Arneburg l Das älteste Buch heißt „Lienhard und Gertrud“ von 1781. Im Zentrum des utopischen Romans von Pestalozzi steht das Dorf Bonnal, in dem Armut und Sittenverderbnis miteinander um die Wette streiten. Das Buch wurde einst als Versteck genutzt. Von privater Hand, wie alle 156 Bücher, die seit Donnerstag in der Kunst- und Kulturscheune Arneburg ausgestellt werden. Hinter der neuen Schau steht die „H. und H. Kaschade Stiftung“ Stendal. Sie stellte die Werke zusammen und finanzierte die Ausstellung, die auch im Ausland gezeigt wird und „sowohl dort wie hier um den Zugang zum Buch werben“ soll. Das erfahren die Besucher auf einer Infotafel, während der Vernissage mit Sekt und Co berichtete Hans-Jürgen Kaschade selbst davon.

Anlass zu der vielleicht ungewöhnlichen Ausstellung, die von Arneburg-Goldbecks stellvertretenden Verbandsgemeindebürgermeisterin Simone Kuhlmann eröffnet wurde, gaben Bücherspenden, die das Literaturhilfswerk des Förderkreises der Hochschule Magdeburg-Stendal im Laufe seiner mehr als 15-jährigen Tätigkeit erhalten hat. Die Bücher, allesamt gebraucht, kommen von Bürgern und stellen einen Querschnitt durch die Lesekultur von 100 Jahren dar. „Manche standen Jahrzehnte in Bücherregalen. Erben sind es, die sich (...) von den Büchern getrennt haben. Gründe dafür mögen mannigfaltig sein: kein Platz mehr, sie interessieren in der Familie niemanden, das liest bei uns keiner oder es wird gar nicht mehr gelesen.“

Doch die Bücher sind Kulturgut und in Zeiten der digitalen Welt auch Reminiszenz an die Haptik des Papiers. So schwärmt etwa Evelyn Jordan vom Tourismusbüro vor allem von den „schönen, alten Kinderbüchern“. Im Gros der Werke können die Besucher stöbern, ältere Schätze liegen in einer Glasvitrine. Teil der Schau ist auch eine Bücherbörse.

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Die Ausstellung in der Kunst- und Kulturscheune (im Hinterhof des Rathauses) läuft bis September, geöffnet montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr, mittwochs von 9 bis 15 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr.