Seehausen l Die Gäste machten jedoch recht schnell deutlich, dass eine Baumaßnahme am Seehäuser Haltepunkt nicht in ein, zwei Jahren realisierbar sei. Aber: Die Station der Alandstadt besitzt bei den Verantwortlichen der Deutschen Bahn (DB) bereits eine Projekt-Nummer. Und dahinter verbirgt sich auch eine Zahl: Zwei Millionen Euro sind als Ausgaben beim Entwurf vermerkt - ohne planerischen Hintergrund. Die Anwesenden, unter ihnen auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth, betrachten es als positiv, dass man einen ersten Schritt vorangekommen ist.

Dem Engagement der Gruppe „Barrierefreies Seehausen“ ist es zu verdanken, dass am 15. August mit Karin Meyer, Bahnhofsmanagerin der DB Station & Service AG, und Mario Krokotsch, Abteilungsleiter bei der Nahverkehrsgesellschaft (Nasa), zwei leitende Personen als Gesprächspartner in den Räumen der Feuerwehr zur Verfügung standen. Bahn und Nasa seien sich einig, dass der Haltepunkt für benachteiligte Menschen fit gemacht werden muss. „Aus der Erfahrung heraus dauert es von der Planung bis der erste Bagger anrollt fünf Jahre“, nahm Krokotsch den Anwesenden jede Illusion, dass das ersehnte Ziel quasi vor der Tür steht. Auch Meyer sprach von Schwerpunkten, die zunächst Vorrang genießen würden, wie beispielsweise der Einbau der Aufzüge auf dem Magdeburger Bahnhof.

Dennoch: Die Gespräche mit den Seehäusern laufen. Und es sollen mögliche Varianten untersucht werden. Was ist möglich? Willi Hamann, Stadtrat und Mitbegründer der Gruppe „Barrierefreies Seehausen“, kann sich immer noch das vermeintlich günstigste Projekt mit einem Übergang über den vorderen zum zweiten Bahnsteig, verbunden mit einer Schrankenanlage für die Fußgänger, vorstellen. Das Thema sei jedoch komplex, so Meyer. „Das mag banal klingen. Man greift aber in die Sicherungstechnik der Bahn ein.“ Eine andere Variante, Barrierefreiheit herzustellen, um behinderten Menschen, Eltern mit Kinderwagen oder Älteren, die ihr Rad mitnehmen möchten, die Fahrt mit den Zügen zu ermöglichen, ist das Verlegen des Haltepunktes in Richtung Arendseer Straße. Dafür müssten jedoch zwei neue Außenbahnsteige geschaffen werden; auch der dann weitere Weg zu den Bushaltestellen wurde als kritisch eingeschätzt. Ebenfalls eine mögliche Lösung: der Tunnel, der einzige Verbindungsweg zum Bahnsteig zwei, könnte mit Aufzügen bedacht werden.

Birgit Hartmann, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und Mitbegründerin des Seehäuser Stammtisches, übergab an Karin Meyer eine Mappe mit Stellungnahmen vieler Betriebe, Einrichtungen und Vereine, die eine behindertengerechte Erschließung des Bahnhofs für unausweichlich erachten. Einig waren sich die Gruppe und die beiden Gäste, dass man sich im nächsten Jahr wiedertreffen möchte.