiter noch einmal genauer hinschauen müssen, wenn es wärmer ist.

Notstöpsel seit 2018

Die geringsten Unterhaltungssorgen gibt es derzeit am Aland-Überleitungsbauwerk, das seit Ende 2018 funktionstüchtig ist und durch das das zurückgestaute Flusswasser bei Bedarf dosiert mit bis 60 Kubikmeter pro Sekunde über die Seege, den Gartower und Laascher See auf niedersächsischer Seite rund 15 Kilometer weiter wieder in die Elbe geleitet werden kann, ohne dass die Unterlieger nasse Füße bekommen.