Werben l Der Träger hat einen langen Namen: Stiftung evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg. Den Mitgliedern der Planungsgruppe für die Freie Schule Werben geht er immer leichter über die Lippen. So oft war man jetzt schon im Gespräch, alles ist festgezurrt, die Gruppe kann sich ein bisschen zurücklehnen. Und das hat sie auch nötig, das vergangene Jahr war anstrengend.

Die Planungsgruppe, das sind sechs Personen: Birgit Schulze, Bernd Schulze, Doreen Behrens, Ines Bergmann, Simone Voß und Jochen Hufschmidt. Eine Notlage hat sie zusammengeführt, alle wollten das Aus über die Werbener Grundschule nicht hinnehmen, organisierten Demons-trationen, die lokale und überregionale Politiker auf den Plan riefen, am Ende war es Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der im Sommer 2014 sagte, auch er könne an der kommunalen Selbstverwaltung nichts rütteln. „Der Entscheid gegen uns fiel nicht in Magdeburg“, sagt Ines Bergmann. Aber soll diese Wäsche nochmal gewaschen werden?

Immer habe es geheißen, dass von den sieben Schulen der Verbandsgemeinde Arneburg, Goldbeck und Werben übrigbleiben. Dann wurde in der Phase, als der Verbandsgemeinderat aufgelöst war, aus Werben plötzlich Iden. Begründungen seien „nachgeschoben“ worden und an dem Entscheid war nichts mehr zu rütteln. Acht Eltern sind daraufhin mit insgesamt neun Kindern in die Verbandsgemeinde Seehausen umgezogen, um ihre Kinder in Seehausen beschulen zu lassen. Da war womöglich auch Groll dabei, aber Ines Bergmann sagt, dass sie die Schulen Iden und Seehausen schier verglichen hat. „Und Seehausen kam Werben am nahesten.“ Die Angebote, die Lage, das alles habe auch anderen Eltern in Seehausen einfach besser gefallen. Es gab daraufhin unschöne Überwachungsaktionen seitens der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck – aber eigentlich habe die Gruppe diese Phase längst überwunden. Denn mit Groll im Bauch sei das Vorhaben, eine private Schule zu gründen, nicht zu stemmen gewesen. Und darum ging es ja: ums nach vorne schauen! Für Werben ist es sinnvoll, eine Schule zu haben – so simpel war am Ende die Motivation. Und nachdem Werbener Bürger auf den Demonstrationen ihre Unterstützung signalisiert hatten und der Stadtrat beschloss, die Schule zu vermieten, wenn sich ein geeigneter Schulträger findet, verspürte die Gruppe genügend Rückenwind. Vorher ging es den Männern und Frauen um den Erhalt der Schule, plötzlich standen sie vor der Herausforderung einer Neugründung. Wie macht man so etwas?

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Wieder bekam die Gruppe, die sich nun alle zwei Wochen traf, „um Aufgaben zu verteilen“, eine Menge Unterstützung. Von anderen evangelischen Privatschulen, vom Verein Kinderstärken, von der Johanniter-Unfallhilfe, um nur einige zu nennen. Die Gruppe sammelte die Informationen und Ratschläge, am Ende führte sie Gespräche mit drei potenziellen Trägern – es wurde schließlich die Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg. Kein Verein und keine Elterngruppe sollte Träger der Schule werden, „wir wollten jemanden, der das auch wirklich kann“. Außerdem hat sich der Verein Werben für Kinder, aus dem die Planungsgruppe zum Teil hervorgegangen ist, etwas anderes auf die Fahne geschrieben, als eine Schule zu führen. Er sieht sich als Sprachrohr für die Werbener Kinder, möchte für die Schule auch weiter um Schüler und finanzielle Mittel werben – aber keine Schule managen.

Die Schule, die ein reformpädagogisches Konzept verfolgt, soll im kommenden Schuljahr an den Start gehen. Die erforderliche Mindestschüleranzahl von 15 sei gut erreicht, es könnten sich aber gerne noch weitere Schüler melden. Bisher handelt es sich um Interessenbekundungen, die Beschulungsverträge werden dann mit dem Träger abgeschlossen.

Das Schulgeld kostet im Monat pro Kind 150 bis 170 Euro. Auf jeden Fall soll es nicht höher liegen als das Kindergeld. Es gibt eine Extra-Geschwisterregelung und einen Topf, in den Bürger der Stadt für Kinder zahlen, die sich die Beschulung nicht leisten könnten. Die große Herausforderung für die Schule sind die ersten drei Jahre, in denen es keine staatliche Unterstützung gibt. Die Schulstiftung der evangelischen Kirche und Spenden von Unternehmen sollen über diese Zeit helfen. Was das Personal betrifft, will die Schule gleich von Anfang an gut besetzt und präsent sein.

Aber jetzt kommt erstmal Weihnachten. Den Blumenstrauß hat Simone Voß mit nach Hause genommen. Stellvertretend für alle.