Klein Schwechten/Goldbeck l An die erste gemeinsame Begegnung kann sich Antje Nikolai noch gut erinnern. „Es war vor rund zehn Jahren“, blickt die Goldbeckerin auf eine Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus in Klein Schwechten zurück, als Christian Schröder über die Geschichte seines Heimatdorfes Klein Schwechten vor vielen Besuchern plauderte.

80 Aktenordner sind zu sichten

Denn auch die 36-Jährige begeistert sich für die Historie ihres Dorfes und der Region. Nicht die einzige Gemeinsamkeit: Antje Nikolai hat sich nach dem Tod des Goldbeckers Detlef Frey der Aufgabe der Ortschronik angenommen. So wie auch Schröder, der ebenso gern in der Geschichte von Klein Schwechten und der Region „unterwegs“ ist.

Gemeinsam haben sie nicht nur das Ziel, die bisherigen Archive zu ordnen, aufzubewahren und gegebenenfalls zu vervollständigen. Beide möchten Bürger aus der Verbandsgemeinde mit in die „Geschichtsstunde“ einbinden. Leute sollen für den Arbeitskreis „Regionalgeschichte Mittlere Uchte“ - diesen Namen haben sich beide „verpasst“ - gewonnen werden. „Reich an Geschichten und Geschichte ist unsere Gegend hier allemal. In vielen Orten sind in den letzten Jahren neue Ortschroniken entstanden, mancher betreibt Familienforschung und manch einer schreibt kurze oder lange Beiträge über geschichtliche Ereignisse“, hofft Christian Schröder über Leute, die Lust haben mitzumachen.

Chemie hat sofort gestimmt

Beide treffen sich regelmäßig. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, sagt die Goldbeckerin, die froh war, einen Raum für die vielen Ordner von Detlef Frey gefunden zu haben. Das Material aus vergangenen Zeiten, neben zahlreichen Fotos und Artikeln auch Bücher, Karten und Säcke aus ehemaligen Zuckerfabrik-Beständen, hat seit einigen Wochen einen Platz in einem Raum von Christian Schröder, „der sich herrlich als Heimatstube eignen würde“, findet Antje Nikolai. Sie habe Frey bewundert. „Kaum einer kannte sich so gut mit den Menschen und Ereignissen in Goldbeck aus. Die Ortschronik von Goldbeck wäre ohne ihn nicht vorstellbar.“ Die 36-Jährige, die als Medizinische Fachangestellte tätig ist, habe damit begonnen, die vielen Kisten und circa 80 Aktenordner zu sichten. „Das macht einfach viel Spaß“, sagt sie. Speziell die vielen Fotos seien einfach interessant.

Digitales Findbuch erstellen

Darunter seien ihr recht viele von der Zuckerfabrik in die Hände gefallen. Von deren Mitarbeitern, den dortigen Feiern und der Zuckerfabrik-Feuerwehr. Diese begutachtet sie besonders. Ihr Urgroßvater Fritz Rendelmann sei einer der Mitbegründer der Goldbecker Zuckerfabrik gewesen, die 1889 in Betrieb ging und 1991/92 stillgelegt wurde. Durch die Fabrik sei Goldbeck erst zudem geworden, was es ist. „Davor wurde Goldbeck vom Rittergut in Klein Schwechten mit verwaltet“, erzählt Christian Schröder, der in Klein Schwechten aufgewachsen ist und später nach Isenhagen (bei Hannover) zog. Mittlerweile pendelt der 67-Jährige, der als Kaufmann und Verleger arbeitete, zwischen beiden Orten. Dank der Zuckerfabrik hätte sich in Goldbeck die Infrastruktur mit der Bahnverbindung und die lokale Wirtschaft mit ansässigen Handwerkerbetrieben entwickelt.

In den vielen von Detlef Frey angefertigten Ordnern könne man in der Geschichte des Uchtedorfes wandeln. Schröder und Nikolai haben die Idee, die Inhalte besser und vor allem schneller zu erschließen. „Wir wollen ein digitales Findbuch erstellen.“ Die ersten Schritte seien gemacht und in den nächsten Wochen werden die ersten Inhalte Online gestellt.

„Die Adresse wird rechtzeitig bekannt gegeben“, sagt Christian Schröder, der zusammen mit Antje Nikolai geschichtlich interessierte Bürger ermutigen möchte, mitzumachen. „Bestimmt gibt es in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck und den dazugehörigen Orten noch viele andere geschichtsinteressierte Mitmenschen, die man einmal zusammenbringen könnte. Uns alle verbindet das Interesse an der unmittelbaren Heimat. Kennen Sie auch Geschichten, Anekdoten, Sitten und Gebräuche aus ihrer Familie, ihrem Dorf?“

Zu einer ersten, informellen Klönrunde mit historisch interessierten Mitstreitern wollen die Initiatoren als Impulsgeber möglichst noch in diesem Jahr einladen. Der Termin werde bekanntgegeben.