Werben l Es laufen dieser Tage diese vielen vermeintlich kleinen Arbeiten. Klaus Gehrke streicht die Wände in den Toilettenräumen, seine Frau Eva die Bänke neu. Hier wird geschraubt, dort etwas nachjustiert. Die Kinderbücher stehen nun unterm Baldachin in einem Regal, das jemand wegwerfen wollte. Das Becken ist bereit für seine Gäste, schimmert blau neben der grünen Wiese. Genau wie das Freibadgebäude seit 2018 in Teilen himmelblau erstrahlt. Josef Slodkowski und sein Bruder hatten es über Tage in den Morgenstunden gestrichen. Einfach so, als Geschenk. Der Schwimmmeister durfte sich die Figuren an den Wänden aussuchen. Den Delfin hatte er auf einem Handtuch gesehen.

Alles Wasser im selben Kreislauf

Am Mittwoch, 15. Mai, eröffnet das Freibad Werben die Saison. Für Klaus Gehrke die 30. – er ist seit dem 1. Juni 1989 an Bord. Und kann gerade den Eltern von kleinen Kindern eine freudige Nachricht mitteilen: In Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde, dem Träger der Einrichtung, sei es gelungen, eine Lösung für das seit mehr als fünf Jahren stillgelegte Planschbecken zu finden. In einem Extra-Kreislauf geschaltet, hatte es immer wieder Hygiene-Probleme gegeben, weswegen das Wasser oft ausgetauscht werden musste, dementsprechend kalt war und das Becken schließlich außer Betrieb genommen wurde. „Jetzt läuft das Wasser im selben Kreislauf wie das Wasser des großen Beckens.“ Nicht gleich am Eröffnungstag, aber in Kürze können Kleinkinder wieder planschen.

Darüber hinaus liege nun endlich die wasserrechtliche Genehmigung für einen neuen Brunnen vor. Er wird über Leader gefördert, laut Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau ist die Beauftragung in Arbeit. Der aktuelle Brunnen ist eineinhalb Kilometer weit entfernt, das Nass erreicht das Bad über anfällige Oberleitungen. Darüberhinaus kommt vor den neuen Brunnen auf Höhe des Parkplatzes ein Filter, „durch den wir noch weniger Chemie einsetzen müssen, vor allem das Eisen minimieren“, so Schernikau. Apropos Filter: Durch die Sanierung zweier großer Filter habe sich die Wasserqualität, bezogen auf die Proben des Umweltamtes vor Einlass des gebrauchten Wassers in den Tauben Aland, schon jetzt erheblich verbessert. Wie Verwaltungsmitarbeiter Carsten Sommer mitteilt, „sind die Grenzwerte in Bezug auf AOX, ein Abfallprodukt von Chlor, seit zwei Jahren nicht überschritten worden. Also auch nicht vergangenes Jahr, wo wegen der vielen Gäste mehr Chemikalien eingesetzt werden mussten. Das will was heißen“. Das Freibad sei wirklich auf einem sehr guten Weg, „ich begleite es seit 2009“.

Und die Verbandsgemeinde hat noch ein Geschenk in petto: Alle aktiven Kameraden der Feuerwehren in Arneburg-Goldbeck (rund 500) sowie die Mitglieder der Kinder- und Jugendfeuerwehren können die ganze Badesaison sowohl das Freibad Werben als auch das „Wa-Ca-Wi“ (Waldbad-Campingplatz-Wischer) kostenfrei nutzen. 2018 galt dies etwa ab der Hälfte der Saison aufgrund der vielen Einsätze im Hitzesommer zunächst nur für das „eigene“ Freibad Werben.

Faire Vereinbarung mit Wischers Bad

Nun konnte, jeweils in Abstimmung und auf Vorschlag des Finanz- und Ordnungsausschusses, eine laut Schernikau „wirklich faire“ Vereinbarung mit Tino Braune, dem neuen Pächter des „Wa-Ca-Wi“, geschlossen werden. „Für viele Kameraden ist Werben zu weit weg, die fahren dann eher dorthin“, so Schernikau, der noch eine spannende Zahl rausrückt: Die Einnahmen von Freibad und Campingplatz 2018 waren mit 45 700 Euro größer als die Betriebskosten in Höhe von rund 41.900 Euro – Personalkosten nicht mit eingerechnet. Das gab’s wohl so noch nie. „Ein Zuschussgeschäft wird das Bad immer bleiben, aber die Zuschüsse sollen zumutbar bleiben, dann geht der Verbandsgemeinderat auch mit.“

Für Werbens Bürgermeister Bernd Schulze sollten Freibäder schlicht „zur Daseinsvorsorge“ zählen. Gut, dass die Stadt den Sozialtrakt des Campingplatzes nach einer „Kampfabstimmung im Rat“ auch ohne Zuschüsse hat sanieren lassen, „wir hätten heute noch keine Fördergelder bekommen“, so Schulze. Und Klaus Gehrke sagt, „ich hätte das Ding bald einfach nicht mehr aufgemacht, man musste sich ja schämen“. Unter anderem der Aufenthaltsraum im Sozialtrakt des Campingplatzes braucht noch eine Generalüberholung. Vielleicht bis 2021? Dann ist das Freibad nämlich 50 Jahre alt. In den Jahrhunderten davor gab es laut Christian Falk, der aktuell die Werbener Chronik weiterschreibt, beim Baden in der Elbe immer wieder tragische Unfälle mit tödlichem Ausgang.

Russischer Panzer schuf erstes Loch

Auch eine mit dem Bau der „Neuen Schule“ in den Jahren 1931/32 für die Werbener mitgeschaffene dortige Bademöglichkeit bot auf Dauer keine befriedigende Lösung. „Mit der Schaffung dieses Freibades 1970/71 ging schließlich ein jahrzehntelang gehegter Wunsch der Werbener Bevölkerung in Erfüllung.“ Nachdem ein russischer Panzer als Wiedergutmachung für Schäden, die durch ein Manöver entstanden waren, den ersten großen Aushub vollzog, waren es die Werbener selbst, die in rund 8000 Arbeitsstunden das Freibad errichteten. Unter den Schülern war auch Bademeister Klaus Gehrke. Später legte er im Bad seine erste Stufe ab und war – längst in der Rolle des Schwimmmeisters – auch mit dabei, als die Einrichtung von 2003 bis 2004 umfassend saniert wurde.