Seehausen l Die evangelische Glaubensgemeinde von Seehausen plant schon länger, die Petri-Kirche mit einem barrierefreien Zugang auszustatten, der Leuten mit Behinderung, aber auch Eltern mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren mehr Teilhabe bieten würde. Und das nicht nur bei den üblichen Andachten, sondern auch bei weltlichen Konzerten oder zu anderen Anlässen wie zum Beispiel im Rahmen des Projektes „Offene Kirche“.

An Ideen für die Gestaltung des Zugangs mangelt es nicht. Die größte Hürde ist nach wie vor das Geld, wobei dank der Arbeitsgruppe „Barrierefreies Seehausen“ und Eigenaktionen der Gemeinde schon ein Grundstock gelegt ist. Dazu mühen sich die Initiatoren um Fördermittel und hoffen auf Unterstützung durch den Kirchenkreis sowie die Hansestadt (wir berichteten).

Druck erfolgt auf eigene Kosten

Jetzt bekommt die Kirche kreative Hilfe von Seehäuser Hobbyfotografen. Die siebenköpfige Gruppe um Sven Mersiowski ist zwar kein eingetragener Verein, trifft sich aber regelmäßig, um sich auszutauschen und gemeinsame Projekte zu besprechen. Bisher sind ihre Arbeiten im Schaufenster eines ehemaligen Ladens neben dem Ratskeller zu sehen. Dort waren zum Beispiel auch schon Impressionen der ehemaligen Konservenfabrik vor ihrem endgültigen Abriss vor zweieinhalb Jahren ausgestellt.

Bilder

Ab sofort gibt es einige ihrer Bilder in Form eines Kalenders, den die Hobbyfotografen für das kommende Jahr selbst gestaltet haben und auf eigene Kosten drucken ließen. Und das alles für einen guten Zweck. Nämlich für den barrierefreien Zugang für die Petri-Kirche.

Nein, einen kirchlichen Hintergrund habe die Initiative nicht, meinte Ellen Rosik bei der Vorstellung des Werkes mit Blick auf die unterschiedlichen Konfessionen ihrer Mitstreiter. Und wenn, dann einen ökumenischen, fügt sie schmunzelnd an. Was die kreativen Leute vielmehr eint, ist der Wunsch, eines der ältesten Gebäude der Stadt und das Wahrzeichen Seehausens schlechthin zu erhalten, mit Leben zu füllen und allen zugänglich zu machen.

St. Petri im Detail abgelichtet

Weil es um die Petri-Kirche geht, steht diese auch im Mittelpunkt der Fotos, von denen im Schnitt drei bis vier pro Seite zu finden sind. Das Rad konnten die Hobbyfotografen zwar nicht neu erfinden, aber Altes aus neuen Perspektiven ablichten, ohne die bekannten Postkartenmotive zu vergessen. Oft sind es kleine Details, die sonst nicht so auffällig sind, oder ungewöhnliche Bildausschnitte, die den Blick des Betrachters auf sich ziehen. Einige Fotos sind für diesen Zweck neu arrangiert worden, bei anderen griffen die Akteure in ihr Archiv. Die Bilder passen zu den Jahreszeiten. Das stimmungsvollste Motiv ist dem Dezember vorbehalten. Es zeigt die Petri-Kirche von innen zur Weihnachtszeit im Kerzenschein.

Für Michael Jambor ist das Projekt in doppelter Hinsicht eine Herzenssache. Zum einen will er etwas für St. Petri tun, zum anderen ist er als Rollstuhlfahrer durch eine fehlende Rampe besonders gehandicapt. Nach dem Motto „vier Mann, vier Ecken“ muss er von seinen Mitstreitern regelmäßig zu den Proben oder Konzerten des Kirchenchores in das Gotteshaus getragen werden.

Nachbestellungen sind jederzeit möglich

Der Kalender ist ab sofort im Optikfachgeschäft von Ellen Rosik an der Großen Brüderstraße für 15 Euro zu haben. Weil die Hobbyfotografen das Werk auf eigene Kosten drucken ließen, kann jeder eingenommene Cent eins zu eins in das Projekt fließen. Auch zum Kürbisfest soll der 2021er Kalender an einem Stand zu haben sein. Vorausgesetzt, dass die erste Auflage von 150 Stück noch nicht vergriffen ist. Was aber kein Problem wäre, versichert Ellen Rosik. Die Hefte könnten zügig in beliebiger Stückzahl nachbestellt werden, womit sie sich als Geschenke für Weihnachten empfehlen – auch für Firmen, die ein paar mehr brauchen, um sie an Kunden oder die Belegschaft zu verteilen.

Die Kostenschätzungen belaufen sich derzeit auf gut 50 000 Euro, um am Südportal die Treppen verschwinden zu lassen und das Außengelände anzupassen. Mit einer kleinen Rampe zum Altarraum und dem barrierefreien Zugang zu den sanitären Einrichtungen des benachbarten Gemeindehauses könnten insgesamt um die 90 000 Euro zusammenkommen.