Osterburg l Grund für diese Totalsperrung sind umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Wittenberger Eisenbahnbrücke über die Elbe. Die Bahn erneuert auf dem über 30 Jahre alten Bauwerk den gesamten Korrosionsschutz. Weil die Bahn die Sperrung der Eisenbahnbrücke nutzt, um bei dieser Gelegenheit auch gleich Reparaturarbeiten an der gesamten Strecke zwischen Elbebrücke und Osterburg zu erledigen, kommt es zu dieser fast drei Monate dauernden Totalsperrung.

In den Schaukästen der Gemeinden im Raum Osterburg und Seehausen wirbt Max Maulwurf, Sympathieträger der Bahn bei Bauvorhaben aller Art, für Verständnis. Die Bahn will damit auf nette Art und Weise über die Großbaustelle Eisenbahnbrücke informieren. Das Lachen über den fleißigen Maulwurf in der Badewanne dürfte allerdings so manchem im Halse stecken bleiben, der mit dem Rad über die Eisenbahnbrücke nach Wittenberge will. Denn wegen der Bauarbeiten auf der Brücke wird auch der Fuß- und Radweg gesperrt, und zwar von 7. Mai bis 6. Juli.

Auf ihrem Plakat empfiehlt die Bahn den Radfahrern, die Fähren in Schnackenburg, Werben oder Sandau zu nutzen, um auf die andere Elbseite zu kommen. Zur B 189-Brücke heißt es auf dem Bahn-Plakat: „Für Radfahrer nicht empfohlen, wegen starkem Lkw-Verkehr.“ Vielen Radfahrern, die an der Brücke stranden, dürfte jedoch nichts anderes übrig bleiben, denn von dort sind es rund 20 Kilometer bis zur Fähre in Schnackenburg oder über 20 Kilometer bis zur Fähre Werben. Betroffen sind auch die Einheimischen. Da sind die Ausflügler, die ohne den Radweg über die Eisenbahnbrücke nicht mehr auf die andere Elbseite kommen und da sind die Berufstätigen und Schüler, die täglich den Weg über die Brücke nutzen. Es muss deshalb damit gerechnet werden, dass Radfahrer trotzdem den unangenehmen und gefährlichen Weg über die Autobrücke nehmen werden.

Rüdiger Kloth, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen, hat die Bahn in einem Schreiben gebeten, im Schienenersatzverkehr Busse einzusetzen, die für die Fahrradmitnahme ausgerüstet sind. „Die vorgesehene Fahrradmitnahme im Bus ist bei weitem nicht ausreichend, da in dieser Zeit auch Fahrradtouristen unsere Region besuchen und die Überquerung der Elbe für den Radverkehr nicht möglich ist. Statt dessen schlagen wir die Nutzung eines Busses mit Heckträger vor. Solche Busse fahren seit Jahren im Schienenersatzverkehr zwischen Wittenberge, Arendsee und Salzwedel“, heißt es in dem Schreiben des Verbandsgemeindebürgermeisters an die Bahn.

Fragen zu Bauzeiten

Auch der Landkreis ist in dieser Angelegenheit aktiv geworden. Landrat Carsten Wulfänger hat sich an die Deutsche Bahn AG gewandt und um einen Termin zusammen mit den beiden betroffenen Landkreisen gebeten, um offene Fragen zu Bauzeiten, zur Einrichtung des Schienenersatzverkehrs und der Mitnahme von Fahrrädern zu klären.

Die Bahn richtet zwei Schienenersatzverkehr-Möglichkeiten ein. Zwischen Stendal und Wittenberge wird es einen direkten Bus geben, ohne Halte auf der Strecke. Wer nach Seehausen oder Geestgottberg möchte, nutzt dagegen den Schienenersatzverkehr ab Osterburg, der die Bahnhöfe jeweils anfährt. Allerdings müssen die Reisenden aus Stendal, die in Osterburg auf Gleis 2 ankommen, die steile Fußgängerbrücke über die Gleise bewältigen, um vom Bahnsteig zum Bus am Bahnhofsvorplatz zu kommen. Für ältere, gehbehinderte Menschen, für Rollstuhlfahrer, für Reisende mit Kinderwagen oder Fahrrädern ist das nicht zu schaffen. Sie sind auf den Fahrstuhl angewiesen, in dem es auch nur begrenzt Platz gibt.

Mit dieser Totalsperrung der Zugstrecke beginnen die Bauarbeiten auf der Brücke, die sich bis 2022 hinziehen sollen. Denn die Wittenberger Eisenbahnbrücke wird in den kommenden fünf Jahren zur Großbaustelle. Für den Korrosionsschutz an der Brücke sind insgesamt sechs Bauabschnitte notwendig. Deshalb muss auch in den kommenden fünf Jahren immer wieder mit einer zeitweisen Sperrung des Radwegs über die Brücke gerechnet werden. Eine Totalsperrung der Zugstrecke ist den Informationen der Bahn zufolge aber ausschließlich für diesen jetzigen ersten Bauabschnitt vorgesehen.