Nach Hilferuf

Bottiche ins Flutgebiet: Werbenerin und ihre Freundin sammeln für Tierrettung in NRW

Die Werbenerin Inga Haase und ihre Freundin aus Burgstall (Börde) haben auf einen Hilferuf aus dem Hochwassergebiet bei Rheinbach (NRW), südwestlich von Bonn, reagiert. Eine Gruppe von Menschen betreut dort rund 300 in Not geratene Tiere. Vom Wasserbottich bis zum Kraftfutter fehlt(e) es dafür an allem. Nur so konkret sind Sachspenden auch sinnvoll, heißt es von hiesigen Kommunen.

Von Karina Hoppe
Inga Haase und Kathrein Schneider erhielten Spenden von Firmen und Privatpersonen, am Ende war ein Transporter voll.
Inga Haase und Kathrein Schneider erhielten Spenden von Firmen und Privatpersonen, am Ende war ein Transporter voll. Foto: privat

Werben/Burgstall - Die furchtbaren Bilder von der Hochwasserkatastrophe vor allem in Rheinland-Pflanz und Nordrhein-Westfalen erreichen uns in der Trockenheit. Bereits 170 Todesopfer wurden gemeldet, weitere Menschen sind vermisst. Inga Haase aus Werben zögerte nicht lange, als ihre Freundin Kathrein Schneider aus Burgstall ihr von einem Hilferuf aus dem Krisengebiet erzählte. „Es gibt bei Rheinbach eine kleine Gruppe von Menschen, die vom Hochwasser in Not geratene Tiere notdürftig betreut. Binnen weniger Tage nahmen sie an die 300 herrenlose Hengste, Wallache und Stuten, die sich nicht kannten, unter stressigsten Bedingungen auf einer provisorischen Koppel auf. Aber auch viele andere Tiere. Über Facebook wurden wir darüber informiert, was sie unbedingt brauchen.“ Nämlich Weidezaunmaterial, Wasserbottiche, Arbeitsbekleidung, Schippen, Kettensägen, befüllte Benzinkanister, Schmutzwasserpumpen, Kraft- und Zusatzfutter für Pferde... „Einige Helfer leben in einem Zelt, betreuen tagsüber die Tiere und fahren abends zum Handy aufladen und duschen in einen benachbarten Ort. Ihnen haben wir noch ein paar haltbare Lebensmittel eingekauft“, sagt Inga Haase. „Es helfen ja nur bedarfsorientierte Sachspenden.“

Kommunen verweisen auf Spendenkonten

René Schernikau (parteilos), VG-Bürgermeister von Arneburg-Goldbeck, unterschreibt das. „Wir kennen es abseits von Hochwassern auch von Bränden, Sachspenden sind sicher gut gemeint, aber können auch in die völlig falsche Richtung gehen und am Ende muss man auch sie noch entsorgen.“ Die Verbandsgemeinde nehme deswegen Abstand von derlei Aktionen – außer es käme ein konkreter Wunsch. „Wir richten auch kein eigenes Spendenkonto ein, dafür gibt es Profis“, so Schernikau. In Kürze wolle die Kommune auf ihrer Homepage einen Spendenaufruf mit Verweis auf Hilfsorganisationen veröffentlichen. So wie die Einheitsgemeinde Osterburg. Sie gab am Freitag Links zu offiziellen Spendenkonten bekannt, die den vom Hochwasser geschädigten Menschen zu Gute kommen. Derweil hat auch Seehausen auf Hinweis des Landkreises eine Liste von Feuerwehrleuten zusammengestellt, die für einen Einsatz im Katastrophengebiet in Frage kämen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß. Manche würden am liebsten sofort losfahren, aber das ergäbe dort noch mehr Chaos. Los geht’s erst und nur bei Abruf“, sagt Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler).

„Mann wir ein Bär“ hat selbst fast alles verloren

Inga Haase und Kathrein Schneider haben mit Hilfe der sozialen Medien binnen weniger Tage etliche Spenden von Firmen und Privatpersonen zusammenbekommen. Der ebenfalls für die Fahrt gesponserte Transporter war voll. Inga Haase selbst fuhr nicht mit ins Katastrophengebiet. Kathrein Schneider hatte aber mit Tabea Schitteck eine andere Freundin mit an Bord. Die beiden verabredeten sich mit dem Transportunternehmer Dennis Beyers aus Rheinbach. Er hat die Hilfe koordiniert, gehört zum Kreis der Tierbetreuer und habe selbst quasi alles verloren. „Kathrein beschrieb ihn mir am Telefon als einen Mann wie ein Bär, der sein neues Paar Arbeitsschuhe fest an seine Brust drückte. Sein letztes Paar war am Tag zuvor kaputt gegangen“, erzählt Inga Haase. Beyers habe vorsichtig gefragt, wohin er die Kettensägen zurückschicken soll, wenn er sie nicht mehr benötigt. „Kathrein meinte, dann geben sie sie einfach jemand anderem, der sie braucht.“

Ein Eindruck vom  Weg zur Spendenübergabe im Katastrophengebiet in Nordrhein-Westfalen. Aus dem Transporter fotografiert.
Ein Eindruck vom Weg zur Spendenübergabe im Katastrophengebiet in Nordrhein-Westfalen. Aus dem Transporter fotografiert.
Foto: privat