Seehausen l Gegen 7 Uhr heulten gestern Sirenen von der Wische bis zur Höhe und ließen kurz Schlimmes für den Waldbrand auf rund vier Kilometern Länge an den Gleisen zwischen Seehausen und Behrend befürchten, der Feuerwehren aus der Altmark, der Prignitz und Teilen Niedersachsens seit Dienstag in Atem hielt.

In dem Fall war das Sirenengeheul aber eher ein befreiendes Signal, mit dem Blauröcke der Region noch einmal mobilisiert wurden, um insbesondere die Schläuche aus dem etwa 50 Hektar großen Gebiet und von der alten Bundesstraße zu holen, damit sie in der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises gewaschen, getrocknet, bei Bedarf repariert und an die Wehren zurückgeführt werden können. Nach einem erbitterten Kampf, der Löschkräften, Einsatzleitung und vielen Helfern alles abgefordert hatte, wurde das Feuer nach einer langen Nacht von Verbandsgemeindewehrleiter Michael Märten für gelöscht erklärt.

Glutnester schwelen

Wobei gelöscht nicht für ein 100-prozentiges Aus steht, denn noch immer schwelen im Waldboden Glutnester, die im sandigen Untergrund aber nur noch wenig Nahrung finden sollten. Das Areal wurde den Eigentümern übergeben, die für die Brandwache zuständig sind. Weil das bei rund 60 beteiligten Parteien schwierig ist, sprang erst einmal das Betreuungsforstamt „Nordöstliche Altmark“ein.

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Bei der Abschlussbesprechung vor Ort wurden gestern Mittag rund 50 Stunden nach Ausbruch des Waldbrandes noch einmal ein paar Zahlen aktualisiert. So kamen inklusive der gestrigen Aufräumungsarbeiten insgesamt 877 Feuerwehrleute (durch Schichtwechsel mit Mehrfachnennungen) zum Einsatz. Dazu viele Leute, die bei der Brandbekämpfung halfen, für Wasser, Verpflegung und anderes mehr sorgten.

Vor Ort waren allein 142 Feuerwehreinsatzfahrzeuge. Verstärkung gab es unter anderem durch einen Bergepanzer, einen Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei, einen Aufklärungs- und einen Löschhubschrauber und einige Tankfahrzeuge von Firmen oder Privatleuten. Fast 14 Kilometer Schläuche galt es gestern wieder zu bergen, weshalb der ersten Alarmierung um 7 Uhr zur Verstärkung eine weitere gegen 9 Uhr folgte. Bis zum Abrücken von der Feuerwehren am Nachmittag blieb auch die K 1020 zur Sicherheit der Einsatzkräfte voll gesperrt.

Die Bahn hatte auch gestern noch mit der Reparatur von Technik entlang der Schienentrasse und mit der Beseitigung von gefährlichen Bäumen östlich der Gleise zu tun, wollte die Strecke Wittenberge - Osterburg aber gegen 16 Uhr wieder für Züge freigeben.

Wasserverband warnte

Am Rande wurde übrigens auch bekannt, dass der Wasserverband Stendal-Osterburg die Einsatzleitung schon Dienstagabend davor warnte, dass wegen der großen Wasserentnahme aus dem öffentlichen Netz die Trinkwasserversorgung in Seehausen und im Umland zusammenzubrechen drohte.

Im Seehäuser Rathaus wurde noch gestern ein Schreiben verfasst, in dem die Bahn zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde. Denn es gilt als sicher, dass das Feuer durch einen Defekt an einem Zug beziehungsweise an Loks entstanden ist, die allerdings nicht von der DB AG betrieben werden.

Wozu das Ganze? Jemand muss die Zeche begleichen. Wie hoch die Kosten am Ende zu Buche schlagen, kann erst gesagt werden, wenn die letzten Ansprüche bei der Verwaltung eingetrudelt sind. Obwohl die Feuerwehrleute ehrenamtlich agieren, geht Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth trotzdem ganz vorsichtig von mehreren 10.000 Euro aus. Und da ist der Schaden, den die Flammen am Kiefernwald und den Bahnanlagen angerichtet haben, nicht mitgerechnet.