Seehausen l Mitte Oktober 2019 wurde der schlechte Zustand der Beustertorbrücke im Seehäuser Stadtrat zwar ausführlich diskutiert. Am Ende war eine Mehrheit der Kommunalpolitiker aber der Meinung, die Situation erst einmal nicht zu dramatisieren und die Brücke auch weiter für Fußgänger sowie Radfahrer offen zu halten – so wie es schon seit einigen Jahren gängige Praxis ist.

Die verantwortlichen Ingenieure hatten dem denkmalgeschützen Bauwerk im aktuellen Brückengutachten mit „ungenügend“ die schlechteste Note ausgesprochen, die möglich ist, weil der Überbau ebenso wie die Unterbauten massiv geschädigt seien, und die sofortige Sperrung der Brücke empfohlen. Inzwischen hat das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Seehausen vollendete Tatsachen geschaffen und die Vollsperrung der Alandquerung am letzten noch erhaltenen Tor der Hansestadt angeordnet.

Das amtliche Schreiben ging schon vor ein paar Tagen bei Bürgermeister Detlef Neumann ein. Jetzt wurde der Bescheid umgesetzt. Damit sich niemand über das allgemeine Verkehrsverbot so ohne weiteres hinwegsetzen kann, gibt es zur entsprechenden Beschilderung einen Bauzaun an beiden Enden der Brücke.

Überraschend

Viele Nutzer der Flussquerung dürften trotz Zeitungsberichten von der Maßnahme überrascht gewesen sein. Eine kurze Stichprobe am gestrigen Vormittag zeigte, dass alle paar Minuten ein Radler oder Spaziergänger kopfschüttelnd vor dem Eisengeflecht stand, das so überhaupt nicht zum historischen Ensemble aus Brücke, Beustertor und Salzkirche passen will. Am Ende werden sich die Passanten aber daran gewöhnen müssen. Zumindest aus logistischer Sicht gesehen ist der Umweg ans andere Aland-Ufer nicht so weit, weil die L-2-Brücke nur einen Steinwurf weit entfernt über den Fluss führt. Das Gute am Rande: Die Kommune ist mit der Sperrung in Sachen Verantwortung erst einmal auf der sicheren Seite.

In der letzten Sitzung des alten Jahres hat der Stadtrat inzwischen reagiert und ein Planungsbüro damit beauftragt, mögliche Sanierungsvarianten zu beleuchten. Für einen Neubau dürften die Aussichten wegen des Denkmalschutzes eher trüb sein.

Mittlerweile wären die Stadtväter wohl auch mit einer Variante zufrieden, die den alten Status quo – also die Nutzung für Fußgänger und Radfahrer – wieder herstellen kann. Am Ende wird es wie bei vielen anderen Dingen, in die die Seehäuser gern investieren würden, eine Frage des Geldes sein, das derzeit einfach nicht vorhanden ist.