Werben l Es geht schnell ums Ganze bei Anja Rose. Um die Frage, was das Leben zusammenhält. Ihr Leben, vielleicht auch das der anderen. „Viele Leute sind gerade dabei, sich selbst zu heilen, so habe ich das Gefühl.“ Bekannte und Freunde der Werbenerin begeben sich auf die Suche nach sich selbst. „Das finde ich wunderbar, denn der Frieden beginnt immer in uns selber.“ Große Worte am frühen Morgen, Anja Rose sind sie ein Bedürfnis. Die stark sehbehinderte Frau ist es seit Kindesbeinen gewohnt, zu kämpfen. Um ihren Platz in der Welt. „Aber eigentlich ist es immer besser geworden.“ Ja, es geht ihr gut im Moment. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf ihre Ausstellung, die am 23. Juni in der Werbener Salzkirche eröffnet wird.

Die Besucher sehen Pastellzeichnungen auf Tonkarton, 16 Stück an der Zahl. Schön sind sie, gemalt aus dem Herzen heraus, nachdem die Beziehung zu Anja Roses ägyptischem Partner geendet war. „Ich tat das, um mein Herz zu kurieren, um meinen inneren Frieden wieder zu finden.“ Und dann kamen da Freunde, die sagten, die Bilder sind aber hübsch. Warum stellst Du nicht aus? Ja, warum nicht? Vor zwei Jahren hingen schon einmal Werke von Anja Rose in der Salzkirche – ägyptische Landschaften. Noch im Zeichen ihrer Liebe zu Mahmoud, aber ach, Mahmoud. Vorbei ist vorbei.

Das Malen wurde Anja Rose einmal mehr zur Medizin. „Man sollte allen Menschen Stifte geben und Musikins-trumente, dann bräuchten sie keine Drogen.“

Das Leben ist am Ende also doch schön. Und das Tollste: Man könne es sich selbst schön machen. „Wir brauchen keine Angst zu haben vor uns selbst. Aber gut zu mir selbst zu sein, das musste ich auch lernen.“ Auch noch weiter lernen. Wenn die Gedanken sich negativ verselbstständigen, braucht es dieses innere Stopp. „Mensch, morgen könnte das alles hier hin sein. Positiv zu denken, ist höllisch schwer. Aber die Gedanken sind so eine starke Kraft.“ Für sich selbst spricht Anja Rose gar von einem siebenten Sinn. So sei sie in der Lage, personalisierte Bilder von anderen zu malen. Innere Landschaften von anderen quasi, „die sind dann oft ganz gerührt, weil sie sich darin wiederfinden“.

Kunst hilft dem Herzen

Da ist in Werben also seine Frau weiter tapfer auf ihrem Weg. Eine EU-Rente ermöglicht bei allen Einschränkungen das Sehen betreffend ein ruhiges Schlafen, das Enkelkind bereitet Freude – und die Kunst hilft dem Herzen. Ist Anja Rose eine Hobby-Künstlerin? Komisches Wort! „Das Malen ist kein Hobby für mich, es ist lebensnotwendig.“ Und außerdem stecke ja mittlerweile auch eine gewisse Profession in den Werken. Mit 47 Jahren traut Anja Rose sich das zu sagen.

Die Vernissage am Sonnabend, 23. Juni, beginnt um 14 Uhr. Ingrid Bahß hält die Laudatio. Die Ausstellung läuft bis zum 27. Juli, täglich geöffnet von 10 bis 16 Uhr. Anja Rose wird die Zeit über selbst da sein.