Seehausen l Nahezu alle Bäder – insbesondere die unter kommunaler Regie – treiben vom Personalmangel bis zum Investitionsstau Jahr für Jahr ähnliche Sorgen um. Warum nicht mal alle an einen Tisch holen, sich austauschen und perspektivisch ein Netzwerk knüpfen, um mit einer Stimme zum Beispiel bei der Politik mehr Gewicht zu bekommen? Das fragte sich auch der Vorsitzende des Fördervereins des Waldbades Seehausen, Walter Fiedler, um das Internet nach Bädern beider Altmarkkreise zu durchforsten und am Ende 27 Einladungen für ein erstes Treffen rauszuschicken. Auslöser war wohl auch der vorerst letzte von mehreren vergeblichen Versuchen, an Zuschüsse für die dringend notwendige Sanierung des Schwimm­beckens zu kommen.

Vier Kommunen, Badbetreiber oder deren Vertreter aus Havelberg, Beetzendorf sowie Klötze und Gardelegen in Personalunion folgten am Donnerstagnachmittag der Einladung ins Waldbad Seehausen, in dem die neue Saison erst am Wochenende angelaufen ist. Immerhin neun hatten im Vorfeld Interesse bekundet und sieben sich für das Treffen angemeldet, mussten aber zum Teil wegen aktueller Probleme wieder kurzfristig absagen.

Das sei kein so schlechter Anfang, schätzte Walter Fiedler ein, der sich als Notarzt und Anästhesist im Ruhestand daran erinnerte, dass bei der Organisation von Medizinkongressen ein Drittel Zusagen ein guter Schnitt war. Dass es beim nächsten Treffen mehr Teilnehmer werden, deutet sich dadurch an, dass Fiedlers provisorische Adressenliste von den Gästen gleich vor Ort korrigiert werden konnte.

Mit dieser ersten kleinen Kooperation war dann auch geklärt, dass der Erfahrungsaustausch an wechselnden Standorten weitergeführt werden soll und dass der Initiator aus Seehausen künftig die Koordination übernimmt.

Und was würden die Badbetreiber der Politik gern mit auf den Weg geben?

Zum Beispiel, dass die Job-Center die Ausbildung von Fachpersonal übernehmen könnten. Oder dass Schwimmbäder vom Status der sogenannten freiwilligen Aufgaben befreit werden und sich die Gemeinden nicht ständig vor der kommunalen Rechtsaufsicht beider Landkreise für ihre Haushalte rechtfertigen müssen, die eine Bezuschussung der Einrichtungen vorsehen, weil ein kostendeckender Betrieb kaum möglich ist. Fiedler betonte, dass Schwimmbäder Teil der Daseinsvorsorge sein müssten. Und das nicht nur für den Schwimmunterricht, sondern auch als wichtiger Teil der gesundheitlichen Prävention, ergänzte Monika Gille aus Klötze. Die Leiterin der dortigen DRK-Wasserwacht erklärte zudem, wie sie und ihre Mitstreiter den Schwimmunterricht gestalten und Kinder sowie Eltern motivieren, damit der Nachwuchs auch schwimmen und nicht nur Hundepaddeln kann.

Ratschläge, die Walter Fiedler nur all zu gern umsetzen würde, sich aber damit abfinden muss, dass in Seehausen in diesem Sommer überhaupt kein Schwimmunterricht angeboten werden kann, weil das Personal nicht vorhanden ist.

In ihrer Kritik fühlten sich die Teilnehmer der Runde von den alarmierenden Zahlen bestätigt, wonach jedes dritte Kind im Land nicht schwimmen kann.

Immer mehr geschlossene Bäder und mangelndes Fachpersonal sorgen dafür, dass es nicht besser wird. Und das vor dem Hintergrund, dass die meisten Kinder und Jugendlichen bei Badeunfällen ums Leben kommen.

Der Beetzendorfer Bürgermeister Lothar Köppe wertet die Entwicklung als bedenklich. So wie Sebastian Horn aus Havelberg, der kein Verständnis dafür aufbringt, dass ein reiches Land so wenig Geld für Jugend und Senioren hat.